Lot no. 758
Claus Otto Paeffgen (Köln 1933 – lebt in Köln) AKT. 1982 Acryl auf Leinwand, mit Nessel hinterspannt. 120 x 99,5 cm ( 47 ¼ x 39 ⅛ in.). Unten rechts monogrammiert und datiert: C.O.P. 82. [3282] Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland Warum ist dieser Akt von C.O.Paeffgen ein so gutes Bild? Warum wird aus der Persiflage des Abziehbildchens wieder ein Gemälde von Rang? Wie kann aus Malerei über ein Klischee von Provokation wieder ein provokatives Werk entstehen? Als C.O.Paeffgen im Jahr 1982 diesen Akt malte, da wurde um ihn herum gerade die Wiedergeburt des wilden Pinselstrichs gefeiert, die Jungen Wilden in Berlin, Julian Schnabel in New York und die italienische Transavantguardia versuchten noch einmal , das Ungezügelte, Schnelle als das Wahre und Unmittelbare zu etablieren. Dagegen setzte C.O.Paeffgen eine faszinierende Form von Disziplin. Es ging ihm darum, die Bilder, die uns umgeben und umtoben, festzuhalten. Er nahm das gefundene Foto, meist von Prominenten, und band es fest mit seinen schwarzen Umrandungslinien. Und so bleibt es dann in Erinnerung. Zugleich sind diese schwarzen Umrandungen, die sein Markenzeichen wurden, von schönster Doppeldeutigkeit: Indem sie den Bildgegenstand scheinbar banalisieren, entlarven Sie auf diese Weise unsere banalisierende Wahrnehmung von medialer Wirklichkeit. In unserem Bild wird dem Betrachter der Spiegel noch auf eine zusätzliche Weise vorgehalten: Es geht nicht um eine bekannte Persönlichkeit, die wir hier als Akt wiedererkennen, sondern darum, daß er die nackte Frau zum Klischee macht – weil sie das, nach zweitausend Jahren abendländischer Kunstgeschichte, eben längst geworden ist. Immer wenn man auf Paeffgen blickt, blickt man also auf die eigenen Sehgewohnheiten, deren Limitierungen und deren Geschichte. Und in dem Moment, wo man anmerken will, daß bei der Frau ja die Füße und die eine Hand abgeschnitten ist, scheint uns der Maler aus dem Off zuzurufen: Tut doch nicht so, als ob es bei einem Akt darum ginge. Damit man über all dies nicht vergißt, daß es sich um Malerei handelt, treibt Paeffgen sein Spiel in diesem Gemälde noch weiter: Er setzt die Nackte auf einen Teppich, der selbst wiederum ein Klischee eines Siebziger-Jahre-Teppichs ist, der bei ihm aber schon 1982 jede Avantgardismus verloren hat und sich unmerklich in die gefällige Ästhetik eines Seerosenteiches von Monet verwandelt hat. Dahinter dann eine Tapete in Türkis: Schaut her, sagt C.O.Paeffgen, ich male für Euch, liebe Betrachter, einen ordentlichen Komplementärkontrast, damit Ihr merkt, wie oft Ihr ins Schwärmen geratet, wo es doch nur um klassisches Handwerk geht. Das alles also sagt dieses intelligente Bild von C.O.Paeffgen. Und bestimmt noch sehr viel mehr. Und auch wenn das Bild das schon längst in sich trägt – wir brauchen noch ein bißchen, noch ist der zeitliche Abstand zur Entstehung zu kurz. Aber wenn die Wiederentdeckung der Kunst nach 1945 demnächst in den 80er Jahren und bei C.O.Paeffgen angekommen ist, dann gibt unser „Akt“ sicher noch ein paar Geheimnisse mehr von sich preis. Dann werden wir begreifen, was C.O.Paeffgen über stillstehende und beschleunigte Zeit sagen wollte, als er im bleiernsten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, Anfang der achtziger Jahre, der nackten Dame eine Armbanduhr anzog. (FI) Claus Otto Paeffgen (Cologne 1933 – lives in Cologne) AKT. 1982 Acrylic on canvas, with nettle mounted to the reverse. 120 x 99,5 cm ( 47 ¼ x 39 ⅛ in.). Monogrammed and dated lower right: C.O.P. 82. [3282] Provenienz: Private collection, southern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Art Contemporain
10719 Berlin - Germany
06/05/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0