Lot no. 12
Adam Pynacker (Schiedam 1620 – 1673 Amsterdam)
Landschaft mit Baum. Um 1660
Tuschfeder in Schwarz und Braun über Bleistift, grau laviert, auf Bütten (Wasserzeichen: gekröntes TIHS (ligiert)). 49,5 × 37,5 cm ( 19 ½ × 14 ¾ in.).
[3411]
Provenienz: Privatsammlung, Berlin (bis 2014)
Literatur und Abbildung: Auktion 231: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 27. November 2014, Kat.-Nr. 331
Ein krumm gewachsener Baum mit einigen kahlen Ästen. Büsche. Steine. Im Hintergrund ein angedeuteter Hügel oder vielleicht eine Düne. Nichts Spektakuläres – auf den ersten Blick. Dies ist ein Blatt des zweiten Blickes.
Der Künstler Adam Pynacker gießt auf dem großformatigen Bütten mit Feder und Pinsel seine Leuchtpunkte aus. Großzügig, aber gezielt. Der untere Teil des Baumstammes, der angedeutete Pfad und die Blätter der knorrigen Eiche erstrahlen. Das Licht des Südens trifft die Vegetation des Nordens. In diesem Werk spiegelt sich auch das Leben des niederländischen Italianisanten wider.
Geboren 1620 in Schiedam bei Rotterdam als Kaufmannssohn, wurde der junge Adam selbst zunächst Weinhändler. Für drei Jahre, so schreibt Künstlerbiograf Arnold Houbraken, reiste Pynacker nach Italien. Ihn faszinierte nicht nur der rote Wein, sondern noch mehr das gleißende Licht der römischen Campagna. Nach seiner Rückkehr lernte er wohl in Delft bei Adam Pick das Zeichnen und Malen, startete erst spät seine Künstlerkarriere. Er heiratete 1658 die Malertochter Eva Maria de Geest und zog 1661 nach Amsterdam, ins Zentrum des Goldenen Zeitalters der Niederlande. In der Zeit ist auch dieses Blatt entstanden. Pynacker lebte in der Rosengracht nur wenige Häuser von Rembrandt entfernt, der dort 1655 nach seinem krachenden Bankrott ein bescheideneres Heim gefunden hatte. Man kann sich ausmalen, wie der ältere Rembrandt, selbst das Genie der Lichtregie, und der wissensdurstige Pynacker beim Wein gefachsimpelt haben könnten.
Egal, was Pynacker auf Leinwand oder Papier schuf, es leuchtet südlich. Auf einem Gemälde hat er den Hafen von Schiedam festgehalten mit seinen Häusern, Schiffen und Menschen im holländischen Kolorit. Und darüber lacht der hellblaue, fast wolkenlose Himmel der Campagna. Wie Claude Lorrain eine Generation vor ihm oder William Turner mehr als ein Jahrhundert nach ihm, zählt Adam Pynacker zu den großen Sonnenlicht-Fängern der Kunstgeschichte. Wie man auf diesem wunderbaren Blatt sieht. Spätestens auf den zweiten Blick – und der ist immer der wichtigste.
Walter Straten, Berlin
Wir danken Peter Schatborn, ehemals Rijksprentenkabinet, Amsterdam, für die Zuschreibung der Zeichnung.
Adam Pynacker (Schiedam 1620 – 1673 Amsterdam)
Landschaft mit Baum. Circa 1660
Pen and black and brown India ink over pencil, washed grey, on laid paper (watermark: TIHS (joined) under crown). 49,5 × 37,5 cm ( 19 ½ × 14 ¾ in.).
[3411]
Provenienz: Private Collection, Berlin (until 2014)
Literatur und Abbildung: Auction 231: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 27 November 2014, cat. no. 331
We would like to thank Peter Schatborn, formerly Rijksprentenkabinet, Amsterdam, for the attribution of the drawing.
Pictures credits: Contact organization
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