Lot no. 36
Alexej von Jawlensky (Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden) „Große Meditation: Aufbegehren der Sünde“. 1937 Öl auf leinenstruktruiertem Papier auf Karton. 25 × 16,9 cm ( 9 ⅞ × 6 ⅝ in.). Unten links monogrammiert: A.J. Unten rechts datiert: 37. Rückseitig mit einem aufmontierten Papier. Dort von Lisa Kümmel für den Künstler beschriftet und datiert: A. Jawlensky III 1937 N.8. Darunter von Andreas Jawlensky, dem Sohn des Künstlers, beschriftet: Meditation IV „Aufbegehren der Sünde“. Auf der Rahmenrückwand jeweils ein Etikett der Kunsthalle Emden und der Pinacoteca Comunale Locarno (s.u.). Werkverzeichnis: Jawlensky 2149.– Auf Hartfaser aufgezogen, mit Aussparung für das rückseitige Signaturfeld. [3248] Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Ausstellung: Alexej Jawlensky. Locarno, Pinoteca Comunale Casa Rusca, und Emden, Kunsthalle, 1989/90, Ergänzungsband zum Hauptkatalog, Abb. S. 31 Literatur und Abbildung: Clemens Weiler: Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen. Hanau, Dr. Hans Peters Verlag, 1970, Nr. 1072 Im November 1936 schrieb Alexej von Jawlensky an Galka Scheyer: „Galka, Galka, meine liebe Galka! Ach, wie ich leide. Vor einigen Tagen konnte ich vom Sessel gar nicht aufstehen und auch keinen Schritt machen. […] Gott weiss wie lange kann ich den Pinsel halten“ (zit. nach Armin Zweite (Hg.): Alexej Jawlensky 1864–1941, München 1983, S. 114). Damals litt Jawlensky seit sieben Jahren an einer schweren Arthritis deformans, die ihn zunehmend lähmte. Durch diese körperliche Einschränkung war der Künstler gezwungen, sich fortan auf kleine Formate zu beschränken. 1934 begann er die Arbeit an seiner letzten großen Serie, den Meditationen, die mit 1.600 kleinformatigen Einzelbildern in der Kunst des 20. Jahrhunderts ohne Beispiel ist. Um sich trotz fortschreitender Krankheit diesen Bildern widmen zu können, ließ er sechs bis acht Blätter der leinenstrukturierten Malpapiere auf einen festen Untergrund fixieren, um sie dann in Folge zu bemalen. Da seine Hände mittlerweile fast steif geworden waren, musste er sich den Pinsel an die Gliedmaßen binden lassen. „Meine letzte Periode meiner Arbeiten hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger nur mit der Farbe gesprochen. […] Und jetzt lasse ich diese kleinen, aber für mich bedeutenden Werke für die Zukunft den Menschen, die Kunst lieben“ (zit. nach Tayfun Belgin, Alexej von Jawlensky, eine Künstlerbiographie, Heidelberg 1998, S. 128). So konzentriert sich Jawlensky auf das Wesentliche und erreicht einen äußersten Grad an Abstraktion. Während in den früheren Serien der „Mystischen Köpfe“ und „Heilandsgesichte“ trotz der expressiven Verfremdung das Antlitz als solches eindeutig erkennbar blieb, erkennt man nun nur noch horizontale und vertikale Strukturen. Die Bilder sind jetzt Gesicht und orthodoxes Kreuz zugleich und nähern sich Ikonen. „Große Meditation: Aufbegehren der Sünde“ von 1937 ist eines der letzten Gemälde Jawlenskys. Kurz nachdem er es vollendet hat, musste sich der Künstler seiner Krankheit beugen. „Drei Jahre malte ich diese kleinen abstrakten Köpfe wie ein Besessener“, berichtet er in einem Brief an Pater Willibrord Verkade vom Juni 1938. „Da fühlte ich, daß ich bald ganz aufhören mußte zu arbeiten. Und so kam es auch! Ich schicke Ihnen eine meiner letzten Arbeiten. Ich vermute, daß sie ihnen fremd sein wird. Aber seien Sie nicht gleich ein strenger Richter, da Sie wissen müssen, daß jede neue Sprache befremdend, ja abstoßend wirken kann“ (zit. nach Zweite 1983, S. 99). Heute wissen wir, dass seine Sorge unbegründet war. ED Alexej von Jawlensky (Torzhok 1864 – 1941 Wiesbaden) „Große Meditation: Aufbegehren der Sünde“. 1937 Oil on line structured paper on cardboard. 25 × 16,9 cm ( 9 ⅞ × 6 ⅝ in.). Monogrammed lower left: A.J. Dated lower right: 37. On the reverse with a mounted paper. There inscriebd and dated by Lisa Kümmel for the artist: A. Jawlensky III 1937 N.8. Below this inscribed by Andreas Jwalensky, the son of the artist: Meditation IV „Aufbegehren der Sünde“. On the back of the frame labels the Kunsthalle Emden and the Pinacoteca Comunale Locarno (see below). Catalogue raisonné: Jawlensky 2149.– Laid down on masonite, with space for the signature field on the reverse. [3248] Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia Ausstellung: Alexej Jawlensky. Locarno, Pinoteca Comunale Casa Rusca, and Emden, Kunsthalle, 1989/90, supplement to the main catalogue, colour ill. p. 31 Literatur und Abbildung: Clemens Weiler: Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichter, Meditationen. Hanau, Dr. Hans Peters Verlag, 1970, no. 1072
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Drawings, watercolours and pastels
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11/30/2017
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