Lot no. 127
Carl Christian Vogel Von Vogelstein 1788 Wildenfels/Sachsen – München 1868 Bildnis des Hanns Valeridin Freiherr von Fischer Öl auf Leinwand, doubliert. (1837). 125,5 x 101 cm. Signiert unten rechts. Bezeichnet verso auf einem auf den Keilrahmen geklebten Papierstreifen: "Königl: Sächs: Ober=Steuer=Director Freiherr von Fischer Comthur des Königl: Sächs: Civil=Verdienst-Ordens", und verso auf der Leinwand: "Hanns Ludwig Valeridin Freiherr von / Fischer geb: an 26 Juli 1765 zu Schlettau in / Obergebürge vom Jahre 1787 bis 1790 Vice Actuar bei dem damals Churfürstl: Amte Wendelstein / in Thüringen / 1790 bis 1795 Amts Actuar zu Querfurth. / 1795 " 1802. Amts Actuar zu Sangershausen / 1802 " 1805 Justiz Amtmann zu Mügeln / 1805 " 1807. Justiz Amtmann zu Sangershausen / 1807 " 1813 Kreis Amtmann zu Schwarzenberg / 1813 " 1815 Hof und Justitz Rath in der Landes= / Regierung. / 1815 " 1823 Kreis Hauptmann des / Erzgebürgl Kreises / 1825 " 1831 0ber Consistorial Vice / Praesident-./ 1831 " 1834 0ber-Steuer/ Director." Das Bildnis einer jungen Dame mit Zeichengerät, hinter dem sich die Gräfin Thekla Ludolf verbirgt, von Carl Christian Vogel von Vogelstein gehört zu den Publikumsmagneten in der Galerie Neuer Meister in Dresden – besonders seitdem 2011 nach seiner Restitution das Gemälde für die Gemäldesammlung wieder erworben werden konnte. Nach seiner Rückkehr aus Italien, wo das Bildnis der Gräfin Ludolf entstanden ist, stieg Vogel in Dresden zum begehrten Porträtisten des sächsischen Hofes auf. Warum Vogels Bildnisse so gesucht waren, bezeugt auch unser Porträt eines sächsischen Staatsbediensteten, des Hanns Ludwig Valeridin Freiherrn von Fischer. Fischer hatte verschiedene Stationen in der sächsischen Verwaltung durchlaufen und war zuletzt zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes 1837 Obersteuerdirektor. Das neu aufgetauchte, bisher unbekannte Porträt gehört zu den herausragenden Beispielen der Bildniskunst Vogels. Es zeigt den 72jährigen Fischer vor gemustertem grünen Vorhang auf einem Stuhl sitzend an seinem Schreibsekretär. Er hat seine Arbeit unterbrochen, wendet sich dem Betrachter zu, einen Arm lässig über die Stuhllehne gelegt, während er mit seiner Rechten ein kleines Kind – vermutlich seine Enkelin – umfasst. Sie ist mit einem aufgeschlagenen Buch an ihn herangetreten und blickt neugierig zu ihm auf. In seinem Gesicht spiegelt sich ein wacher, energischer Geist – ein Eindruck, der durch die wilde, ungestüme Frisur noch verstärkt wird. Es ist dieses Nebeneinander von lebensnaher Beobachtung und realistischer Schilderung, von Privatheit und Repräsentation, welches das Gemälde zu einem herausragenden Bildnis macht. Die intensive Schilderung der Beziehung zwischen Enkelin und Großvater hebt es über den reinen Porträtcharakter hinaus und verleiht ihm jene Zeitlosigkeit, die uns auch heute noch anspricht. Die bildliche Darstellung des Kindes, vor allem auch des spielenden Kindes, ist eine Entdeckung der Romantik; erinnert sei in diesem Zusammenhang an die lebensfrohen Kinderbildnisse Philipp Otto Runges oder als unmittelbaren Vorläufer – worauf Helmut Börsch-Supan in seinem Gutachten zu Recht hinweist – Porträts des Schweizers Anton Graff, des großen, 1813 in Dresden verstorbenen