Lot no. 142
Carl Blechen (Cottbus 1798 – 1840 Berlin)
„Schornsteinfegerjunge (Drei Studien)“. Um 1827
Aquarell und Feder in Schwarz über Bleistift auf braunem Papier. 27 × 37,4 cm ( 10 ⅝ × 14 ¾ in.). Rückseitig unten links der Sammlerstempel Lugt 3915.
Rave 634.–
Älterer Knick oben links. [3217]
Provenienz: Ehemals Walther Unus, Berlin–Rom (d.i. Walther E. Heinrich, 1872–1939) / Gertrud Heinrich, Berlin (1940) / Ernst Heinrich, Nienburg (wohl bis 2008) Privatsammlung, Bayern (bis 2012)
Ausstellung: Carl Blechen. Zwischen Romantik und Realismus. Berlin, Nationalgalerie, 1990, Kat.-Nr. 120, mit Farbabbildung
Literatur und Abbildung: Iris Berndt und Helmut Börsch-Supan: Carl Blechen. Innenansichten eines Genies. Berlin, Lukas Verlag, 2017, S. 72, m. Farbabbildung
Diese außergewöhnliche, gleichwohl fest im Werk zu verankernde Studie Blechens zeigt ein Kind, das als Schornsteinfeger arbeitet. Wie in einer modernen Collage hat Blechen den Knaben in drei verschiedenen Perspektiven nebeneinander gezeichnet – ein Vorgehen, das von Blechen auch von anderen Zeichnungen bekannt ist. Wir sehen also denselben Knaben dreimal: stehend in Dreiviertelansicht nach rechts, mit übergeschlagenen Beinen sitzend und stehend in schräger Rückenansicht. Es gibt zwei vergleichbare Bleistiftstudien (beide auf einem Blatt), die sich erhalten haben und sich heute in der Nationalgalerie in Berlin befinden. Auf beiden Studien steht der Knabe in leicht veränderter Körperhaltung. Abgesehen von der Größe sind beide Zeichnungen identisch. In den gleichen Zusammenhang gehört auch ein Aquarell (vgl. Rave 633) mit einem kleinen Schornsteinfegerjungen, der am Boden sitzt und schlafend an einen Meilenstein gelehnt ist. Blechen wird heute gefeiert als die größte malerische Begabung zwischen Caspar David Friedrich und Adolph Menzel – und sein Werk ist, wie dieses Blatt beweist, genauso variantenreich. Es gibt neben den furiosen Ölstudien aus Italien, neben den großen malerischen Schöpfungen auch immer wieder diese Darstellungen der einfachen Leute in seinem Werk, Kutscher, Nachtwächter, Straßenmusikanten. In diesem Fall also widmet er sich mit akribischem Strich einem Jungen, der Kinderarbeit verrichtete – und dennoch bleibt Blechen ein Künstler und wird nicht zum Sozialkritiker. FI
Carl Blechen (Cottbus 1798 – 1840 Berlin)
„Schornsteinfegerjunge (Drei Studien)“. Circa 1827
Watercolour and pen and black ink over pencil on brown paper. 27 × 37,4 cm ( 10 ⅝ × 14 ¾ in.). The collector's mark Lugt 3915 lower left on the reverse.
Rave 634.–
Old crease on upper left. [3217]
Provenienz: Formerly Walther Unus, Berlin–Rom (i.e. Walther E. Heinrich, 1872–1939) / Gertrud Heinrich, Berlin (1940) / Ernst Heinrich, Nienburg (presumably until 2008) private collection, Bavaria (until 2012)
Ausstellung: Carl Blechen. Zwischen Romantik und Realismus. Berlin, Nationalgalerie, 1990, cat. no. 120, colour illustration
Literatur und Abbildung: Iris Berndt and Helmut Börsch-Supan: Carl Blechen. Innenansichten eines Genies. Berlin, Lukas Verlag, 2017, p. 72, m. Colour illustration
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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