Lot no. 545
Christian Rohlfs (Niendorf 1849 – 1938 Hagen)
„Granithäuser (Arcegno)“. 1927
Wassertempera auf genarbtem Velin. 49,2 × 61,2 cm ( 19 ⅜ × 24 ⅛ in.). Rückseitig oben links von Helene Rohlfs mit Bleistift beschriftet „Granithäuser“ (Acegno)[!].
Vogt 1927/13.–
[3471]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Wie viele seiner Malerfreunde ging auch Christian Rohlfs ausgesprochen gern auf Reisen. Berlin, Weimar, Kassel, Hagen und Soest waren die wichtigsten Stationen seines bewegten Künstlerlebens. Doch scheint er erst im hohen Alter von 77 Jahren seinen eigentlichen Sehnsuchtsort gefunden zu haben: Ab 1927 lebte er vom Frühjahr bis oft in den Dezember hinein in dem Tessiner Kurort Ascona am Lago Maggiore. Ascona war damals noch keine Touristenhochburg, hatte sich aber bereits zu einem beliebten Ziel von Künstlern und Intellektuellen entwickelt. So traf Rohlfs hier etwa 1930 Marianne von Werefkin und Helmuth Macke, den Cousin August Mackes; zeitweise malte man sogar zusammen.
In jenen Jahren hat sich Christian Rohlfs, so Herbert Stoos, während seiner zahlreichen Tessin-Aufenthalte „das Land mit seinen Bergen, seinen Bauwerken erarbeitet: die Rustici und Ställe in Bosco, die Bäume von San Materno, Arcegno, Losone, Brissago, die Burgen in Bellinzona, die Kirchen, Kapellen, die Brücken, die Boccia-Bahnen – und immer wieder den Lago Maggiore. Das Œuvre-Verzeichnis weist ca. 170 Bilder vom See und seinen Bergen auf“ (Herbert Stoos, in: Christian Rohlfs. Galleria Matasci, Tenero 1982).
Gleich im ersten Jahr seines Aufenthalts in Ascona hatte Rohlfs das rund vier Kilometer westlich gelegene Dörfchen Arcegno besucht. Die aus dem Naturstein der Umgebung gemauerten, unverputzten Häuser, gebaut an enge Gässchen, welche in der Dorfmitte lediglich einem schmalen, rechteckigen Brunnen Platz boten, inspirierten ihn zu einem seiner ersten Tessin-Bilder.
Das Werk „Granithäuser (Arcegno)“ zeigt den Maler auf dem Höhepunkt seiner reifen Schaffensphase. Die titelgebenden Häuser sind durch ein schwarzes Lineament nur angedeutet. Vor allem ihre Satteldächer kann man erkennen, seltener ihre Fenster und Schornsteine. Dieses struktive Grundgerüst wurde von Rohlfs in einem zweiten Arbeitsschritt mit einem Netz aus ultramarinblauen, gelben, grünen und rotbraunen Strichlagen nahezu gleichmäßig überzogen.
All diese Farben hat der Maler unabhängig vom Motiv eingesetzt – was dazu führt, dass die Häuser unter diesem Geflecht fast vollständig verschwinden. Erst der Bildtitel gibt dem Betrachter einen hilfreichen Hinweis auf das Dargestellte, wobei man das Grau des Granitsteins allerdings vergeblich sucht. AF
Christian Rohlfs (Niendorf 1849 – 1938 Hagen)
„Granithäuser (Arcegno)“. 1927
Water-based tempera on textured wove paper. 49,2 × 61,2 cm ( 19 ⅜ × 24 ⅛ in.). On the reverse upper left inscribed by Helene Rohlfs in pencil „Granithäuser“ (Acegno)[!].
Vogt 1927/13.–
[3471]
Provenienz: Private collection, Northern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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