Lot no. 735
Bernar Venet (Château-Arnoux-Saint-Auban 1941 – lebt in New York und Südfrankreich)
„POSITION OF AN UNDETERMINED LINE“. 1980
Graphit auf Holz und PVC-Buchstaben. Ca. 250 x 200 x 4 cm ( 98 ⅜ x 78 ¾ x 1 ⅝ in.). Rückseitig mit Faserstift in Schwarz betitelt, signiert und datiert: Position of an undetermined line Venet Bernar 1980. Ebenda mit einem Etikett der Galerie Denise René Hans Mayer, Düsseldorf.
[3452]
Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Venet begann als Maler von Teerbildern, erschloß sich nach und nach den Raum durch Performances, indem er ein Ballett choreographierte, schließlich durch Skulpturen. Doch zunächst wandte sich Venet wie viele Künstler in den 1960er Jahren von der gestischen Malerei ab. Im 1967 erschienenen Standardwerk Bertins zur graphischen Theorie und Visualisierung fand er die Grundlage einer neuen Kunstauffassung. In akribisch ausgeführten Diagrammen, mathematischen Gleichungen und Modellen von Molekülen verschwand die Handschrift des Künstlers hinter einer vorgeblichen Objektivität. Die Idee scheiterte, doch eine Erkenntnis blieb: die Linie als graphische Ausprägung einer mathematischen Gleichung ist das abstrakteste Bild überhaupt.
Nach einer Schaffenspause begann Venet 1976 mit einer Werkgruppe, die ihn bis heute beschäftigt. Es ist die Darstellung von Linien, als Diagonalen, Winkel und Bögen. Zunächst als Malerei auf Leinwand gestaltete der Künstler Winkel mit exakten Gradangaben. Dann löste er sich von dem traditionellen Material und ließ Bögen aus Holz sägen. Der Weg zur unbestimmten, freien Linie war die logische Konsequenz aus dem vorangegangenen Schaffen. Unsere Arbeit von 1980 ist eine frühe „Undetermined Line“. Die Fassung des Holzes mit schwarzem Graphit ist ein Verweis auf die zeichnerische Grundlage der Arbeit. Leichthändig führt eine Zick-Zack-Bewegung von oben nach unten. Die Manifestation dieser Bewegung in Holz führt zu einem reizvollen Kontrast mit dem rasanten Impuls, der in der Arbeit steckt. Obgleich nicht mehr auf mathematischer Grundlage fußend, ist der Titel der Arbeit, aus Kunststoffbuchstaben gebildet, integraler Bestandteil der Wandskulptur. Venet besteht hiermit auf der wissenschaftlichen Grundidee seines Werkes. In der Folgezeit legt der Künstler mehrere Linien übereinander. So lösen sich die „Undetermined Lines“ langsam von der Wand, lehnen noch an ihr, bis sie schließlich in den Raum vordringen und unregelmäßige Spiralen, nun aus Stahl, bilden. Kraftvoll ist unsere Arbeit, spricht aus ihr doch die Geschlossenheit und Konsequenz einer künstlerischen Idee. (OH)
Bernar Venet (Château-Arnoux-Saint-Auban 1941 – lives in New York and South of France)
„POSITION OF AN UNDETERMINED LINE“. 1980
Graphite on wood and PVC letters. Approx. 250 x 200 x 4 cm ( 98 ⅜ x 78 ¾ x 1 ⅝ in.). Titled, signed and dated in black felt-tip pen on the reverse: Position of an undetermined line Venet Bernar 1980. Same place with the label of Galerie Denise René Hans Mayer, Düsseldorf.
[3452]
Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale