Lot no. 65
Bruno Goller (1901 Gummersbach – 1998 Düsseldorf)
Die Gardine. 1976
Öl auf Leinwand. 170 × 120,5 cm ( 66 ⅞ × 47 ½ in.). Unten links signiert: Bruno Goller. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Ausstellung Brüssel 1977 (s.u.).
[3108]
Provenienz: Ehemals Johannes Wasmuth, Rolandseck
Ausstellung: 12 depuis `45. Richard Oelze, Julius Bissier, Bruno Goller, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Rupprecht Geiger, Günter Fruhtrunk, Horst Antes, Konrad Klapheck, Gotthard Graubner, Raimund Girke, Gerhard Richter. Brüssel, Musée Royaux des Beaux-Arts de Belgique, 1977, Kat.-Nr. 40 [lt. Etikett auf dem Keilrahmen] / Bruno Goller. Bahnhof Rolandseck, 1991, ohne Nr., ganzs. Farbabb. S. 123 / Bruno Goller. Retrospektive zum hundertsten Geburtstag. Krefeld, Haus Lange und Haus Esters und Winterthur, Kunstmuseum, 2001/02, Kat.-Nr. 47, ganzs. Farbabb. S. 81
Literatur und Abbildung: Michael Kumpfmüller: Vorhang auf für Bruno Goller. In: Grisebach - Das Journal, Heft 5, 2015, S. 38-41, ganzs. Farbabb. S. 39
Es ist ein großer Moment, wenn sich im Theater der Vorhang hebt und die Aufführung beginnt. Oder wenn am Morgen die Gardine zur Seite geschoben wird und der Tag mit einem Blick ins Freie anfängt. Doch dieser Moment der freudigen Spannung scheint Bruno Goller unheimlich und suspekt gewesen zu sein.
In dem Bild „Die Gardine“ aus dem Jahr 1976 hängt ein Vorhang im Nichts – also ohne Befestigung in einem schwarzen, gegenstandslosen Raum. Wichtig scheint nicht, was sich hinter dem Vorhang verbirgt, sondern das Phänomen des Vorhangs an sich, als Grenze zwischen innerer und äußerer Welt. Es offenbart sich der Blick eines Künstlers, der ein Leben lang ein Eremitendasein führte, aus einer geborgenen in eine ungewisse Welt.
1901 in Gummersbach geboren, verbrachte Goller als Kind viel Zeit im elterlichen Haus und Hutgeschäft – Orte, die für ihn eine sichere Umgebung bedeuteten und an denen er sich einen Fundus für sein späteres künstlerisches Werk erschaute. Alltägliche Gegenstände wie Tassen, Vasen und Hüte, öfter auch weibliche Gestalten und das menschliche Ohr, nehmen die Hauptrolle in seinem Œuvre ein. Später zog der Künstler nach Düsseldorf, doch auch diese Stadt verließ er selten. Bruno Goller lebte in seiner eigenen harmonischen Welt. Seine Bilder sind aber nicht immer harmonisch, sondern oftmals verwirrend und rätselhaft.
Das Ornamentale, das in Gollers Kunst stets eine wichtige Rolle spielt, erscheint auch in unserem Bild als wichtiges Element. Während der Hintergrund durch repetitiv gesetzte Tupfen gelockert wird, bildet das Dekor des Vorhangs ein eigenständiges Motiv. Es fungiert weder als rein dekoratives Element noch als naturalistischer Verweis auf Flora und Fauna. Es ist nicht kleinteilig ausgearbeitet, sondern tritt fragmentarisch auf – als Versatzstück einer traditionellen Welt, in der Goller sich zu Hause fühlt, die er aber durchaus kritisch reflektiert. Goller zeigt in diesem Bild, daß es ihm möglich war, Ornament und Abstraktion zu vereinen, und daß er keineswegs ein so vehementer Fortschrittsverweigerer war wie oftmals behauptet. NB
Es liegt ein Leihgesuch für die Ausstellung "Vor dem Vorhang, hinter dem Schleier. Enthüllung und Verhüllung seit der Renaissance" von Oktober 2016 bis Januar 2017 im Museum Kunstpalast, Düsseldorf vor.
Bruno Goller (1901 Gummersbach – 1998 Düsseldorf)
Die Gardine. 1976
Oil on canvas. 170 × 120,5 cm ( 66 ⅞ × 47 ½ in.). Signed lower left: Bruno Goller. On the stretcher a label of the exhibition Brussels 1977 (see below).
[3108]
Provenienz: Formerly Johannes Wasmuth, Rolandseck
Ausstellung: 12 depuis `45. Richard Oelze, Julius Bissier, Bruno Goller, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Rupprecht Geiger, Günter Fruhtrunk, Horst Antes, Konrad Klapheck, Gotthard Graubner, Raimund Girke, Gerhard Richter. Brüssel, Musée Royaux des Beaux-Arts de Belgique, 1977, cat. no. 40 [according to label on the reverse] / Bruno Goller. Bahnhof Rolandseck, 1991, no number, full-page colour ill. p. 123 / Bruno Goller. Retrospektive zum hundertsten Geburtstag. Krefeld, Haus Lange und Haus Esters and Winterthur, Kunstmuseum, 2001/02, cat. no. 47, full-page colour ill. p. 81
Literatur und Abbildung: Michael Kumpfmüller: Vorhang auf für Bruno Goller. In: Grisebach - Das Journal, issue 5, 2015, p. 38-41, full-page colour ill. p. 39
A loan request has been made in respect of this picture for the forthcoming exhibition "Vor dem Vorhang, hinter dem Schleier. Enthüllung und Verhüllung seit der Renaissance", to be staged at the Museum Kunstpalast, Düsseldorf, between October 2016 and January 2017
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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