Lot no. 205
Auguste Renoir (Limoges 1841 – 1919 Cagnes-sur-Mer)
„La vallée de la Seine, vue de Louveciennes“. 1889
Öl auf Leinwand. Doubliert. 32 × 40 cm ( 12 ⅝ × 15 ¾ in.). Unten links signiert: Renoir.
Dauberville 836.–
[3010]
Provenienz: Jeanne Baudot, Louveciennes / Galerie Koller, Zürich (April 1980) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (erworben von der Galerie Thomas, München)
Literatur und Abbildung: Jeanne Baudot: Renoir. Ses amis, ses mòdeles. Paris, Éditions littéraires de France, 1949, S. 41
Zeitlebens galt Renoirs Interesse ganz unterschiedlichen Themenbereichen wie dem Porträt, dem Mehrfigurenbild und der Landschaft. Die Hinwendung zur Letzterer teilte er vor allem mit Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley als seinen vertrauten Weggenossen im Sinn des Impressionismus. Dieses kleinformatige Bild, dem neuesten Werkverzeichnis von G. P. und M. Dauberville ist es um 1889 entstanden, soll die Landschaft von Louveciennes darstellen, einem kleinen Seine-abwärts gelegenen Ort in der Umgebung von Paris.
Als späterer Wohnort seiner Eltern und häufiger Treffpunkt seiner Künstlerfreunde kannte Renoir diese Gegend sehr gut. Trotzdem gibt der Künstler hier keine topografisch präzise Schilderung und erst recht nicht die Vorstellung einer meteorologisch benennbaren Situation. Bestimmend ist stattdessen der Gesamteindruck eines engen Zusammenhangs von Form, Farbe und deren Struktur, der eine Stimmung heller Sommerlichkeit in weiterem Sinn entstehen lässt. Dabei machen jene Einfachheit und Sicherheit im Umgang mit den bildnerischen Mitteln das im erwähnten Werkkatalog gegebene, relativ späte Datum „um 1889“ verständlich, einem Zeitpunkt, an dem Renoir sich mit Werken wie „Bal au Moulin de la Galette“ (1866), „Frühstück der Ruderer“ (1881) oder seinen großen Porträts stehender Frauen schon einen Namen in der Pariser Kunstszene gemacht hatte.
Statt topografischer Genauigkeit wird diese Landschaft von wenigen Elementen geprägt – einem trockenen Erdboden, Bäumen unterschiedlicher Art und Größe, botanisch nicht definiert, aber farbig reich differenziert, von dem bildparallel verlaufenden Flussufer, von weiter Ferne unter dem Blau des Himmels.
Von eher bescheidenem Äußeren, weist diese Landschaft, die mehr suggeriert als beschreibt, dem Betrachter eine besondere Funktion zu, indem sie seine Wahrnehmung in erhöhtem Maß fordert und ihm dieselbe damit bewusst macht. Die stille Intensität dieses kleinen Bildes mit der gestalterischen Strategie von Unbestimmtheit mag sich auch aus dem Blick auf die Kunst von Camille Corot erklären, der zu den Leitfiguren Renoirs und der Impressionisten gehörte.
Zum tieferen Verständnis der Kunst Corots und auch deren Anziehung für die ihm folgende Generation gehört auch die seine Zeit des zweiten Kaiserreichs bestimmende Neubesinnung auf das 18.Jahrhundert. Sie betraf unterschiedliche Bereiche des geistigen Lebens und galt im Bereich der bildenden Kunst vor allem Watteau, Lancret, Boucher und auch Chardin. Sie äußerte sich in einer höchst lebendigen Sammelleidenschaft unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen, aber auch in öffentlichen Veranstaltungen, wie z.B. 1860 die der Galerie Martinet, zu einem Zeitpunkt also, an dem der junge Renoir gerade seine künstlerische Laufbahn antrat. Entscheidende Komponente dieser neuen Kunsterfahrung war die Thematisierung ganz privater Gefühle, eine besondere Aufmerksamkeit für die Empfindung und deren Ambivalenz. Dies mag auch zu einer folgenreichen Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter beigetragen haben, weniger als Ausdruck von Diktat und Gewissheit, sondern eher im Dienste der gegenseitigen Erfahrung. Roger de Piles, der führende Theoretiker des 18. Jahrhunderts, hat diesen Schritt als „entrer en conversation“, sprich als Beginn einer Unterhaltung, bezeichnet und mit diesem einen neuen Weg des Umgangs mit Kunst gewiesen.
Margret Stuffmann
Auguste Renoir (Limoges 1841 – 1919 Cagnes-sur-Mer)
„La vallée de la Seine, vue de Louveciennes“. 1889
Oil on canvas. Relined. 32 × 40 cm ( 12 ⅝ × 15 ¾ in.). Signed lower left: Renoir.
Dauberville 836.–
[3010]
Provenienz: Jeanne Baudot, Louveciennes / Galerie Koller, Zurich (April 1980) / Private collection, North Rhine-Westphalia (acquired from Galerie Thomas, Munich)
Literatur und Abbildung: Jeanne Baudot: Renoir. Ses amis, ses mòdeles. Paris, Éditions littéraires de France, 1949, p. 41
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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