Porträtisten der Aufklärung. Sein Bildnis seines Schwiegervaters Johann Georg Sulzer mit seinem Enkel, dem späteren Maler Carl Anton Graff (Schloßmuseum der Stadt Aschaffenburg) zeigt bereits eine ähnliche Innigkeit zwischen Enkel und Großvater. Mit einem Gutachten (in Kopie) von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 8. Oktober 2018. Provenienz: Privatbesitz, Norddeutschland. Carl Christian Vogel Von Vogelstein 1788 Wildenfels/Sachsen – München 1868 Portrait of Hanns Valeridin Freiherr von Fischer Oil on canvas, relined. (1837). 125.5 x 101 cm. Signed lower right. Das Bildnis einer jungen Dame mit Zeichengerät, hinter dem sich die Gräfin Thekla Ludolf verbirgt, von Carl Christian Vogel von Vogelstein gehört zu den Publikumsmagneten in der Galerie Neuer Meister in Dresden – besonders seitdem 2011 nach seiner Restitution das Gemälde für die Gemäldesammlung wieder erworben werden konnte. Nach seiner Rückkehr aus Italien, wo das Bildnis der Gräfin Ludolf entstanden ist, stieg Vogel in Dresden zum begehrten Porträtisten des sächsischen Hofes auf. Warum Vogels Bildnisse so gesucht waren, bezeugt auch unser Porträt eines sächsischen Staatsbediensteten, des Hanns Ludwig Valeridin Freiherrn von Fischer. Fischer hatte verschiedene Stationen in der sächsischen Verwaltung durchlaufen und war zuletzt zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes 1837 Obersteuerdirektor. Das neu aufgetauchte, bisher unbekannte Porträt gehört zu den herausragenden Beispielen der Bildniskunst Vogels. Es zeigt den 72jährigen Fischer vor gemustertem grünen Vorhang auf einem Stuhl sitzend an seinem Schreibsekretär. Er hat seine Arbeit unterbrochen, wendet sich dem Betrachter zu, einen Arm lässig über die Stuhllehne gelegt, während er mit seiner Rechten ein kleines Kind – vermutlich seine Enkelin – umfasst. Sie ist mit einem aufgeschlagenen Buch an ihn herangetreten und blickt neugierig zu ihm auf. In seinem Gesicht spiegelt sich ein wacher, energischer Geist – ein Eindruck, der durch die wilde, ungestüme Frisur noch verstärkt wird. Es ist dieses Nebeneinander von lebensnaher Beobachtung und realistischer Schilderung, von Privatheit und Repräsentation, welches das Gemälde zu einem herausragenden Bildnis macht. Die intensive Schilderung der Beziehung zwischen Enkelin und Großvater hebt es über den reinen Porträtcharakter hinaus und verleiht ihm jene Zeitlosigkeit, die uns auch heute noch anspricht. Die bildliche Darstellung des Kindes, vor allem auch des spielenden Kindes, ist eine Entdeckung der Romantik; erinnert sei in diesem Zusammenhang an die lebensfrohen Kinderbildnisse Philipp Otto Runges oder als unmittelbaren Vorläufer – worauf Helmut Börsch-Supan in seinem Gutachten zu Recht hinweist – Porträts des Schweizers Anton Graff, des großen, 1813 in Dresden verstorbenen Porträtisten der Aufklärung. Sein Bildnis seines Schwiegervaters Johann Georg Sulzer mit seinem Enkel, dem späteren Maler Carl Anton Graff (Schloßmuseum der Stadt Aschaffenburg) zeigt bereits eine ähnliche Innigkeit zwischen Enkel und Großvater. Mit einem Gutachten (in Kopie) von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 8. Oktober 2018. Provenienz: Privatbesitz, Norddeutschland.
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