Lot no. 12
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) Hülltoft Hof im Winter. Aquarell und Tuschpinsel auf Japan. 34,4 × 45,6 cm ( 13 ½ × 18 in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. [3215] Provenienz: Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (1957 von der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde erworben, seitdem in Familienbesitz) Künstler zu brisant geworden. Nach seinem Ausschluss aus der Reichskunstkammer und dem gleichzeitig gegen ihn verhängten Malverbot im August 1941 kehrt er der Hauptstadt ganz den Rücken und überwintert in Seebüll, das nun als willkommener Rückzugsort für ihn und seine Frau Ada dient. In dieser Zeit wird vermutlich das Aquarell mit der Darstellung der Winterlandschaft um Haus Seebüll entstanden sein. Denn natürlich hielt sich Nolde nicht an das Verbot: „Verstohlen hatte ich bisweilen in einem kleinen, halb-versteckten Zimmer gearbeitet. Ich konnte es nicht lassen“, schreibt er im vierten Teil seiner Autobiografie. Dargestellt ist auf unserem Aquarell der Nachbarhof Hülltoft, südlich von Seebüll gelegen und an seinen beiden charakteristischen großen Scheunentoren deutlich erkennbar. Hier wurde im Jahr 1783 Jens Mommsen geboren, Vater des berühmten Historikers Theodor Mommsen (1817–1903), der als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts gilt. Der Vierkanthof gehört heute zum Areal der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dessen Zentrum das als Museum genutzte Haus Seebüll bildet. Die abgebildeten Wassergräben und Sielzüge leiten das Regenwasser in das nahe gelegene Hülltofter Tief, einen Natursee, der auf dem Aquarell am rechten Bildrand nur als verschneite Eisfläche erscheint. Der Kolorist Nolde bringt selbst in dieser winterlichen Ansicht reichlich Farbe zum Einsatz: Schleierwolken über dem Hof haben sich im Licht der untergehenden Sonne vor dem blauen Himmel gelblich verfärbt, Schnee und Eisflächen im Vordergrund reflektieren diese Farbe dezent, aber sehr effektiv. Als Komplementär-kontrast wird am Horizont ein sanftes Rotviolett eingesetzt, das die Kühle der Szenerie betont. Entlaubte Bäume und dichtes Buschwerk werden in einer diffusen braunen Farbfläche im Bildzentrum lediglich angedeutet. Diese Vegetation schützt das Gebäude vor den oft stürmischen Westwinden, die in dieser Region häufig sind. Das Aquarell ist eine Liebeserklärung des Malers an seine Heimat. Das furiose Farbenspiel am Himmel verspricht der erstarrten Naturlandschaft und ihren Bewohnern, ob Mensch oder Tier, einen Neubeginn im Frühling. AF Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) Hülltoft Hof im Winter. Watercolour and brush and India ink on Japan paper. 34,4 × 45,6 cm ( 13 ½ × 18 in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde. [3215] Provenienz: Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (in 1957 acquired from the Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, thence by descent to the present owner)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/02/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0