Lot no. 3020
Bartholomäus Bruyn d.Ä. (1493 – Köln – 1555) DREI TAFELN VOM CYRIACUS-ALTAR AUS ST. KUNIBERT IN KÖLN: 1.) PAPST MARCELLUS WEIHT CYRIACUS ZUM DIAKON (LINKER FLÜGEL, INNENSEITE, LINKS OBEN) 2.) DER HL. CYRIACUS WIRD IN DEN KERKER GEFÜHRT (MITTELTAFEL, UNTERE REIHE) 3.) DER HL. CYRIACUS VERWEIGERT DEN GÖTZENDIENST (MITTELTAFEL, UNTERE REIHE). Kurz nach 1532 Öl auf Holz. 39 x 35,5 / 39,7 x 38,7 / 39,7 x 39,4 cm ( 15 ⅜ x 14 / 15 ⅝ x 15 ¼ / 15 ⅝ x 15 ½ in.). Mit jeweils einem Gutachten von Max J. Friedländer, Berlin, vom 5. Dezember 1936 (im Original).– [3007] Provenienz: 1532–1802/04 Stiftskirche St. Kunibert Köln / Um 1802/04 Trennung der Tafeln / Sammlung Freiherr Johann Wilhelm Carl Adolph von Hüpsch (1730–1805), Köln /Spätestens 1820 - kurz vor 1843 Großherzogliches Museum, Altes Schloß, Darmstadt / Kunsthandel, Rheinland / 1877 Sammlung Hugo Garthe (gest. 1867), Köln / 1930 Kunsthandlung Fritz Rothmann (1893–1983), Berlin / 1930 Sammlung Kurt Rohde, Berlin / Sammlung Elisabeth Rohde, Berlin Quelle Sammlung Rohde-Hinze: Quittung Fritz Rothmann, Berlin, 26. Mai 1930, als „das unumschränkte, unbelastete Eigentum“ an Kurt Rohde übertragen / Lagerbuch Rohde Nr. 743–745 (1937), 2.500 RM / Materialsammlung zu Quellen des Kölner Stadtarchivs zum Altar / Korrespondenz zwischen Hella Robels, Wallraf-Richartz-Museum, und Frieda Hinze, 1955 / Korrespondenz zwischen Gisela Goldberg, Bayerische Staatsgemäldesammlung und Frieda Hinze, 1969 Ausstellung: Stadt Köln (Hrsg.): Der Kölner Maler des sechszehnten Jahrhunderts. Barthel Bruyn, Wallraf-Richartz-Museum (mit dem Gesamtverzeichnis seiner Bildnisse und Altar-werke), Köln 1955, Kat.-Nr. 175 (als Teile eines Altars mit der Legende der beiden Heiligen Ewalde), S, 51f. / Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Hrsg.): Der Cyriacusaltar aus St. Kunibert in Köln, Ausst.-Kat., 1991 Darmstadt, Kat.-Nr. 3, S. 24; Nr. 12, S. 28 / Nr. 13, S. 28, Abb. 3, 12, 13 / 1959–2015 Leihgabe im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster (ex. Inv.-Nr. 1701-03 LG) Literatur und Abbildung: Auktionskatalog: Catalog der Kunst-Sammlungen des verstorbenen Herrn Hugo Garthe, J. M. Heberle (H. Lempertz Söhne), Köln, November 1877 (sechs Tafeln des Altars) / Friedrich Back: Großherzogliches Hessisches Landes-Museum Darmstadt. Verzeichnis der Gemälde, Darmstadt 1914 (als vermißt) / Horst-Johannes Tümmers: Die Altarbilder des älteren Bartholomäus Bruyn: mit einem kritischen Katalog, Köln 1964, Nr. A 111, A116, A117, S. 92-93 / Gisela Goldberg und Gisela Scheffler: Altdeutsche Gemälde. Köln und Norwestdeutschland, Gemäldekatalog der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Bd. XIV, München 1972, S. 69ff. / Paul Pieper: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530, Münster 1986, S. 418–423 / Martin Feltes: Architektur und Landschaft als Ort christlicher Ikonographie. Eine Untersuchung zur niederrheinischen Tafelmalerei des 15. Jh., Diss. Aachen, 1987, S. 292f., 403, Abb. 241 / Birgit Rosendahl: St. Kunibert, Köln 1995, S. 298, Abb. 15 / Susanne Blöcker, Nicole Buchmann, Gisela Goldberg und Roland Krischke: Lust und Verlust II (hrsg. von Hiltrud Kier und Frank Günter Zehnder), Corpus-Band zu Kölner Gemäldesammlungen 1800-1860, Köln 1998, Kat.