Lot 48
Wols (d.i. Alfred Otto Wolfgang Schulze) (Berlin 1913 – 1951 Paris)
„Ohne Titel (Figure étoilée d´yeux)“. 1946/47
Tuschfeder, Aquarell und Deckweiß auf festem Papier. 21,2 × 15,4 cm ( 8 ⅜ × 6 ⅛ in.). Unten rechts signiert: WOLS.
[3568]
Provenienz: Privatsammlung, Paris (Geschenk des Künstlers) / Privatsammlung, Süddeutschland
Ausstellung: H.W.P.S.M.T.B. Paris, Galerie Colette Allendy, 1948, mit Abb. [unpag] / Wols-Photograph (Das photographische Werk sowie einige Zeichnungen und Aquarelle), Freiburg, Kunstverein, 1979 / Wols. Bilder Aquarelle Zeichnungen Photographien Druckgraphik. Zürich, Kunsthaus und Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 1989/90, Kat.-Nr. 113 mit Farbabb
Literatur und Abbildung: Chiba, Shigeo: L´Œuvre de Wols. Thèse pour le Doctorat d´Université de Paris I, 1974, S. 174 / LeGris-Bergmann, Françoise: Composantes
plastiques et pôles des référentiels dans l´œuvre de Wols. Thèse pour le Doctorat de 3ième cycle en arts plastiques et sciences de l´art, Université de Paris I, Panthéon-Sorbonne, o.J. [1976], Nr. 3
Vielleicht wird man der Kunst von Wols am ehesten gerecht, wenn man sich von der biografischen Betrachtungsweise löst. Bilder mit bestimmten Lebensumständen zu verknüpfen, ist nicht immer die geeignete Art der Annäherung. Natürlich fließt Erlebtes während der Arbeit mal bewusst, mal unbewusst in die Gestaltung ein. Doch lässt sich dies von den Werken vieler Künstler sagen, ohne dass man das in den meisten Fällen genauer fassen könnte. Werner Hofmann bemerkte 1959 richtig, dass Wols’ künstlerische Methode wenig mit dem Automatismus im surrealistischen Sinn zu tun hat, weil er seine Kräfte und Mittel sehr kontrolliert einsetzt. Es handelt sich bei Wols eben gerade nicht um ein unkontrolliertes Strömen. Und auch die Entwicklung seiner Bildsprache zeigt, dass er zunächst von der äußeren Umgebung ausgeht und sich erst später in die ungegenständliche Form zurückzieht.
Abstraktion als Programm liegt diesem Künstler also fern. Gleichzeitig ist Wols Mitbegründer einer Kunst, die sich in einem Zeitalter existenzieller Gefährdungen bildnerischen Ausdruck verschafft, ohne deren Illustration zu bemühen. Das Blatt „Ohne Titel (Figure étoilée d´yeux)“ steht exemplarisch für die Koinzidenz von Kunst, Wissenschaft und Philosophie in der Nachkriegszeit. Die Strukturen des „Informel“ und die neuen Bildgebungsverfahren in den Naturwissenschaften, die in bis dahin nicht wiederzugebende Makro- und Nanobereiche vorstießen, ähneln sich, ohne damit gleich identisch zu sein. Der dadurch entstandene Spielraum für Assoziationen ist deutlich größer geworden. So kann unser Bild sowohl an winzige Zellformationen erinnern als auch einen Blick aus großer Höhe suggerieren. Die ineinander fließenden Farben, durch wenige, deutlicher umrissene Formen akzentuiert, beschwören ohne erklärte Absicht eine Schönheit, wie sie sich auch beim Blick durchs Mikroskop oder auf ein Satellitenbild offenbart.
Die Stärke von Wols´ Kunst liegt nicht speziell in den vielfältigen Möglichkeiten der Interpretation, die sie gewährt – auch das träfe auf Bilder vieler anderer Künstler der Nachkriegszeit zu. Sie beruht auf der inneren Notwendigkeit, die sich dem Betrachter unmittelbar mitteilt. Dieser Künstler hatte nie eine Masche, und die Ehrlichkeit seiner bildnerischen Aussagen hebt ihn heraus aus seiner Zeitgebundenheit. MS
Wols (i.e. Alfred Otto Wolfgang Schulze) (Berlin 1913 – 1951 Paris)
„Ohne Titel (Figure étoilée d´yeux)“. 1946/47
Pen and India ink, watercolour and opaque white on heavy paper. 21,2 × 15,4 cm ( 8 ⅜ × 6 ⅛ in.). Signed lower right: WOLS.
[3568]
Provenienz: Private collection, Paris (gift of the artist) /Private collection, southern Germany
Ausstellung: H.W.P.S.M.T.B. Paris, Galerie Colette Allendy, 1948, ill. [unpag.] / Wols-Photograph (Das photographische Werk sowie einige Zeichnungen und Aquarelle), Freiburg, Kunstverein, 1979 / Wols. Bilder Aquarelle Zeichnungen Photographien Druckgraphik. Zurich, Kunsthaus and Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 1989/90, cat. no. 113 colour ill.
Literatur und Abbildung: Chiba, Shigeo: L´Œuvre de Wols. Thèse pour le Doctorat d´Université de Paris I, 1974, p. 174 / LeGris-Bergmann, Françoise: Composantes plastiques et pôles des référentiels dans l´œuvre de Wols. Thèse pour le Doctorat de 3ième cycle en arts plastiques et sciences de l´art, Université de Paris I, Panthéon-Sorbonne, no year [1976], no. 3
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Retrouvez des lots similaires en vente sur Interencheres
Voir plus de lots en vente sur Interencheres
Estimation :4 000 € - 6 000 €
Live
14/06/2026
Proposé par Osenat
Estimation :300 €
Live
19/06/2026
Proposé par OGER-BLANCHET
Estimation :80 000 €
120 000 €
Live
17/06/2026
Proposé par AGUTTES
Estimation :450 € - 600 €
Live
28/06/2026
Proposé par Militaria auctions
Estimation :12 000 €
15 000 €
Live
26/06/2026
Proposé par Arenberg Auctions