Lot 700
Wojciech Fangor (Warschau 1922 – 2015 Błędów)
„B 70“. 1965
Öl auf Leinwand. 60 × 60 cm ( 23 ⅝ × 23 ⅝ in.). Rückseitig mit Pinsel in Schwarz signiert, betitelt und datiert: FANGOR B 70 1965. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Galerie Springer, Berlin.
[3177]
Provenienz: Privatsammlung, Rheinland (1966 in der Galerie Springer, Berlin, erworben)
Wojciech Fangor, der sich als Maler privat fortbilden ließ und sein Diplom der Warschauer Akademie der Künste in Abwesenheit erhielt, interessierte sich früh für den Kubismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber herrschte die Doktrin des sozialistischen Realismus, der auch er zunächst in seinen Bildern entsprach. Als die kulturelle Umklammerung des Stalinismus nachließ, wandte er sich Industriedesign und Grafik zu – und wurde einer der Begründer der hochgelobten neuen polnischen Plakatkunst. In den sechziger Jahren begann er mit seinen die Netzhaut irritierenden Gemälden, die der sogenannten Op Art zuzurechnen sind.
Unser Gemälde entstand 1965, im selben Jahr, in dem Fangor auch auf der wegweisenden, von William C. Seitz kuratierten Ausstellung „The Responsive Eye“ im MoMA in New York vertreten war, mit der das Museum die „Op Art“ in den USA bekannt machte. Josef Albers bemängelte damals an dem Begriff zu Recht, dass man dann auch von „akustischer Musik“ sprechen könne. Besser ist daher die ebenfalls auf Fangors Kunst angewendete Bezeichnung „psychedelic works“, denn sie trägt deren Verzahnung von Außenbild und Innenwelt Rechnung. Hervorgebracht wird diese Melange durch die exakte Malweise des Künstlers. Sie ermöglicht eine Empfindung, die real und gleichzeitig ungreifbar ist.
„B 70“ zeigt im Zentrum eine grünliche Scheibe – oder ist es eine Kugel? –, die von drei konzentrischen Ringen umgeben wird. Jene scheinen mal zu den Bildrändern, mal zur Mitte zu streben und wechseln sich in den Farben Rot und Grün ab. Diesen verblüffenden Effekt erreicht Fangor durch die Unschärfe, die er seinen geometrischen Formen angedeihen lässt. Dadurch gerät die Oberfläche in Vibration. Es entsteht der Eindruck eines Pulsierens, als würde sich das Bild bewegen. Mit dem Komplementärkontrast Rot-Grün verstärkt Fangor die Illusion von Körperlichkeit und Volumen. Das Phänomen kennt man vom klassischen 3-D-Film, dessen Genuss ja auch eine rot-grüne Spezialbrille erfordert. Der Raum spielt eine zentrale Rolle in Fangors Werk. Mit dem klassischen Medium des Zweidimensionalen, der Malerei, erforscht er die dritte Dimension. So wird man mit seinen atmenden Gemälden nie fertig, weil jede neue Betrachtung das Bild wieder verändert. MS
Wojciech Fangor (Warsaw 1922 – 2015 Błędów)
„B 70“. 1965
Oil on canvas. 60 × 60 cm ( 23 ⅝ × 23 ⅝ in.). Signed, titled and dated with brush in black on the reverse: FANGOR B 70 1965. On the stretcher a label of Galerie Springer, Berlin.
[3177]
Provenienz: Private collection, Rhineland (acquired in 1966 at Galerie Springer, Berlin)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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