-Nr. 17b, S. 36 (als Meister des Cyriacus-Altars) / Angelika Lorenz: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Renaissance und Barock, Münster 2000, S.23f Am 3. Mai 1532 wurde das Testament des Kölners Roricus Michelbach (1470–1531) vollstreckt. Mit einer respektablen Summe hatte dieser verfügt, zu seinem Gedächtnis in St. Kunibert einen Cyriacus-Altar zu erreichten. Der Kölner „Meister Bartolomeus der Maler“ sollte damit beauftragt werden, weswegen als Urheber seither der berühmteste Maler Kölns, Bartholomäus Bruyn, genannt wurde. Für Michelbach, seit 1517 Angehöriger des Stiftskapitels als Kanoniker am St.-Kunibert Stift, schien die Legende des Heiligen Cyriacus ideal seinen Nachruhm zu sichern, als er sich entschloß Altar, Mensa und Kelch zu stiften, unter denen er begraben wurde und auf Aufnahme ins Himmelreich wartete: Der römische Märtyrer war um 300 von Papst Marcellinus zum Diakon geweiht worden und konnte in der Zeit der Christenverfolgung noch lange geschützt predigen, da er – der Legende nach - die Tochter von Kaiser Diokletian von deren Besessenheit geheilt hatte. Reich sind die Legenden von Heilungen, Bekehrungen und Taufen oder des Cyriacus’ Verweigerung des Götzendienstes unter Kaiser Maximianus’ (240–310) Statthalter Carpasius. Erst unter Kaiser Maximian wurde der Heilige mit seinen Gefährten gefangengenommen, gefoltert und um 303 mit siedendem Öl übergossen und enthauptet. Der Heilige wurde als Nothelfer – besonders in den rheinischen und pfälzischen Weinbauregionen – verehrt. Während die Außenseiten in geschlossenem Zustand des neuen Altars von St. Kunibert je drei große Heilige (links Clemens, Ewald niger und Kunibert / rechts: Nikolaus, Ewald albus, Antonius) und den Stifter zeigten, berichteten im Inneren des Altars 16 Tafel die Heiligenvita Cyriacus’ – je vier, schmalere Tafeln auf den Außenflügeln und acht, fast quadratische auf der Mitteltafel. In Leserichtung ganz oben links im Altar eröffnete unsere Tafel den Reigen: Cyriacus kniet in einem Kirchenraum vor Bischof Marcellus, dem ersten sog. Papst, während die Kardinäle im Hintergrund dieser Diakonweihe beiwohnen. Es folgten Tafeln, die Cyraicus bei Thermenbau, der Enthauptung des Apronius und der Heilung Arthemias, Diokletians Tochter, zeigen (alle Hessisches Landesmuseum Darmstadt). Die Mitteltafel berichtete dann von den missionarischen und priesterlichen Tätigkeiten Cyriacus (fünf davon Bayerische Staatsgemäldesammlung) und im unteren Register von seiner Verfolgung. Hier in der Mitte befanden sich unserere Tafeln, die Cyriacus auf dem Weg in den Kerker zeigen, wohin ihn Kaiser Maximianus bringen ließ um ihn zum Götzendienst zu zwingen. Seine standhafte Wehr dagegen und unter den Augen des despotischen Herrschers war gleichzeitig sein Todesurteil, das auf der letzten, verlorenen Tafel mit der Ölfolter begann. Von den Tafeln im rechten Seitenflügel sind ebenso zwei in München erhalten, währenddessen die Tafeln der Enthauptung Arthemias und des Begräbnisses Cyriacus’ erst 1930 von unseren Tafeln getrennt wurden und heute verloren sind. Nachdem der dreiteilige Altar über 250 Jahre in St. Kunibert stand und wohl als Hauptaltar diente, wurden seine Tafeln kurz nach 1800 durch plündernde französische Truppen zersägt, getrennt und verkauft. Sechs Tafeln der Mitteltafel und des rechten Flügels gelangten an die Brüder Johann Sulpiz (1783–1854) und Melchior Boisserée (1786–1851) in Köln und 1821 zusammen mit deren berühmter Sammlung altdeutscher Tafelbilder an den bayerischen König Ludwig I. (1786–1868) München, wo sie bis heute Teil der Staatsgemäldesammlungen sind. Der linke Flügel mit den kleinen Innentafeln läßt sich zunächst bei Freiherr Adolph von Hüpsch (1730–1805) in Köln und dann im Besitz von Großherzog Ludwig I. von Hessen (1753–1830) nachweisen, wo seine Tafeln 1820 zum ersten Mal im Galerieverzeichnis des Altes Schlosses vorkommen – mit den Hinweis die einzelnen Platten seien von der dicken Außentafel abgelöst worden. So beschreibt das Galerieverzeichnis unser damals „Marten Hemskerk“ zugeschriebenes Bild als: „Ein uns unbekannter Priester wird von einem Papste eingeweiht“ (Müller 1820, Nr. 182). Allerdings wurde dieser Bestand des großherzoglichen Museums vor der Märzrevolution 1848 wiederum getrennt, wodurch unsere drei und zwei weitere Tafeln über den Kunsthandel in die Sammlung Hugo Garthe in Köln kamen, wo sie 1877 nachweisbar sind – drei kleine Tafeln blieben in Darmstadt. Erst 1930 sind die anderen fünf Tafeln wieder nachweisbar, als sie der Kunsthändler Fritz Rothmann in Berlin Kurt Rohde anbot. Letzterer fand zwei der Tafeln des rechten Seitenflügels des einstigen Altars zu „brutal“ und übernahm 1930 unsere drei, die später als Leihgabe im Landesmuseum Münster ausgestellt und damit immer der Forschung zugänglich waren. Seit Beginn der Forschung, 1865, wurde der Altar aus St. Kunibert von „Meister Bartolomeus“ mit dem Manieristen Bruyn in Verbindung gebracht. Dessen Hauptwerk, der Xantener Altar (1529), wurde hierfür stilistisch herangezogen, da sich hier wie dort der Maler ganz der Formen- und Farbenwelt der italienischen Renaissance annahm. Bruyn entwickelte im Alterswerk einen charakteristischen Malstil, der mit seinen muskulösen Körpern, enganliegenden Gewändern, antikischen Profilen, starken Gebärden und gekünstelten Körperstellungen sich klar an Werken Raffaels und Pontormos, die er aus Stichen kannte, orientierte. Die überlangen Körper und die heiter orangene Palette belegen, wie offen der Meister des Cyriacus-Altars für diese modernen Strömungen der manieristischen Malerei war. Neuere Forschungen sehen jedoch auch Unstimmigkeiten zwischen dem Werk Bruyns, des Meisters des individuellen Portraits, und den Tafeln des Cyriacus-Altars, auf dem Personen eher zurückhaltend durch ihre Mimik und Physiognomie differenziert dargestellt wurden. Die knapp geschilderten Szenen der Heiligenvita Cyriacus’ weisen damit starke Bezüge zum Werk des Lütticher Manieristen Lambert Lombards (1505/06-1566) auf, der mit seiner klaren Gebärdensprache eine ähnlich monumentale Wirkung der Figuren erreichte. Damit ist und bleibt das kunstvolle Vermächtnis des Kölner Kanonikers Michelbach ein herausragendes und typisches Werk der besten Malerei des 16. Jahrhunderts zwischen Romanismus und individueller rheinischer Ausprägung. (SK) Weitere Tafeln: zwei Tafeln (um 1936 Sammlung Fritz Rothmann, Berlin-London - verschollen) / sechs Tafeln (ex. Sammlung Boisserée - seit 1827 Bayerische Staatsgemäldesammlung München, Inv.-Nr. WAF 107 a-f) / vier Tafeln (zwei ex. Sammlung Hübsch - seit 1891 und zwei große Tafeln aus Münchner Kunsthandel 1990 Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Inv.-Nr. GK 36 a-b, 1385, 1386) / Verbleib einer Tafel unbekannt Bartholomäus Bruyn the elder (1493 – Cologne – 1555) THREE PANELS FROM THE CYRIACUS ALTAR FROM ST. KUNIBERT IN COLOGNE: 1.) POPE MARCELLUS ORDANES CYRIACUS AS A DEACON (LEFT WING, INNER SIDE, UPPER LEFT) 2.) ST. CYRIACUS IS LED INTO THE PRISON (MIDDLE PANEL, BOTTOM ROW) 3.) ST. CYRIACUS REFUSES IDOLATRY (MIDDLE PANEL, BOTTOM ROW). Shortly after 1532 Oil on panel. 39 x 35,5 / 39,7 x 38,7 / 39,7 x 39,4 cm ( 15 ⅜ x 14 / 15 ⅝ x 15 ¼ / 15 ⅝ x 15 ½ in.). Each with a certificate by Max J. Friedländer, Berlin, dated 5 December 1936 (in the original).