Lot no. 11
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„LANDSCHAFT MIT KIRCHE (GELB UND VIOLETT)“. Um 1931
Aquarell auf Japan. 19,7 x 15,4 cm ( 7 ¾ x 6 ⅛ in.). Unten rechts mit Feder und dunkler Tinte signiert: Nolde.
Mit einer Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 20. April 2015.–
Das Aquarell war ursprünglich eingeklebt in das hier beigegebene Buch: Emil Nolde: Das eigene Leben. Ohne Ort und Verlag, 1931 (numeriertes Künstlerexemplar im goldgeprägten grünen Halbledereinband mit grauem Leinenbezug). [3524]
Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Emil Noldes Aquarellmalerei erfuhr zweimal einen radikalen Wandel: Die frühesten, rein deskriptiven Arbeiten waren noch geprägt von einer „intimen, aber etwas kleinlich tiftelnden Art“, so der Maler selbst, geboren aus einer „äußerlich gesehenen abschreibenden Naturfreude“. 1908 dann gelangte er zu einer „freieren, breiteren und flüssigen Darstellung, die ein besonderes, gründliches Verstehen und Eingehen auf Struktur und Art der Papiere und die Möglichkeiten der Farbe erfordert, aber vor allem wohl doch die Fähigkeit der sinnlichen Einstellung des Auges“ (Emil Nolde: Reisen, Ächtung, Befreiung. Köln 1988, S. 27).
Anfang der zwanziger Jahre erfolgte dann schrittweise die gänzliche Hinwendung zur Farbe als autonomem Ausdrucksträger, was eine grundlegend veränderte Arbeitsweise zur Folge hatte. Nicht mehr das Motiv bestimmte, was auf dem Papier entstand, sondern allein die scheinbar willkürlich aufgetragenen, intensiven Farben. Verläufe, Flecken, Abdrücke und Wasserränder evozieren Gesichter, Phantasiegestalten, Landschaften oder Meere, die Nolde in einem letzten Arbeitsschritt mittels Tuschfeder oder –pinsel präziser in Erscheinung treten läßt. Dem Zufall kommt bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle zu, der Künstler beugt sich bereitwillig und lustvoll dem Diktat der Farben.
Unser kleinformatiges Blatt ist mit seiner berauschenden Farbigkeit ein herausragendes Beispiel für Noldes Aquarellmalerei um 1930. Die Komplementärfarben Gelb und Violett beherrschen das fulminante Himmelsgeschehen, das wie ein bedrohlicher Gewittersturm über einem Bergsee anmutet. Kühle Blau- und Grüntöne dagegen bestimmen den schmalen, fest umgrenzten Streifen Land im unteren Bilddrittel, in den mit filigranem Federstrich eine Kirche mit Nebengebäude eingezeichnet ist. Deren rote Ziegeldächer sorgen für einen zusätzlichen, delikaten Farbakzent. Der Gegensatz zwischen großflächigem, von enormem künstlerischen Selbstbewußtsein zeugenden Farbauftrag und kleinteiliger, fast schon kalligraphischer Federzeichnung macht den Reiz der Aquarelle aus Noldes Reifephase aus. Daß er dieses kleine Blatt besonders geschätzt haben muß, belegt die Tatsache, daß er es in einen Vorzugsband seiner Autobiographie „Das eigene Leben“ von 1931 eingeklebt hat. Diese Bände wurden – oft mit persönlicher Widmung versehen – nur engsten Freunden und treuen Wegbegleitern als Geschenk überreicht. (AF)
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„LANDSCHAFT MIT KIRCHE (GELB UND VIOLETT)“. Circa 1931
Watercolour on Japan paper. 19,7 x 15,4 cm ( 7 ¾ x 6 ⅛ in.). Signed lower right in pen and darker ink: Nolde.
Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 20 April 2015.–
The watercolour was originally pasted into the book accompanying this lot: Emil Nolde: Das eigene Leben, no place of publication or publishing house, 1931 (numbered artist's copy in gold embossed green half leather binding with grey linen covering). [3524]
Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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