Lot no. 502
Christian Rohlfs (Niendorf 1849 – 1938 Hagen) „Kloster Andechs“. 1921 Wassertempera auf genarbtem Velin. 70 × 50 cm ( 27 ½ × 19 ⅝ in.). Unten rechts monogrammiert und datiert: CR 21. Rückseitig mit Bleistift betitelt und signiert: Kloster Andechs Chr Rohlfs. Werkverzeichnis: Vogt 1921/48.– [3608] Provenienz: Ehemals Sammlung Bahlmann, Köln-Deutz Ausstellung: Ausstellung zum 80. Geburtstag von Christian Rohlfs. Hagen, Karl-Ernst-Osthaus-Bund, 1929/30 Die Jahre zwischen 1914 und 1918 standen für Christian Rohlfs unter dem Zeichen von Vereinsamung und zunehmender Schwerhörigkeit. Noch 1919 schrieb er in einem Brief an seine spätere Frau Helene Vogt: „Ich lebe ja im allgemeinen wie ein Mönch in seiner Zelle, sitze über meinen Problemen und kümmere mich nicht viel um die Außenwelt“ (zit. nach Paul Vogt, Christian Rohlfs 1849–1938, Aquarelle, Wassertempera- blätter, Zeichnungen, Recklinghausen 1988, S. 48). Doch seine Heirat 1919 und die Ehrungen zu seinem 70. Geburtstag im gleichen Jahr markieren einen Wendepunkt. 1920 und 1921 brach Rohlfs, wie bereits in früheren Jahren, nach Bayern auf, wo ihn die Freude, vertraute Stätten wiederzusehen, zu enormer Schaffenslust be ügelte. „Er war nun wieder be- reit, das schöne Geschenk der Natur ohne innere Vorbehalte anzunehmen und erneut jenen Anregungen zu folgen, die ihm seine Augenerlebnisse boten“ (Paul Vogt, Christian Rohlfs 1849–1938 (Kat.), München 1996, S. 22). So entstanden Landschaften von strahlender Farbig- keit, die der Künstler mit temperamentvollem, kräftigem Pinselstrich ausführte. Aus dieser Zeit stammt auch das Blatt „Kloster Andechs“, wo ein intensives Karminrot und ein leuchtendes Ultramarinblau aufeinandertreffen, während breite, schwarze Pinselschwünge für die typische rhythmi- sche, kristalline Zersplitterung sorgen. Eine klare Abgren- zung der einzelnen Bildelemente fehlt. Vielmehr scheinen die Landschaft im Vordergrund, der Himmel und die Kloster- architektur ineinander überzugehen. Mit der unmittelbareren Naturbeobachtung ging die Hinwendung zur Temperatechnik einher. Dank der üssige- ren, in Wasser gelösten Temperafarbe, die immer noch eine weitaus höhere Deckkraft als Aquarellfarben besaß, konn- ten diese Arbeiten ihre ganze Wirkung entfalten. „Die Ein- heit des Bildes ist nicht mehr in der Geschlossenheit des Motivs gegeben: Sie entsteht erst aus der formal sicheren und farbig nuancierten Zusammenführung von noch faseri- geren, noch offeneren malerischen Akzenten zum großen Atem des Bildes“, schreibt Erich Franz im Katalog zur Austel- lung in der Kunsthalle Emden und fährt fort: „Es ist eine Ein- heit, die als Form wie als Motiv (...) zusammenwächst und aus der bildweiten Zerstreuung als eine bilderfüllende Kon- zentration (...) im Sehen entsteht“ (zit. nach Erich Franz, Prä- senz des Unabgrenzbaren. Zu den späten Temperabildern von Christian Rohlfs, in: Christian Rohlfs, Das Licht in den Dingen, Späte Temperabilder (Kat.), Köln 1999, S. 20). ED Christian Rohlfs (Niendorf 1849 – 1938 Hagen) „Kloster Andechs“. 1921 Water-based tempera on nacreous wove paper. 70 × 50 cm ( 27 ½ × 19 ⅝ in.). Monogrammed and dated lower right: CR 21. Titled and signed in pencil on the reverse: Kloster Andechs Chr Rohlfs. Catalogue raisonné: Vogt 1921/48.– [3608] Provenienz: Formerly collection Bahlmann, Cologne-Deutz Ausstellung: Ausstellung zum 80. Geburtstag von Christian Rohlfs. Hagen, Karl-Ernst-Osthaus-Bund, 1929/30
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Drawings, watercolours and pastels
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Art Moderne
10719 Berlin - Germany
12/01/2017
Offered by Grisebach
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