Lot no. 315
Adolf Fleischmann (Esslingen 1892 – 1968 Stuttgart) „# 527“. 1963 Öl auf Leinwand. 127 x 114,5 cm ( 50 x 45 ⅛ in.). Unten rechts signiert und datiert: fleischmann 63. Rückseitig mit Filzstift in Schwarz betitelt, signiert, datiert und bezeichnet: # 527 A.R. fleischmann 63. Fischer F/ A 63/9 / Wedewer O 380.– In der originalen Künstlerleiste. [3334] Provenienz: Elly Fleischmann, Stuttgart Ausstellung: Adolf Fleischmann. New York, Stable Gallery, 1963 / Die konkrete Zeit – Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Umbruch 2013 – Module im Wandel. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2013 „Wie in den Kompositionen Mondrians gibt es [bei Fleischmann] keine Einzelformen mehr, sondern rhythmische Gefüge, deren Offenheit häufig durch leer gelassene Randräume noch betont wird. Vereinfachung, Vereinheitlichung: das ganze Bild eine einzige Form. In großen Formaten werden solche Gefüge zu architektonischen Fugen; hier tritt auch die Farbe wieder zurück und lässt einer vibrierenden Tonigkeit den Vorrang.“ (Kurt Leonhard, in: Adolf Fleischmann. Retrospektive zum 100. Geburtstag, Ausst.-Kat., Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen Esslingen, 1992, S. 21 f.) Adolf Fleischmann hat die individuelle Formensprache seiner synthetisierenden Kunst nicht nur in zahllosen formalen Variationen ausgebreitet, sondern auch eine farblich nuancierte Vielfalt erarbeitet. Nach einer schweren Krankheit im Jahr 1962 hielt sich Fleischmann in den darauffolgenden Jahren hauptsächlich in Stuttgart auf. Aus dieser Zeit, in der auch die sogenannten „Metamorphosen“-Bilder entstehen, stammt unser Bild #527. Dieses Werk steht exemplarisch für eine Phase, in der sich die in Fleischmanns Bildsprache bis dahin dominanten L-Formen teilweise auflösen und durch ineinandergeflochtene, senkrechte Streifen ersetzt werden. Den dadurch erzielten Effekt beschreibt Erich Herzog als „eine teppichhafte Wirkung“ (Erich Herzog, in: Adolf Fleischmann, Gemälde Reliefbilder, Gouachen, 1952-1963, Ausst.-Kat. Hessisches Landesmuseum Kassel, Staatliche Kunstsammlung Kassel, 1964), die jedoch noch immer die Vorstellung einer optischen Bewegung und das für Fleischmann typische Vibrieren im Auge des Betrachters evozieren kann. In seinem Spätwerk hat der Maler seinen Umgang mit Farben perfektioniert, sodass er deren Anzahl stetig reduziert. In #527 dominieren vor grauem Hintergrund, der von einem helleren, ebenso grauen Rahmen umgeben ist, weiße, gebrochen weiße und schwarze Streifen die Bildfläche. Lediglich fünf farbige Streifen in zwei unterschiedlichen matten Blautönen dienen Fleischmann der Akzentuierung; im Zentrum der Leinwand eröffnet ein dunkelgrauer Hintergrund die Tiefe der Leinwand und hebt die davor schwebenden Streifen dem Betrachter optisch entgegen. Fleischmanns farbliche Gestaltung folgt grundsätzlich der musischen Hell-Dunkel-Auffassung Paul Klees (Vgl. Lorenz Dittmann, in: Adolf Fleischmann. Retrospektive, Ausst.-Kat., Saarbrücken 1987, S. 26 f. ), der erkannte, dass es sich „[...] bei den Helldunkel-Tönen, den vielen Abstufungen zwischen Schwarz und Weiß, [...] um Gewichtsfragen“ handele (Paul Klee, in: Jörg Spiller (Hg.): Das bildnerische Denken Paul Klees, Schriften zur Form- und Gestaltungslehre, Stuttgart 1956, S. 86 f.). Feinfühlig tariert auch Fleischmann die Gradation seiner Farben für jedes Bild aus und wägt die Proportionen der Bunt- und Neutralfarben sowie die Helligkeits- und Buntgehalte sorgfältig gegeneinander ab. Die Grundfläche bleibt bei Fleischmann farblich umso ruhiger, je stärker er die Bewegung bemerkbar machen wollte, um letztendlich einen Eindruck der bewegten Ruhe zu schaffen – die sogenannte „Ruhepräsenz“ (Rolf Wedewer: Adolf Fleischmann, Stuttgart 1977, S. 139 f.). Das Ergebnis ist eine vibrierende Räumlichkeit der Fläche und ein das Bildgeschehen bestimmendes Klingen und Schwingen. „Fleischmann malte oft bei Barockmusik und sprach mit mir häufig über den fugenhaften Aufbau vieler seiner Bilder. Er hatte jedoch keinesfalls die Absicht, Musik in Malerei umzusetzen. Erst im entstandenen Bild entdeckte er die fugenhafte Komposition.“ (Elly Fleischmann, zit. nach: Lorenz Dittmann, in: Adolf Fleischmann. Retrospektive, Ausst.-Kat., Saarbrücken 1987, S. 27) Adolf Fleischmann (Esslingen 1892 – 1968 Stuttgart) „# 527“. 1963 Oil on canvas. 127 x 114,5 cm ( 50 x 45 ⅛ in.). Signed and dated lower right: fleischmann 63. On the reverse in black felt-tip pen titled, signed, dated and inscribed: # 527 A.R. Fleischmann 63. Fischer F/ A 63/9 / Wedewer O 380.– In the original artist's mounting. [3334] Provenienz: Elly Fleischmann, Stuttgart Ausstellung: Adolf Fleischmann. New York, Stable Gallery, 1963 / Die konkrete Zeit – Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Umbruch 2013 – Module im Wandel. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2013
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Collection Manfred Wandel
10719 Berlin - Germany
06/04/2015
Offered by Grisebach
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