Lot no. 20
Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll)
„Frauenportrait im Profil nach rechts“. Um 1920/1925
Aquarell auf dünnem Japan. 47,6 × 35 cm ( 18 ¾ × 13 ¾ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: Nolde.
Mit einer Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 14. Oktober 2015.–
[3044]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Unter den Bildnissen bei Noldes Aquarellen überwiegen bei weitem die Darstellungen von Frauen. Die ersten entstehen 1907 und zeigen anfangs Frauen aus Noldes Freundes- und Bekanntenkreis, selten auch Familienangehörige. Doch löst sich der Portraitcharakter dieser Bilder mit den Jahren zunehmend auf. Zu groß ist für den Maler die Versuchung, sich die Freiheit zu nehmen, von der vorgegebenen Realität abzuweichen, sie zu modifizieren und sich jedes Aquarell im Fluß der Farben entwickeln zu lassen. Insofern sind manche dieser Blätter eher freie Erfindungen denn naturgetreue Portraits.
Noldes Bildnis einer jungen Frau wird hingegen eine unbekannte, aber reale Person darstellen, denn es weist deutlich portraithafte Züge auf: Das markante Profil ist souverän mit einer einzigen durchgehenden Linie gezeichnet, hierbei die langen schwarzen Wimpern des linken Auges bewußt betonend. Das volle, kastanienbraune Haar ist nach hinten gekämmt, was mit breiten Pinsel-strichen angedeutet wird. Die auffallend großen Augenbrauen verleihen dem ansonsten noch kindlichen Gesicht Reife und einen gewissen Ernst. Verfremdungen finden sich kaum. Allenfalls die grünlichen Schattierungen an Kinn, Hals und Wange wären hier anzuführen, doch überwiegt deutlich der Wille des Malers zu einer realitätsnahen Wiedergabe des Modells.
Weitaus mehr Freiheiten nimmt sich Nolde bei der Gestaltung des Hintergrundes: Die türkisfarbene, ovale Fläche schafft einen belebenden Kontrast zum Braun des Mädchenkopfes und dem Schwarz ihres Kleides. Gemeinsam mit vereinzelten Farbflecken auf dem weißen Papiergrund bezeugt sie die spontane Arbeitsweise des Malers in der letzten Entstehungsphase des Aquarells und bildet einen willkommenen gestalterischen Gegenpol zu dem präzise erfaßten Kopf. Nolde verwendete für seine Aquarellportraits häufig solche abstrakten Farbfelder als Hintergrund. Man mag dabei bereits an die Technik des Abstrakten Expressionismus im Amerika der 1950er Jahre denken, wie ihn später Sam Francis oder Helen Frankenthaler praktizieren sollten. AF
Emil Nolde (1867 Nolde – 1956 Seebüll)
„Frauenportrait im Profil nach rechts“. Circa 1920/1925
Watercolour on thin Japan paper. 47,6 × 35 cm ( 18 ¾ × 13 ¾ in.). Signed in pencil lower right: Nolde.
Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 14 October 2015.–
[3044]
Provenienz: Private collection, northern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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