Lot no. 150
Edvard Munch (Løiten 1863 – 1944 Ekely bei Oslo) „Die Brosche. Eva Mudocci“. 1903 Lithografie auf dünnem Japan. 60 × 46,5 cm (90,7 × 64,8 cm) ( 23 ⅝ × 18 ¼ in. (35 ¾ × 25 ½ in.)). Signiert. Woll 244 I. 2 (von V.).– [3413] Provenienz: Claudia von Schilling, München (bis 2003) Literatur und Abbildung: Auktion 116: Sammlung Claudia von Schilling. Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 11. Juni 2004, Kat.-Nr. 1528 Es gibt Bilder – Gemälde wie Grafiken –, deren Ausstrahlung der Betrachter immer wieder erliegt. Im Allgemeinen werden diese Blätter dann als Hauptwerke oder „Ikonen“ bezeichnet. Edvard Munchs Portrait seiner Geliebten, der britischen Violinvirtuosin Eva Mudocci, gehört zu diesen „Ikonen“ der Druckgrafik. Die Faszination der großformatigen Lithografie liegt nicht allein in der gekonnten Ausführung oder in der portraitgenauen Erfassung der Dargestellten. Vielmehr liegt dem Bildnis eine mehrschichtige Bedeutung zugrunde, die sich bei genauerer Betrachtung offenbart. Das Weib an sich ist hier dargestellt – die Heilige und die Hure –, ganz von Haar umgeben, das sich lianenhaft um das weiße Gesicht legt. Eine urtümliche Kraft geht von Eva aus (ist der Name ein Zufall?). Leben und Tod, heilige Entrückung und Verführung, Lichtgestalt und Verdammnis – wir kennen diese mehrfach interpretierbaren Darstellungen aus Munchs Werk in der Darstellung der Madonna, umgeben von Totenköpfen und lebensspendenden Spermien. 1903 geschaffen, steht die vorliegende Lithografie noch ganz in der geistigen Nachfolge der präraffaelitischen Interpretationen der Urfrauen, deren Schönheit zugleich Seligkeit und Verdammnis verheißt. Eva Mudocci selbst schrieb in einem Brief zur Entstehung der Lithografie: „Er wollte von mir ein perfektes Ölbild malen. Doch jedes Mal, wenn er ein Ölbild zu malen begann, hat er es zerstört, weil er damit nicht zufrieden war. Es ging besser mit den Lithografien und die Steine, die er dazu brauchte, wurden auf unser Zimmer im Hotel Sanssouci in Berlin gebracht. Mit einem von diesen, der sogenannten ‚Dame mit Brosche‘ folgte ein Billet: - ‚Das ist der Stein, der von meinem Herzen fiel‘.“ (zitiert nach: Ragna Stang: Edvard Munch – der Mensch und der Künstler. Königstein/Ts., 1979, S. 178). Karoline von Kügelgen, Hamburg Edvard Munch (Løiten 1863 – 1944 Ekely near Oslo) „Die Brosche. Eva Mudocci“. 1903 Lithograph on thin Japan paper. 60 × 46,5 cm (90,7 × 64,8 cm) ( 23 ⅝ × 18 ¼ in. (35 ¾ × 25 ½ in.)). Signed. Woll 244 I. 2 (of V.).– [3413] Provenienz: Claudia von Schilling, Munich (until 2003) Literatur und Abbildung: Auction 116: Sammlung Claudia von Schilling. Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 11 June 2004, cat. no. 1528
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10/26/2018
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