Lot 13
Wilhelm Lehmbruck (Duisburg 1881 – 1919 Berlin)
„Büste der Knienden“. 1912/14
Grauer Steinguss. Höhe: 50,5 cm ( 19 ⅞ in.). Rückseitig unten rechts signiert: W LEHMBRUCK. Auf der Unterseite ein Etikett des Kunstsalons Hermann Abels, Köln.
Schubert 61 (dieses Exemplar nicht erwähnt vgl. Schubert 61 b. 2-5).–
Einer von 5 bekannten posthumen Steingüssen der 1920er/30er Jahre. Fehlstelle an der rechten Brust. [3215]
Provenienz: Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (1937 im Kunstsalon Hermann Abels, Köln, erworben, seitdem in Familienbesitz 2003/04 als Leihgabe in der Stiftung Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg)
Die „Kniende“, erstmals 1911 im Pariser Salon d´Automne ausgestellt, ist Lehmbrucks berühmteste Plastik (Schubert 59). Paul Westheim sagte über diese Skulptur, der Künstler habe hier „seinen Typ festgelegt“. Sie „eröffnet ihrem Schöpfer einen Weg, auf dem er weiterschreiten kann“. (Zit. nach: Ausst.-Kat. Wilhelm Lehmbruck, Bremen, Berlin, Duisburg, Mannheim, Bremen 2000, S. 57.) Der Schriftsteller Theodor Däubler nannte die „Kniende“ in der Rückschau anerkennend das „Vorwort zum Expressionismus“ in der Plastik (a. a. O., S. 253). Schon die Zeitgenossen bewunderten die Zartheit und die ins Innere gewendete Haltung der überlebensgroßen Figur. Dieser Ausdruck erschließt sich fast noch stärker in unserer Version, die sich ausschließlich auf Kopf und einen Teil des Oberkörpers konzentriert. Die Sammler Adalbert und Thilda Colsman erwarben die Büste 1937. Seitdem befand sie sich in Familienbesitz, eine Zeit lang war sie als Leihgabe in der Stiftung Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg zu sehen.
Lehmbruck fertigte mehrere Büsten und einen Torso der „Knienden“ an. In der Sammlung der Nationalgalerie Berlin befindet sich ein Arbeitsmodell mit Markierungen für Büste und Torso. Lehmbruck hat die Reduktion seiner Plastik demnach sorgfältig konzipiert. Neben einer Fassung, bei der der Schnitt schon knapp unterhalb der Schultern erfolgt, ist die Version mit dem Schnitt durch die Brust in mehreren Exemplaren überliefert. Im Vergleich mit der großen „Knienden“ hat Lehmbruck dadurch die Ausstrahlung der Büsten noch einmal gesteigert und modifiziert. Auch bei unserem Torso erschließt sich die Wirkung von Kopfhaltung und dem entrückten Antlitz mit den halb geschlossenen Augenlidern auf Anhieb.
Hinzu kommt eine gewisse Erotik durch die Darstellung des Busens. Jener Schnitt direkt unterhalb der Brustwarzen steht nicht nur in einem eigentümlichen Kontrast zur allgemeinen Introvertiertheit der Figur, er erscheint auf untergrün-dige Weise sogar gewaltsam. Und dennoch ist es gerade dieser Schnitt, durch welchen unsere Plastik ihre Ausgewogenheit erreicht. Denn nur so wird die voluminöseste Partie des Kör-pers zur Standfläche, die nötig ist, um der Neigung des Kopfes Halt zu geben. Das macht Lembrucks Torso bei aller Vielschich-tigkeit zu einem Werk großer Geschlossenheit. OH
Wir danken Prof. Dr. Dietrich Schubert, Heidelberg, für freundliche Hinweise.
Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman
Wilhelm Lehmbruck (Duisburg 1881 – 1919 Berlin)
„Büste der Knienden“. 1912/14
Grey stone cast. Height: 50,5 cm ( 19 ⅞ in.). Signed on the reverse lower right: W LEHMBRUCK. On the underside a label of Kunstsalon Hermann Abel, Cologne.
Schubert 61 (this copy not mentioned see Schubert 61 b. 2-5).–
One of 5 known posthumous stone casts of the 1920s/30s. Her right breast with a loss. [3215]
Provenienz: Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (acquired in 1937 from Kunstsalon Hermann Abels, Cologne, thence by descent to the present owner in 2003/04 on loan to Stiftung Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg)
We would like to thank Prof. Dr. Dietrich Schubert, Heidelberg, for kindly providing additional information.
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