Lot no. 151
Andreas Achenbach (Kassel 1815 – 1910 Düsseldorf) Der Altenberger Dom (Studie). 1831 Öl auf Leinwand auf Pappe. 20 × 23 cm ( 7 ⅞ × 9 in.). Rückseitig auf einem Aufkleber alt mit Feder in Braun beschriftet: Studie von der Ruine Altenberg von Andreas Achenbach, gemalt 183 [!]. Kleine Retuschen. [3254] Provenienz: Im 19. Jh. Sammlung Karmann, Cincinnati (USA) / Privatsammlung, Süddeutschland Ausstellung: Andreas und Oswald Achenbach. „Das A und O der Landschaft“. Düsseldorf, Kunsthalle Hamburg, Altonaer Museum, und Linz, Landesgalerie am Oberösterreichischen Landesmuseum, 1997/98, S. 209, Farbabbildung S. 67 Kloster Altenberg, südwestlich von Düsseldorf an der Dhünn gelegen, gehörte zu den reichsten Klöstern des Zisterzienserordens auf rheinischem Gebiet und wurde ebenso wie zahlreiche weitere Kirchen und Klöster 1803 säkularisiert. Durch den Verkauf an einen Kölner Kaufmann entging es zwar dem unmittelbaren Abbruch, jedoch zerstörte 1815 ein Brand Teile der Wirtschaftsgebäude und der Kirche. Als Folge stürzten 1821 Teile des Querschiffs und des Chorschiffes ein, 1830 das Vierungsgewölbe. In dieser Zeit, gegen Ende der 1820er Jahre, setzten die Studienbesuche der Düsseldorfer Malerschüler ein, die hier unter der Führung von Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863) und Carl Friedrich Lessing (1808–1880) authentisches Material für ihre Ruinenfantasien suchten und fanden. Die romantische Ruine – Kloster Altenberg wurde erst ab 1835 auf Initiative des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gesichert und restauriert – entwickelte sich zu einer festen Größe im Kanon des Düsseldorfer Studienmaterials, hier gaben sich ebenso Architekturmaler wie Landschafter oder Genremaler ein Stelldichein. Andreas Achenbach besuchte die Ruine bereits im Alter von 16 Jahren und fertigte eine Reihe von einzelnen Architekturstudien an, von denen heute zwei bekannt sind: ein Blick vom Obergaden auf das Südquerhaus (Ölstudie, 19 × 25cm, Düsseldorf, Museum Kunstpalast) ein Blick vom Inneren des Mittelschiffes auf das Fenster im fünften Joch des nördlichen Seitenschiffes (Ölstudie, 23,5 × 19 cm, Düsseldorf, Stadtmuseum). Die vorliegende Studie, ausgeführt in nahezu dem gleichen Format wie die genannten, gehört in diesen Kontext, alle drei dienten der Vorbereitung einer wohl 1831 entstandenen Ansicht des Altenberger Domes von Westen im Mondlicht (vgl. Karl Eckert, 700 Jahre Altenberg im künstlerischen Bildwerk vom 13. bis 20. Jh., Bergisch Gladbach 1956, Abb. S. 15 evt. identisch mit Boetticher I,1, S. 2, Nr. 2 heute verschollen(?)). Anders als bei den beiden zitierten Innenraumstudien von Altenberg, in denen ein Bemühen um die architektonische Darstellung noch deutlich wird, ist die vorliegende Detailstudie von großer Prägnanz und von rascher Durchdringung der baulichen Zusammenhänge geprägt. Achenbach blickt aus südöstlicher Richtung auf den Chor, mit großer Leichtigkeit erfasst er die Materialität und die Oberflächenstruktur jedes Architekturdetails – alles zusammengebunden durch ein intuitives Begreifen der Lichtstrukturen. Die Studie wirkt außerordentlich lebendig, nicht nur durch ihren Charakter als Non-finito-Arbeit, sondern auch durch Blickwinkel, Nahsichtigkeit und