Lot 153
Wilhelm Wach (1787 Berlin – 1845 Berlin) Bildnis einer Velletrinerin in der Landestracht. Um 1820 Öl auf Leinwand. 63 × 51,5 cm ( 24 ¾ × 20 ¼ in.). Mit einem Gutachten von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 3. Dezember 2006.– Kleinere Retuschen. [3647] Provenienz: Privatsammlung, Dänemark Wer in der berühmten Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt durch die Säle geht, wird plötzlich von einem Blick wie einem Blitz getroffen, „Blickinjektion“ nannte Stefan Zweig dieses Phänomen. Man erkennt durch die Enfilade der Räume plötzlich eine südländische Schönheit – obwohl sie fast hundert Meter entfernt ist, überbrückt ihr Blick mühelos die Distanz. Sie ist perfekt platziert, im Augenpunkt zwischen all den großen Schätzen der Romantik, sie lockt den Betrachter zu sich, so wie ihr Land einst die deutschen Maler in den Süden lockte. Wilhelm Wachs Frau aus Velletri war eine so herausragende Komposition – sowohl für den Künstler wie auch für die Zeit um 1820 –, daß er für begeisterte Sammler einige Versionen des Motives erschuf, wie man aus dem Künstlerlexikon Boetticher weiß. Sie unterscheiden sich geringfügig, mal ist das Städtchen im rechten Bildgrund heller, mal dunkler, mal der Teint der Schönen weicher, mal gemeißelter. Unser Bild, jetzt aus dänischem Privatbesitz wieder aufgetaucht, ist besonders reizvoll. Faszinierend ist die Materialität der Stoffe – aber vor allem auch des Schmuckes. Materialuntersuchungen haben ergeben, daß es sich bei dem goldenen Ohrgeschmeide um reines Blattgold handelt, auch bei der im Schatten liegenden langen Haarnadel mit Amor (im Schweigegestus der Verliebten) steckt Silber. Der leichte Schlagschatten auf dem Körper ist ohnehin von großer suggestiver Kraft. Da es keine zeitgenössische oder spätere Dokumentation der Fassungen gibt, ist unklar, ob es sich dabei um die erste Fassung handelt, die zwischen 1817 und 1819 entstand und dann im Jahre 1820 auf der Berliner Akademieausstellung für großes Aufsehen sorgte. Das Umschlagen des Klassizismus in die Romantik läßt sich kaum anschaulicher vor Augen führen als in diesem Bild. Während in der Ausgestaltung der rosafarbenen Seide des Kleides und der porzellanhaften Rose im Dekolleté noch die klassizistische Portraitkunst Pate steht, bricht sich in den Landschaftsausblicken im Hintergrund die neue Zeit Bahn. Und natürlich vor allem auch im Blick der jungen Frau. Es ist nicht jene Verkörperung des edlen Renaissance-Italiens, die in dem legendären „Italia und Germania“ von Overbeck zum Symbol wurde, sondern eine verführerische junge Frau, die den alleinreisenden jungen Maler sichtlich in ihren Bann schlug, so wie die anderen legendären Modelle ihrer Zeit, die Vittoria Caldoni etwa oder die Primavera. Die erste Fassung dieses Frauenbildnisses von Wach gehörte dem Grafen Edward Raczynski in Posen, ihr Verbleib ist nicht überliefert, wohl aber eine Schilderung August Hagens: „Ein zart gebautes Mädchen voll bewunderungswürdiger Einheit in der Form und in der Farbe. Bezeichnend prangt am Busen die Rose neben dem Veilchen. Bei innerer Aufgeregtheit ein stilles Hinbrüten, Sinnlichkeit veredelt durch den Ausdruck eines leidenden Wesens. Hinreißende Lieblichkeit, ohne daß der Mund sich zum Lächeln verzieht.“ Heute würden wir sagen: die Italienerin als Symbol der Melancholie. Nach den Recherchen von Professor Dr. Helmut Börsch-Supan sind zur Zeit mit unserem Bild fünf Exemplare des Bildes von Wach nachweisbar. Zunächst das Bild des Grafen Raczynski (interessanterweise bemerkte August Hagen bei der Betrachtung des Originals: „Gold ist aufgesetzt“ – wie auch in dem hier vorliegenden Gemälde, wodurch möglich ist, daß es sich um das frühe Original handelt), dann die genannte Fassung im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, die 1959 bei Weinmüller erworben wurde. Und schließlich eine Fassung in der Sammlung von Rudolf August Oetker „mit auffällig reicherem Hintergrund und einer Pinie über den Ruinen“. Die in der Villa Grisebach am 30. Mai 1997 versteigerte vierte bekannte Fassung stimmt weitgehend mit dem Bild in Schweinfurt überein, ebenso eine fünfte Fassung in der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Bei allen Fassungen darf man laut Boetticher davon ausgehen, daß sie „unter des Künstlers Mitwirkung“ entstanden sind. Helmut Börsch-Supan sieht bei unserem Werk Wilhelm Wach vor allem in den markanten Gesichtszügen und im Hintergrund selbst am Werk. Und ganz sicher auch bei der Gestaltung der Augen, die, leicht aus der Symmetrie gerutscht, jenen Sehnsuchtsblick erzeugen, dem Wach erlag – und wir, hundert Jahre später, auch. FI Eine von mindestens fünf Fassungen, u. a. im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Laut Boetticher, Malerwerke, 1901 (Nr. 11) wurde das Bildnis „unter des Künstlers Mitwirkung einigemal wiederholt“. Wilhelm Wach (1787 Berlin – 1845 Berlin) Portrait of a Velletri woman in traditional dress. Circa 1820 Oil on canvas. 63 × 51,5 cm ( 24 ¾ × 20 ¼ in.). Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, dated 3 December 2006.– Small retouchings. [3647] Provenienz: Private collection, Denmark One of at least five versions, others housed for example in the Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. According to Boetticher, Malerwerke, 1901 (no. 11), the portrait was "unter des Künstlers Mitwirkung einigemal wiederholt ["repeated a number of times with the artist&apos s collaboration"]
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
25/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0