Lot no. 14
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Bewegte See“. Um 1930
Aquarell auf Papier. 29,8 × 35,2 cm ( 11 ¾ × 13 ⅞ in.). Unten rechts mit Tuschfeder signiert: Nolde.
Mit einer Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 11. Juli 2013 (in Kopie).–
[3553]
Provenienz: Ehemals Justus Bier, Raleigh, North Carolina
Es ist eine Urgewalt, ein Stürmen und Schäumen, Wehen und Gurgeln auf diesem Bild - und was alles bewegt, sind allein die Farbe und die Virtuosität des Künstlers. Eigentlich stand Emil Nolde den abstrakten Kunstströmungen seiner Zeit skeptisch gegenüber. Er nannte sie gern „Originalitätsstreberei, Spitzfindigkeiten und Spielereien“, die seiner Ansicht nach lediglich „das Neueste in Mystik und Geistigkeit vortäuschen sollten“. Und er behauptete: „Ich sperrte mich dagegen“ (zit. nach: Emil Nolde: Reisen – Ächtung – Befreiung. Köln 1988, 4. Auflage, S. 59f).
Dennoch gibt es in seinem Schaffen Werke mit einem überraschend hohen Grad an Ungegenständlichkeit, tastende Versuche, die kaum einmal zur vollkommenen Auflösung der Motive führten. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die 1910/11 entstandene Gemäldefolge der „Herbstmeere“, in der Himmel und Meer nur im Zusammenspiel das tatsächliche Sujet – einen Blick auf sturmgepeitschte See – offenbaren. Seitdem ist das „große, tosende Meer im Urzustand“ Noldes bevorzugtes Motiv für den experimentellen Einsatz von Farben (zit. nach: Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, 5. Auflage; S. 197).
Das Aquarell „Bewegte See“ legt davon auf geradezu spektakuläre Weise Zeugnis ab. Rot, Blau, Grün und Violett hat der Künstler auf den ersten Blick scheinbar ohne jeden gestalterischen Willen auf zuvor angefeuchtetes Papier aufgetragen. So ergeben sich die für Noldes Aquarelltechnik typischen, überaus reizvollen Farbverläufe und Schattierungen. Wasserränder formen Flächen, die sich erst im Ganzen zu einer Ahnung von einem gegenständlichen Bild zusammenfügen.
Mit einem hellen Blau im oberen Bilddrittel kennzeichnete Nolde einen schmalen Streifen Himmel. Davor und daneben malte er wolkige Strukturen, welche die untergehende Sonne intensiv rot und violett gefärbt hat. Darunter beginnt die von kühlen Grün- und Blautönen dominierte Zone, in der wir das Meer erkennen. Reine und gemischte Farben in unterschiedlichen Helligkeiten und Intensitäten beschreiben dessen wild bewegte Oberfläche, es sind die hohen Brecher und tiefen Wellentäler einer stürmischen See.
Auf diesem enorm eindrucksvollen Blatt treibt Nolde die von ihm so sehr geschätzte „Mitarbeit der Natur“ auf die Spitze. Fast kommt es einem vor, als habe er hier die Kontrolle über seine Malerei nahezu vollständig aufgegeben und Gestaltung und Vollendung des furiosen Bildes einer höheren Instanz überlassen: dem Zufall. AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Bewegte See“. Circa 1930
Watercolour on paper. 29,8 × 35,2 cm ( 11 ¾ × 13 ⅞ in.). Signed in pen and India ink lower right: Nolde.
Accompanied by a certificate from Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 11 July 2013 (in copy).–
[3553]
Provenienz: Formerly Justus Bier, Raleigh, North Carolina
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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