Lot no. 153
August Macke (Meschede 1887 – 1914 Perthes-lès-Hurlus) „Bildnis Elisabeth (Die Frau des Künstlers)“. 1913 Bleistift auf glattem Papier. 20,2 × 12 cm ( 8 × 4 ¾ in.). Rückseitig unten rechts mit dem Nachlassstempel in Schwarz (Lugt 1665b). Rückseitig beschriftet: Lisbeth 1913. Heiderich 2038 a (im Nachtrag).– [3410] Provenienz: Nachlass des Künstlers / Privatsammlung, Berlin (bis 2001) Ausstellung: „Mein zweites Ich“ – August und Elisabeth Macke. Bonn, August Macke Haus, 2009/10 Literatur und Abbildung: Auktion 90: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30. Juni 2001, Kat.-Nr. 189 August Macke, dieser große Maler des glücklichen Lebens, gab eigentlich allen Frauen, die er malte, die Züge seiner Ehefrau Elisabeth. Macke, der Rheinländer, Genussmensch und Gefühlsmensch, war verliebt in das Leben und in seine Frau, die er viele hundert Male zeichnete und malte. Das Malen war für ihn, wie er einmal sagte, ein „Durchfreuen der Natur“. Auch das macht ihn zu solch einer Ausnahmefigur innerhalb des deutschen Expressionismus. Unsere Bleistiftzeichnung stammt aus dem Jahr 1913, jenem Jahr, in dem Macke und Elisabeth die glücklichsten Tage ihrer Ehe verbrachten, als sie im Herbst nach Hilterfingen an den Thuner See zogen. Sehr ruhig schaut Elisabeth ihn an – und er kann nicht anders, als schnell das Papier und den Bleistift in die Hand zu nehmen, um ihr Antlitz festzuhalten. Es ist eine besondere Zeichnung, weil der Künstler sein Modell so frontal zeigt und sich um eine gewisse Neu-tralität bemüht, ernst, entschlossen schaut Elisabeth. Seine besondere Dynamik bezieht das Blatt aus den feiner schraffierten Flächen im Gesicht und auf dem Hals und den mit dem dickeren Stift gezogenen schwarzen Linien der Haare. Wie oft hat Macke seine Frau gezeichnet und gemalt? Im Jahr 1913 sicher schon viele hundert Male. Und doch sieht er das Gesicht seiner Frau jedes Mal wieder neu, voll Neugier, mit offenem Herzen, mit offenen Augen. Sie selbst schaut sehr ernst auf diesem Blatt. Ob sie schon ahnt, dass dieses Paradies mit geliebtem Mann und den zwei Kindern am sonnenbeschienen See in der Schweiz bald ein Ende haben wird, dass ihr geliebter August ein Jahr später im Krieg fallen wird? Macke erfasst diesen Hauch von Melancholie im Paradies mit wenigen Zügen – Elisabeth Macke erzählte später, dass ihr Mann mittags die Bilder aus dem Atelier unter dem Dach des Hauses in Hilterfingen mit in den Garten brachte, der „in leuchtenden Herbstfarben von der Sonne durchflutet war, und stellte sie mitten hinein in dieses Glühen: Sie verblassten keineswegs, sie hatten ihr eigenes Leuchten. Dann frug er mich: ‚Was meinst Du, ist das nun was oder ist das Kitsch, ich kann es wirklich nicht sagen?’, Elisabeth wusste, was es ist. Und wir wissen es auch. Es sind Bilder von solch echter, bezwingender Schönheit, dass manche sie nur ertragen können, wenn sie versuchen, sie als Kitsch zu denunzieren. Es macht eben die Einzigartigkeit Mackes aus, dass ihm nicht nur das Leben gelang und die Liebe, sondern auch die Kunst. Und wenn man möchte, dann mag man den Schnörkel unterhalb des Halses, den Macke hier in großer Geschwindigkeit gezeichnet hat, nicht nur als angedeuteten Ausschnitt der Bluse sehen, sondern symbolisch als ein umgedrehtes Herz. Florian Illies, Berlin August Macke (Meschede 1887 – 1914 Perthes-lès-Hurlus) „Bildnis Elisabeth (Die Frau des Künstlers)“. 1913 Pencil on smooth paper. 20,2 × 12 cm ( 8 × 4 ¾ in.). Estate stamp in black on the reverse lower right (Lugt 1665b). Inscribed on the reverse: Lisbeth 1913. Heiderich 2038 a (in the addendum).– [3410] Provenienz: Estate of the artist / Private Collection, Berlin (until 2001) Ausstellung: „Mein zweites Ich“ – August und Elisabeth Macke. Bonn, August Macke Haus, 2009/10 Literatur und Abbildung: Auction 90: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30 June 2001, cat. no. 189
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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10/26/2018
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0