Lot no. 770
A.R. Penck (Dresden 1939 – lebt in Irland) „WALLENSTEINS ERMORDUNG“. 1999 Acryl auf Leinwand. 200 x 250 cm ( 78 ¾ x 98 ⅜ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: a.r. penck. Auf dem Keilrahmen mit Bleistift signiert und datiert: a.r. penck wallensteins ermordung. [3195] Provenienz: Firmensammlung, Deutschland Ausstellung: A.R. Penck. Dogma und Dialektik. Berlin, Galerie Michael Schultz, 1999/2000 A.R. Penck existierte als Künstler in der DDR offiziell nicht. Er arbeitete außerhalb der Kunstdogmen, gänzlich frei und doch im dauerhaften Widerstreit mit einer von ihm nicht geteilten Kunstpolitik. Seine Arbeiten thematisierten deshalb immer wieder die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft, aber auch den Konflikt von Gruppen und Gemeinschaften untereinander. Der Kalte Krieg, die beiden deutschen Staaten, der Mauerbau: in seinen „Weltbildern“ verarbeitete Penck diese Konflikte mit aggressiver malerischer Geste. Es sind moderne Historienbilder, aus geringer zeitlicher Distanz zwar gesehen, doch immerhin Historienbilder. 1999, nach dem Zusammenbruch des Sozialismus im Ostblock und der Wiedervereinigung Deutschlands, befaßt sich Penck mit einer fast schon mythischen Gestalt. Der Maler triumphiert nicht etwa über den Untergang des Systems, das ihn ausschloß und 1980 zur Ausreise in den Westen zwang. Mit ungewohnt feiner Ironie kommentiert er in „Wallensteins Tod“ das epochale Ereignis, das den Kalten Krieg beendete. Der kaiserliche katholische Feldherr Wallenstein, der im Dreißigjährigen Krieg den Friedensschluß mit den verfeindeten protestantischen Mächten suchte, wurde nach Intrigen des Verrats beschuldigt und auf kaiserlichen Befehl hin ermordet. Durch Stellung und Titel während des Krieges zu Macht und Reichtum gekommen, war er von der komplexen politischen Lage zuletzt überfordert und wurde als Akteur ausgeschaltet. Der Betrachter wird von einer überbordenden Masse an Symbolen, Zeichen, Worten und Figuren schier überwältigt. Das historische Personal ist durchaus mit Humor gestaltet: Wallenstein, im Angesicht der gegen ihn erhobenen Lanze mit angstvoll offenem Mund, wird flankiert von finsteren Kirchenmännern, seinem Astrologen Seni, dem lachenden Kaiser. So augenfällig das eine, so rätselhaft andere Zeichen. Die handelnden Personen sind klar erkennbar, ihre Motive sind es nicht. Dicht an dicht sind die Zeichen gesetzt, Spielräume zum Ausweichen oder Reagieren existieren nicht mehr. Das Geschehen ist in Gang gesetzt und läßt sich nicht mehr aufhalten. Der Künstler komponiert und malt mit größter Sorgfalt ein Bild über den Fall eines Machtmenschen. Es scheint, als müsse Penck in dieser euphorischen und vom Jubel gesättigten Zeit seinen Blick auf die Gesellschaft neu ausrichten. (OH) A.R. Penck (Dresden 1939 – lives in Ireland) „WALLENSTEINS ERMORDUNG“. 1999 Acrylic on canvas. 200 x 250 cm ( 78 ¾ x 98 ⅜ in.). Signed in pencil lower right: a.R. Penck. On the stretcher signed and dated in pencil: a.R. Penck wallensteins ermordung. [3195] Provenienz: Corporate collection, Germany Ausstellung: A.R. Penck. Dogma und Dialektik. Berlin, Galerie Michael Schultz, 1999/2000
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Contemporain
10719 Berlin - Germany
06/05/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0