Lot no. 49
Bruno Goller (Gummersbach 1901 – 1998 Düsseldorf) DIE KRAWATTE. 1971 Öl auf Leinwand. 190 x 160 cm ( 74 ¾ x 63 in.). Unten rechts signiert: Bruno Goller. [3489] Provenienz: Ehemals Johannes Wasmuth, Rolandseck Ausstellung: Bruno Goller. Bilder, Zeichnungen. Remagen, Bahnhof Rolandseck, 1991, ganzs. Farbabb. S. 117 / Bruno Goller zum 95. Geburtstag. Bilder, Zeichnungen. Remagen, Bahnhof Rolandseck, und Solingen, Museum Baden, 1996/97, ganzs. Farbabb. S. 103 / Bruno Goller. Retrospektive zum hundertsten Geburtstag. Krefeld, Haus Lange und Haus Esters, und Winterthur, Kunstmuseum Winterthur, 2001/02, Kat.-Nr. 44, ganzs. Farbabb. S. 77 Literatur und Abbildung: Volker Kahmen: Bruno Goller. Edition Bahnhof Rolandseck, 1981, Nr. 107, ganzs. Abb., S. 198 Die stille Monumentalität dieses Gemäldes von Bruno Goller erklärt sich aus der Perspektive des Malers: Die Krawatte, die dem Gemälde den Titel gibt, hat die enorme Größe, weil dem 70jährigen Künstler eine Kindheitserinnerung aufstieg, nämlich der Blick in die Auslagen des Putzmachergeschäftes seiner Mutter, mit dem Krawattenständer, dem zahlreichen Zierrat für Kleider und Hüte. Nach dem frühen Tod des Vaters hatte Goller viel Zeit im mütterlichen Geschäft im Erdgeschoß des Wohnhauses verbracht, und aus dieser fernen Welt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg schraubte sich die Krawatte sowie die Bänder auf dem zweiten Ständer hinein in Gollers Motivrepertoire (natürlich spielt das Gemälde auch mit dem Phallussymbol, zu dem für den heranwachsenden Knaben die Krawattenständer geworden sind). Immer wieder gelingt es Bruno Goller, mit einem eingeschränkten Themenfundus aus seinem direkten Umfeld Kunstwerke zu schaffen, die aus ihrer Zeit fallen. Die Vasen, Schleifen, Tassen und Schüsseln, die er in seinen Bildern aufreiht, werden durch den so spröden wie ausgeklügelten Malstil sofort aus ihrer Alltäglichkeit gerissen und entfalten eine eigene Musealität. Er malt die Dinge so, als seien es archäologische Funde der Antike. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Oberflächenhaptik und seine – man könnte fast sagen – „etruskische Palette“, die den Leinwänden den Charakter von gebranntem Ton verleihen. Wie die zwei Enden eines Vorhangs läßt Goller bei unserem Bild die beiden angeschnittenen roten Flächen links und rechts zur Seite treten, um die Bühne zu bereiten für die Krawatte und den Schleifenständer. Skulpturen gleich stehen Sie da, wie angegossen. Und doch entwickeln die Muster auf ihnen ein Eigenleben, die organischen Formen lösen sich auf und verdichten sich wie Zellen unter einem Mikroskop; sie sind der einzige Bewegungsherd des Gemäldes. Besonderen Kunstwerken gelingt es, daß die persönliche Ebene des Künstlers, so subjektiv sie auch sein mag, auf einer höheren Ebene durch eine ganz andere gesellschaftliche Relevanz gestei- gert wird. So verwandelt sich die Krawatte, die aus einer Kindheitserinnerung Bruno Gollers aufstieg, für uns heutige Betrachter zu einem Bild aus dem Jahre 1971, zur halbironischen, halb dokumentarischen Darstellung einer Ikone der Angestelltenwelt, auch zu einem versteinerten Männlichkeitssymbol (und dies alles lange bevor die Krawatte im Werk von Claes Oldenburg die beiden Assoziationsebenen mit den Mitteln der Pop Art in monumentale Kunstwerke verwandelte). Bruno Goller war ein Außenseiter und blieb es ein Leben lang. Gefangen in den Bildern seiner Kindheit, legte er sogar seine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie nieder, um sich ganz seinem Werk widmen zu können. Der Öffentlichkeit verweigerte er sich, Ausstellungen eigentlich auch, wenn doch, dann nahm er unter Protest teil. Nun hat seine Wiederentdeckung begonnen. (FI) Bruno Goller (Gummersbach 1901 – 1998 Düsseldorf) DIE KRAWATTE. 1971 Oil on canvas. 190 x 160 cm ( 74 ¾ x 63 in.). Signed lower right: Bruno Goller. [3489] Provenienz: Formerly Johannes Wasmuth, Rolandseck Ausstellung: Bruno Goller. Bilder, Zeichnungen. Remagen, Bahnhof Rolandseck, 1991, full-page colour ill. p. 117 / Bruno Goller zum 95. Geburtstag. Bilder, Zeichnungen. Remagen, Bahnhof Rolandseck, and Solingen, Museum Baden, 1996/97, full page colour ill. p. 103 / Bruno Goller. Retrospektive zum hundertsten Geburtstag. Krefeld, Haus Lange und Haus Esters, and Winterthur, Kunstmuseum Winterthur, 2001/02, cat. no. 44, full-page colour ill. p. 77 Literatur und Abbildung: Volker Kahmen: Bruno Goller. Edition Bahnhof Rolandseck, 1981, no. 107, full-page ill. p. 198
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Drawings, watercolours and pastels
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06/04/2015
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