Lot no. 49
Bernar Venet (Château-Arnoux-Saint-Auban 1941 – lebt in New York und Südfrankreich) „Two undetermined lines“. 1990 Ölkreide und Kohle auf Papier. 259 × 336 cm ( 102 × 132 ¼ in.). Unten links betitelt, signiert und datiert: Two undetermined lines VenetBernar 1990. [3498] Provenienz: Privatsammlung, Schweiz (in der Galerie Hans Mayer, Düsseldorf, erworben) Wer sich jemals fragte, was an Zeichnungen von Bildhauern eigentlich so besonders sei, der sollte sich diese Arbeit von Bernar Venet einmal genauer ansehen. Denn dort wird man Zeuge ebenjenes Vorgangs, der großen Bildhauerzeichnun- gen schon immer eigen war. Es ist nichts weniger als eine Transformation, eine alchemistische Reaktion, die Verwandlung eines Stoffes in einen anderen. Was man hier sieht, hat mit den gängigen Gesetzen der Perspektive und illusionistischen Räumlichkeit nicht mehr viel zu tun, denn es geht weit darüber hinaus. Als hätte ein Riese mit einem Riesenstift dahingekritzelte Notizen zu Papier gebracht, stehen wir vor diesen zwar sehr schwungvoll, aber womöglich auch mehr zufällig entstandenen Linien, die Venet zu zwei Spiralen zusammenzog, nur um sie schon im nächsten Moment wieder zu entwirren. Venet, der neben dem Amerikaner Richard Serra wohl bedeutendste abstrakte Stahlbildhauer der Gegenwart, hat ohne Zweifel Farbe auf eine zweidimensionale Fläche gebracht, doch er lässt uns Volumen sehen, rostiges Eisen, lastendes, schweres, unter größten Anstrengungen gebogenes Material. Die Höhungen, die nötig waren, damit der Künstler mit ihnen die Kurvatur der Spiralen andeuten konnte, in einem etwas helleren Farbton – sie scheinen aus dem Bild herauszuragen, dem Betrachter entgegenzurollen. Das ist keine realistische Sinnestäuschung mehr, wie man sie seit Jahrhunderten aus der Malerei kennt. Es ist die reine Körperlichkeit: Der Bildhauer, der uns hier als Zeichner gegenübertritt, denkt bereits im Akt des Malens an das, was noch nicht existiert, aber doch bald Form annehmen soll. Die Farbe und das Papier sind für ihn in diesem Moment schon nicht mehr, wofür sie alle anderen noch halten. Er erkennt in ihnen nicht Zellstoff und gebundene Pigmente, sondern Raum, Rost, den Geruch von heißem Stahl und Funken, die sprühen, sobald er mit seinen Helfern die Flex ansetzt. Fast könnte man meinen, dass man besonders starke Haken braucht, um dieses Bild in seinem Rahmen an der Wand zu befestigen – es ist ein sehr spezieller Reiz, der von Bernar Venets „Two undeterminedlines“ “ ausgeht. UC Bernar Venet (Château-Arnoux-Saint-Auban 1941 – lives in New York and South of France) „Two undetermined lines“. 1990 Oil crayon and charcoal on paper. 259 × 336 cm ( 102 × 132 ¼ in.). Titled, signed and dated lower left: Two undetermined lines VenetBernar 1990. [3498] Provenienz: Private Collection, Switzerland (acquired at Galerie Hans Mayer, Düsseldorf)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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Selected Works
10719 Berlin - Germany
05/30/2019
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0