Lot no. 53
Ben Nicholson (Denham/Buckinghamshire 1894 – 1982 London)
„Western Landscape“. 1960
Tempera und Bleistift auf Hartfaser auf Hartfaser. 50,6 × 61 cm (64,5 × 75,4 cm) ( 19 ⅞ × 24 in. (25 ⅜ × 29 ⅝ in.)). Rückseitig mit Richtungspfeil bezeichnet, signiert, datiert und betitelt: Ben Nicholson July 1960 (western landscape). Rückseitig ein Etikett der Galerie Charles Lienhard, Zürich.
Nicht mehr bei Nicholson / Read.–
Kleine Farbverluste. [3517]
Provenienz: Galerie Charles Lienhard, Zürich / Marlborough Gallery, London / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Unser Werk „Western Landscape“ stammt aus jener Phase Ben Nicholsons, in der er sich nach einer langen Beschäftigung mit Stillleben erneut der Landschaftsmalerei zuwendet. Seit er 1933 mit „White Relief“ die Abstraktion für sich entdeckte, folgte über die Jahre eine ganze Reihe weiterer konturbetonter plastischer Arbeiten, die alle die Hauptfarbe Weiß aufweisen. Erst in den späten 1930er-Jahren führte Nicholson bei seinen Darstellungen der abgelegenen Landschaft Cornwalls wieder andere Farben ein. Zwanzig Jahre danach greift er auf das von ihm so geschätzte flache Relief zurück, um die Natur und Architektur der südlichen Alpen rund um den Lago Maggiore wiederzugeben, wo er seit 1958 wohnt. Zu diesem Zeitpunkt ist Nicholson mit Mitte sechzig einer der wichtigsten Vertreter der Moderne in Großbritannien. Mit der Bildhauerin Barbara Hepworth, seiner damaligen Ehefrau, führte er die „St. Ives School“ zur Blüte. 1954 erfuhr sein Werk Ehrung durch eine große Retrospektive in der Tate Gallery in London.
Wie so oft bei Nicholson verrät der Titel „Western Landscape“ wenig über das Werk, doch lassen das Hellblau am oberen Rand und in der Wellenform darunter Himmel und Bucht einer Seenlandschaft erkennen. Dazwischen ist Land zu erahnen: Einige Felder sind in Pastelltönen gemalt, bei anderen hat der Maler die Farben so dünn aufgetragen, dass die Hartfaserplatte durchscheint und selbst Teil der Komposition wird. Diese Arbeitsweise Nicholsons, in der Handarbeit und Spiritualität eng verbunden sind, ist als künstlerische Praxis der Moderne angelsächsischer Prägung von großer Bedeutung: Die geometrischen Formen werden mühsam direkt auf dem Boden geschnitzt, bemalt und gezeichnet. Die Oberfläche hat der Künstler zusätzlich modelliert, damit sie wettergegerbt und authentisch erscheint.
Wieland Schmied hat Nicholsons Werdegang so zusammengefasst: Sein „Werk hat sich stetig entfaltet, aber nie grundlegend gewandelt. Es gibt keinen Bruch darin, und es wäre schwierig, bestimmte Phasen gegeneinander abzugrenzen […] Vielleicht kann man sagen: Nicholson ist klassischer geworden und in Einzelheiten zugleich englischer. Spirituelles ist spiritueller, Leichtes bei ihm noch leichter geworden.“ (Wieland Schmied: Ben Nicholson. Neue Zeichnungen. Ausst.-Kat. Hannover, Kestnergesellschaft, 1967, S. 3f.)
ET
Ben Nicholson (Denham/Buckinghamshire 1894 – 1982 London)
„Western Landscape“. 1960
Tempera and pencil on masonite, mounted on masonite. 50,6 × 61 cm (64,5 × 75,4 cm) ( 19 ⅞ × 24 in. (25 ⅜ × 29 ⅝ in.)). On the reverse inscribed with directional arrow, signed, dated and titled: Ben Nicholson July 1960 (western landscape). On the reverse a label of the Galerie Charles Lienhard, Zurich.
Date not covered in the catalogue raisonné by Nicholson / Read.–
Minor paint losses. [3517]
Provenienz: Galerie Charles Lienhard, Zurich / Marlborough Gallery, London / private collection, Nordrhein- Westphalia
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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