Lot no. 46
Antoni Clavé (Barcelona 1913 – 2005 Saint Tropez)
Le roi et la fleur. 1958
Öl auf Leinwand. 131 × 144 cm ( 51 ⅝ × 56 ¾ in.). Unten rechts signiert: Clavé. Rückseitig mit einem Etikett der Galerie Drouant-David, Paris.
[3494]
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz
Verwittert ist dieser König aus mythischer Zeit zu uns herübergekommen. Erst nach und nach verfestigt sich seine Figur vor den Augen des Betrachters. Den übergroßen Kopf hat Clavé streng im Pro l gemalt und mit einem Lineament in Weiß versehen. Fast scheint es, als blickten wir auf Sehnen und Knochen. Die Krone und das um den Kopf geschlungene Tuch sind mit edlen Steinen besetzt, im Zepter manifestiert sich seine königliche Macht.
Das Gewand (oder ist es eine Rüstung?) ist fragmentiert wie ein Prisma. Dennoch wirkt dieser König hoheitsvoll, beinahe entrückt. Und mit welch zärtlicher Geste erhebt er den Arm mit der einen, der rot-blauen Blume! Wem gilt das Geschenk? Seiner Königin? Man kann es nicht genau sagen. Das Gebilde ihm gegenüber, rot hinterfangen, bleibt das malerische Geheimnis Clavés.
Antoni Clavé, geboren 1913 in Barcelona, war Autodidakt. Er entwarf zunächst Bühnenbilder und Plakate. Während der Franco-Diktatur emigrierte er nach Frankreich. Hier übten vor allem Pablo Picasso und Georges Rouault großen Ein uss auf ihn aus. 1945 taucht das Motiv des Königs erstmals in Illustrationen Clavés auf, die er für eine Ausgabe von Prosper Mérimées „Carmen“ schuf. Sie ähneln den Königen auf spanischen Spielkarten.
Unsere Arbeit „Le roi et la eur“ entstand 1958 und zeigt den Maler auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Könige und Krieger sind in dieser Zeit für ihn die bestimmenden Themen. Clavé spielt mit der Tradition des Herrscherporträts, nutzt seine Pathosformeln – und verweist damit zweifellos auf die politischen Verwerfungen in seiner Heimat und in Europa. Aber „Le roi et la eur“ ist auch ein hinreißendes Stück Malerei: In seiner Farbigkeit auf den Dreiklang von Grau, Rot und Blau konzentriert, stechen die wenigen Stellen in Grün oder Gelb im unteren Drittel der Komposition umso mehr hervor.
Es gibt auf diesem Bild zart durchscheinende Partien, Farbverläufe, Übermalungen und kubistisch zergliederte Flächen mit einer reichen Binnenstruktur. So erscheint es fast wie eine Collage, eine Technik, die Clavé in den folgenden Jahren immer häu ger anwenden wird. Die ihm dafür gebührende Anerkennung blieb dem Künstler nicht verwehrt. 1959, ein Jahr nachdem er „Le roi et la eur“ malte, wurde Clavé von Arnold Bode nach Kassel zur documenta II eingeladen. OH
Antoni Clavé (Barcelona 1913 – 2005 Saint Tropez)
Le roi et la fleur. 1958
Oil on canvas. 131 × 144 cm ( 51 ⅝ × 56 ¾ in.). Signed lower right: Clavé. On the reverse with a label of Galerie Drouant-David, Paris.
[3494]
Provenienz: Private Collection, Switzerland
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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