Lot no. 39
Bernhard Heiliger (Stettin 1915 – 1995 Berlin)
„Seraph I“. 1950
Bronze mit goldbrauner Patina, auf Metallsockel montiert. 61 × 41 × 25 cm ( 24 × 16 ⅛ × 9 ⅞ in.). Auf dem Sockel monogrammiert: BH. Auf der hinteren Schmalseite des Sockels mit dem Gießerstempel: H.NOACK BERLIN.
Wellmann 125.–
Guss für den Künstler vor der Auflage von 10 römisch nummerierten Exemplaren. [3091]
Provenienz: Ehemals Hans Hänseler, Kiel
In der Besprechung einer Ausstellung mit Werken Bernhard Heiligers in der Berliner Galerie Bremer bezeichnet Will Grohmann den „Seraph I“ 1951 im „Tagesspiegel“ als einen „Torso, der aus der Zeit der Koren auf der Akropolis sein könnte“. Grohmann erkennt den Rang der Arbeit – und eine innere Verwandtschaft mit den Plastiken Henry Moores. Er schreibt über Heiliger: „Alles kommt bei ihm aus dem In-stinkt und ein wenig aus der Kunst selbst, von den archaischen Griechen bis zu Moore. Die Entfernung ist gar nicht so groß, wenn man auf die beiden Enden sieht, nicht auf den langen Weg.“
Mit dem „Seraph I“ öffnete Heiliger das Tor in eine zeitgenössische Formensprache, die den menschlichen Körper als Grundform erhält, aber auf alles narrative Beiwerk verzichtet. Gleichzeitig wurzelt die Arbeit, wie Grohmann richtig bemerkte, mit ihrer raumgreifenden Dynamik in der antiken Tradition. Von der Körpermitte gehen die Impulse in alle Richtungen: Mit weitem Schritt stürmt der Seraph voran, scheint kaum noch mit dem Grund verbunden. Die oberen Ausstülpungen könnten Arme oder Flügel sein, und es spricht eine moderne, naturhafte Auffassung vom Leben aus den gerundeten Formen. Den Ansätzen der Arme – oder Flügel – ist nichts Versehrtes, Ruinöses, gewaltsam Abgeschlagenes eigen. Vielmehr erinnern sie an etwas Werdendes. Dieser Drang zur Metamorphose ist kennzeichnend für viele Arbeiten Heiligers. Ihre Wirkung beruht auf dem Zusammenspiel zweier Gegensätze: der Klarheit der Form und den immer wieder neuen Bewegungen, die man aus unterschiedlichen Blickwinkeln erkennen kann. Tritt man dicht an „Seraph I“ heran, wird an einigen Stellen eine Binnenstruktur aus feinen parallelen und kreisförmigen Ritzungen in der Bronze sichtbar.
Der „Seraph I“ bildete 1950 den Auftakt für ein breites, sich fortwährend wandelndes Œuvre, mit dem Bernhard Heiliger zu einem der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler wurde. In den Folgejahren schuf der Künstler eine Vielzahl an Skulpturen für den öffentlichen Raum. Eine der bekanntesten davon ist die „Flamme“ am Ernst-Reuter-Platz in Berlin. OH
Bernhard Heiliger (Stettin 1915 – 1995 Berlin)
„Seraph I“. 1950
Bronze with golden brown patina, mounted on metal base. 61 × 41 × 25 cm ( 24 × 16 ⅛ × 9 ⅞ in.). Monogrammed on the base: BH. On the rear short side of the base with the foundry mark: H.NOACK BERLIN.
Wellmann 125.–
Cast for the artist before the edition of 10 Roman numbered copies. [3091]
Provenienz: Formerly Hans Hänseler, Kiel
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
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