– [3007] Provenienz: 1532–1802/04 Stiftskirche St. Kunibert Cologne / circa 1802/04 division of the panels / collection Baron Johann Wilhelm Carl Adolph von Hüpsch (1730–1805), Cologne /at the latest 1820 - shortly before 1843 Großherzogliches Museum, Altes Schloss, Darmstadt / art trade, Rhineland / 1877 collection Hugo Garthe (died 1867), Cologne / 1930 art dealership Fritz Rothmann (1893–1983), Berlin / 1930 collection Kurt Rohde, Berlin / collection Elisabeth Rohde, Berlin. Source: collection Rohde-Hinze: receipt Fritz Rothmann, Berlin, 26 May 1930, transfered to Kurt Rohde as "das unumschränkte, unbelastete Eigentum“ / book inventory Rohde no. 743–745 (1937), 2.500 RM / collection of materials relating to the altar at the Cologne City Archive / correspondence between Hella Robels, Wallraf-Richartz-Museum, and Frieda Hinze, 1955 / correspondence between Gisela Goldberg, Bayerische Staatsgemäldesammlung and Frieda Hinze, 1969 Ausstellung: Stadt Cologne (ed.): Der Kölner Maler des sechszehnten Jahrhunderts. Barthel Bruyn, Wallraf-Richartz-Museum (with the complete catalogue of his portraits and altar works), Cologne 1955, cat. no. 175 (as parts of an altar with the Legende of the two St. Ewaldes), p. 51f. / Hessisches Landesmuseum Darmstadt (ed.): Der Cyriacusaltar aus St. Kunibert in Cologne, exh. cat., 1991 Darmstadt, cat. no. 3, p. 24; no. 12, p. 28 / no. 13, p. 28, ill. 3, 12, 13 / 1959–2015 loan to the Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster (ex. inv.-no. 1701-03 LG) Literatur und Abbildung: Auction catalogue: Catalog der Kunst-Sammlungen des verstorbenen Herrn Hugo Garthe, J. M. Heberle (H. Lempertz Söhne), Cologne, November 1877 (six panels from the altar) / Friedrich Back: Großherzogliches Hessisches Landes-Museum Darmstadt. Verzeichnis der Gemälde, Darmstadt 1914 (as missing) / Horst-Johannes Tümmers: Die Altarbilder des älteren Bartholomäus Bruyn: mit einem kritischen Katalog, Cologne 1964, no. A 111, A116, A117, p. 92-93 / Gisela Goldberg and Gisela Scheffler: Altdeutsche Gemälde. Köln und Norwestdeutschland, Gemäldekatalog der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, vol. XIV, Munich 1972, p. 69ff. / Paul Pieper: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530, Münster 1986, p. 418–423 / Martin Feltes: Architektur und Landschaft als Ort christlicher Ikonographie. Eine Untersuchung zur niederrheinischen Tafelmalerei des 15. Jh., Diss. Aachen, 1987, p. 292f., 403, ill. 241 / Birgit Rosendahl: St. Kunibert, Cologne 1995, p. 298, ill. 15 / Susanne Blöcker, Nicole Buchmann, Gisela Goldberg and Roland Krischke: Lust und Verlust II (eds. Hiltrud Kier and Frank Günter Zehnder), Corpus-Band zu Kölner Gemäldesammlungen 1800-1860, Cologne 1998, cat. no. 17b, p. 36 (as Master of the Cyriacus Altar) / Angelika Lorenz: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Renaissance und Barock, Münster 2000, p.23f Further panels: two panels (circa 1936 collection Fritz Rothmann, Berlin-London - lost) / six panels (formerly collection Boisserée - since 1827 Bayerische Staatsgemäldesammlung Munich, inv. no. WAF 107 a-f) / four panels (two formerly collection Hübsch - since 1891 and two large panels from the Munich art trade 1990 Hessisches Landesmuseum Darmstadt, inv. no. GK 36 a-b, 1385, 1386) / location of one panel unknown
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
07/03/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0