Lot no. 828
André Butzer (Stuttgart 1973 – lebt in Rangsdorf b. Berlin)
„Friedens – Siemens XIII“. 2003
Öl auf Leinwand. 300 × 210 cm ( 118 ⅛ × 82 ⅝ in.). Unten rechts signiert: A. Butzer. Rückseitig mit rotem Faserstift signiert, datiert und betitelt: A. Butzer ‘03 „Friedens-Siemens“ XIII.
[3209]
Walt Disney sei genauso ein Vorbild für ihn wie Hölderlin, bekennt Butzer in einem Interview mit dem Magazin „von Hundert“ (vonhundert.de). Beide stünden für Sehnsüchte – und Kunst wolle genau diese Sehnsüchte formulieren. So wird deutlich, dass die Wesen und Köpfe Butzers weniger als popkulturelle Referenz verstanden werden sollten, sondern eher als Symbole, die einer höheren Idee dienen. Dabei muss offen bleiben, worin diese Idee im Einzelnen besteht. Geht es Butzer, der immer wieder Puzzleteile der Kunstgeschichte in seine Arbeiten streut, Edvard Munch, Asger Jorn, Marcel Duchamp und andere zitiert, nicht auch um die grundlegenden Fragen von Figuration und Abstraktion? Um das Verhältnis von Körper und Raum in der Fläche? Um die Wirkung von Farbe? Um das Erzeugen von Gefühlen, seien diese nun echt, künstlich oder künstlerisch? Übergroß erscheint der Kopf in unserem Bild „Friedens-Siemens XIII“. Er füllt beinahe die gesamte Fläche. Seine Herkunft vom Comic ist unübersehbar. Aber Butzer hat dessen rudimentäre Bildsprache deutlich erweitert. Der Kopf wirkt seltsam deformiert, das Augenpaar übergroß. Der Ausdruck des Gesichts ist nicht eindeutig zu benennen. Während der Blick Schreck und Angst suggeriert, spielt ein maliziöses Lächeln um den Mund. Als wolle der Künstler dem Betrachter damit sagen, dass ein Kopf dieser Größe keinen Körper braucht. Im Kontrast zum zeichenhaften, auf schnelle Assoziationen zielenden Bildmotiv steht die zurückhaltende, fast zarte Art der Malerei. Andere Bilder der „Friedens-Siemens“-Reihe sind plakativ farbig. Dieses hier ist aus- schließlich in Grautönen gehalten. Die dünnflüssige Farbe läuft in Rinnsalen die Leinwand herab. Nur im linken Auge entdeckt man eine Stelle, in der die Farbe dick aufgespachtelt wurde. So oszilliert unser „Friedens-Siemens XIII“ zwischen Einfachheit und Bedeutungsschwere, Vergangenheit und Gegenwart. Diese Vielschichtigkeit, der auch eine gewisse Unbehaglichkeit eigen ist, macht das Wesen der Kunst von André Butzer aus. OH
André Butzer (Stuttgart 1973 – lives in Rangsdorf near Berlin)
„Friedens – Siemens XIII“. 2003
Oil on canvas. 300 × 210 cm ( 118 ⅛ × 82 ⅝ in.). Signed lower right: A. Butzer. On the reverse signed, dated and titled with red felt-tip pen: A. Butzer '03 „Friedens-Siemens" XIII.
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Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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