Komposition. Andreas Achenbach hatte eben erst im Frühjahr 1831 sein von der Kritik äußerst positiv aufgenommenes Bild „Die alte Akademie in Düsseldorf“ (Düsseldorf, Museum Kunstpalast) fertiggestellt und wandte sich, bestärkt durch die Architektur- und Perspektivvorlesungen seines Lehrers Professor Schäfer in Düsseldorf, der Architekturmalerei zu. Mit einem leichten Augenzwinkern berichtete er selbst 1860 rückblickend in seinen Jugenderinnerungen von der Rezeption seines Akademie-Bildes: „Ich kam mir vor wie ein Mann, der eine Erfindung gemacht hatte. Ganz einfach, dachte ich (es war die Zeit der Burgen und Klosterhöfe, wo Lessing natürlich uns das unerreichbare Ideal war), geh nach Altenberg. Du hast jetzt etwas Geld, male dort Studien und übersetze die Sache in den Winter. Ich hatte die Ansicht der Akademie ohne alle Anregung durch andere Bilder, nur durch die Natur und die Not des Unterhalts getrieben, allein angefangen, und keine Idee, keine Reminiszenzen oder etwas anderes hat mich dabei geleitet. Und doch ließ ich mich verführen, auch Burgen und Klöster zu malen. Jetzt fing ich an zu streben und dachte, wenn du nur erst so malen könntest wie dieser oder jener. [...] In Altenberg machte ich mir schon bessere Studien, kehrte zurück und malte ein Bild davon im Schnee [...]“ (Helmut Börsch-Supan/Arno Paffrath, Altenberg im 19. Jahrhundert. Bergisch Gladbach 1977, S. 74, 78). Achenbachs Architekturstudie des Altenberger Domchores zeigt bereits seine für spätere Jahre typische Fähigkeit, sich, vom Kontext völlig losgelöst, auf ein Detail oder die Facette eines Motivs zu konzentrieren. Fast schwerelos wirkt das Zusammenspiel von vorspringenden Pfeilern und zurückweichender Fensterebene, bewusst wird die Anbindung an den Vordergrund – links vorn – nicht ausgeführt, sondern frei gelassen. Standpunkt und räumliche Verortung des Künstlers im Bild sind irrelevant geworden, es geht um die reine Abbildhaftigkeit, im Wortsinne: Vordergründigkeit des Motivs. Der Bildraum trennt sich vom Betrachterraum, die Abbildung wird zum reinen Bild, absolut künstlich, zugleich absolut realistisch. Mit dieser Architekturstudie nimmt Achenbach seine später, 1844 in Italien entstandenen, faszinierend schwerelosen Motiv- und Detailstudien vorweg, die – ebenso typisch für ihn – als Momentaufnahmen zu verstehen sind. Auch die Altenberger Studie war so eine Momentaufnahme, das Bild eines Augenblicks, das später als Fundus, als Erinnerung diente, jedoch nie als unmittelbare Vorlage für ein Gemälde genutzt werden sollte. Irene Haberland Andreas Achenbach (Kassel 1815 – 1910 Düsseldorf) Altenberg Cathedral (Study). 1831 Oil on canvas on cardboard. 20 × 23 cm ( 7 ⅞ × 9 in.). On the reverse, a historical inscription on a label in pen and brown ink: Studie von der Ruine Altenberg von Andreas Achenbach, gemalt 183 [!]. Minor retouchings. [3254] Provenienz: In the 19. Century in the Karmann collection, Cincinnati (USA) / private collection, southern Germany Ausstellung: Andreas and Oswald Achenbach. „Das A und O der Landschaft“. Düsseldorf, Kunsthalle Hamburg, Altonaer Museum, and Linz, Landesgalerie am Oberösterreichischen Landesmuseum, 1997/98, p. 209, colour ill. p. 67
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