Lot no. 42
Baumeister, Willi (1889 Stuttgart 1955) Jura. Öl, Kunstharz u. Spachtelkitt auf Hartfaser. 1942. 540 x 648 mm. Gerahmt. Signiert. Verso signiert, datiert u. betitelt sowie mit dem Ausstellungsetikett der Nationalgalerie Berlin versehen.Beye/Baumeister 1138, dort zusätzlich ganzseitig farbig abgebildet in Band I, S. 110 und im Text ausdrücklich erwähnt S. 16 - Grohmann 805 - Zwei Zeichnungen belegen die Entstehung des Motivs, siehe Ponert Nr. 826 und 827. - Provenienz: Otto Lutz, Stuttgart Galerie Gunzenhauser, München Privatsammlung Süddeutschland. - Ausgestellt in: Willi Baumeister. Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 1954, Nr. 83 sowie ganzseitig farbig abgebildet in: Willi Baumeister. Nationalgalerie Berlin, 1989, S. 232. - Die Anstellung in der Wuppertaler Lackfabrik von Dr. Kurt Herbert 1937 zur Forschung über antike und neuzeitliche Maltechniken gab Baumeister die Gelegenheit, sich mit den Grundlagen und Ursprüngen der Malerei zu beschäftigen. Dort konnte er trotz Malverbots seine Bildsprache weiterentwickeln und afrikanische Felsbilder, peruanische Mauern, Keilschriften und Hieroglyphen studieren. Ab 1942 entsteht eine Reihe von reinen Reliefbildern von auffallend starker materieller Präsenz, die - das Lineare vollkommen ausschließend - zum Monochromen tendieren, wobei Erdfarben und ein grauer Schieferton vorherrschen. Anders als in den 'afrikanischen' Bildern, in denen der Spachtelkitt oft die gesamte Bildfläche deckt, ist die plastische Kittmasse diesmal allein auf die Darstellung figuraler Formen und Zeichen beschränkt. Keinerlei Glättung mindert die Ausdrucksgewalt der wild zerklüfteten Teile, die Spuren der Verwitterung tragen, in ihrer scheinbaren Formlosigkeit aber ebenso auf ein Werden, auf im Entstehen begriffene Formbildungen hinweisen könnten. Zeitlich kreuzen sich diese Bilder bereits mit den Variationen zum Gilgamesch-Epos. (Beye/Baumeister S. 16) In vorliegendem Gemälde treten die Figuren, deren Umrisse nur leicht durch gelbe und rotbraune Farben erhellt werden, wie Schatten aus den Tiefen des Unbewussten empor. Gewundene Kreaturen, urzeitliche Fossile und fragmentierte Wesen scheinen sich zu erheben, um an das mysteriöse geologische Zeitalter zu erinnern, welches Baumeister im Titel andeutet. Durch die Bloßlegung dieser archetypischen Figuren verweist Baumeister auf die gemeinsamen Ursprünge und Wurzeln der Menschheit, was, angesichts der dunklen historischen Umstände 1942, ein starkes Zeichen für mehr Menschlichkeit war und ist.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art des XXème et XXIème Siècles
10623 Berlin - Germany
05/03/2014
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