Lot no. 502
Bernardino Lanino, um 1509 Mortara – um 1583 Vercelli
BILDNIS EINES ARZTES Öl auf Leinwand. Doubliert.
94 x 70 cm.
Dem Gemälde ist ein Gutachten von Prof. Dr. Justus Müller-Hofstede, Bonn, beigegeben, vom 01.12.1978.
Der Dargestellte mittleren Alters ist im Dreiviertelbildnis gezeigt. Hinter einer Tischkante stehend, die in grauer Tönung am unteren Bildrand parallel verläuft, hat er seine linke Hand auf ein Buch mit rotem Einband gelegt, mit Aufschrift „HIPPOKRATIS“, was auf seinen Beruf als Arzt verweist. Die rechte Hand hält ein Brevier. Damit sollte die Stellung des Arztberufes zwischen Gottesglauben und Wissenschaft angedeutet werden. Seinem Ansehen entsprechend trägt er einen schwarzen Mantel, mit breitem Pelzkragen, dessen Ärmelsäume ebenfalls mit Pelz abgesetzt sind. Das edel geformte Gesicht, mit intelligentem Blick nach links, ist von schwarzem Bart- und Haupthaar gerahmt.
Die Farbkomposition beschränkt sich auf die dunklen und braunen Farbtöne, zu denen das Inkarnat von Gesicht und Händen bewusst in Kontrast gesetzt ist. So steht das Werk stilistisch den Porträts von Tizian sehr nahe. Als vergleichbares Bild ist hier das Porträt des Cassiano dal Pozzo zu nennen, (Pinacoteca Capitolina Rom, Inv.Nr. 252). Über den Maler ist nur wenig bekannt, noch weniger über seinen Lehrer. 1530 wird er als der bedeutendste Maler von Vercelli genannt. Ein zeitgenössischer Autor brachte ihn in Verbindung mit Gaudenzio Ferrari als seinen möglichen Lehrer. A.R.
Provenienz:
Ehemals Sammlung Dr. K.O. Reichel, 1979.
Literatur:
Vgl. Giovanni Bossetti, Della Vita e delle Opere di Bernardino Lanino, Pittore Vercellese, Vercelli 1871.
Vgl. Bernard Berenson, Italian Pictures of the Renaissance. Central and North Italian School, Bd. III, London 1968 (dort Abb. des signierten Vergleichsbildes „Cassiano del Pozzo“). (1320141) (11)
Pictures credits: Contact organization
Old paintings
About the sale