Lot no. 29
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Landschaft mit Windmühle“. Um 1920
Aquarell und Tuschpinsel auf Papier. 24,6 × 34,9 cm ( 9 ⅝ × 13 ¾ in.). Unten links mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. Mit einer Expertise von Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 9. Februar 1999.
[3008]
Provenienz: Privatsammlung, Deutschland (1929, Geschenk des Künstlers) / Leonard Hutton Galleries, New York / Privatsammlung, Süddeutschland
Der Abstraktion am nächsten kam Nolde in seinen Landschaften und Seestücken. Bereits in den Jahren 1910 und 1911 entstand eine bemerkenswerte Folge von Ölgemälden mit dem Titel „Herbstmeer I – XX“, bei denen Himmel und Meer nur noch den äußeren Rahmen bilden für ein fulminantes Spiel mit leuchtenden Farben und grellen Kontrasten. Das eigentliche Bildmotiv ist hier kaum noch erkennbar. Dennoch gab Nolde die Gegenständlichkeit nie völlig preis. Sogar in seinen späten Aquarellen, bei denen er die Farben frei und scheinbar willkürlich auf dem Papier verlaufen lässt, gebraucht er in einem letzten Arbeitsschritt immer noch Tuschfeder oder Pinsel zur Präzisierung des Bildgegenstandes.
Noldes „Landschaft mit Windmühle“ belegt, wie mittels weniger, exakt gesetzter Pinselstriche aus einem nahezu abstrakten Aquarell eine farbenprächtige Naturlandschaft entsteht. Selbst für Nolde ist das Kolorit hier von ungewöhnlicher Intensität. Während üblicherweise zwei bis maximal drei Grundtöne die Komposition bestimmen, ist die Palette bei der "Landschaft mit Windmühle" überraschend vielfältig. Sie umfasst von hellem Grün und Marineblau über Rot und Orange bis zu einem intensiven Rotviolett fast den gesamten Farbkreis. Dabei stellt Nolde kalte und warme Töne gezielt nebeneinander, um jeden einzelnen in seiner Strahlkraft zu steigern. Besonders augenfällig wird dies in der linken Bildhälfte, wo der rot glühende Horizontstreifen vom Grün einer Wiese und dem Blau einer Wolke darüber in die Mitte genommen wird. In dieser Farbenexplosion steht die mit nur wenigen Tuschpinselstrichen gemalte Windmühle auf einer Anhöhe wie ein Monument. Sie allein ist es, die dem Betrachter Hilfestellung beim „Lesen“ des Bildes gibt und dieses als Landschaftsdarstellung offenbart.
Es handelt sich hier jedoch sicher nicht um Noldes nordfriesische Heimat. Die für diese Region typische endlos erscheinende, karge Fläche der Marsch fehlt ebenso wie das kühle Licht des Nordens. Wahrscheinlicher ist, dass der Künstler dieses Aquarell auf einer Reise durch Spanien im Frühjahr 1921 schuf und es eine idyllische Abendstimmung nahe Granada abbildet, wo sich das Ehepaar Nolde damals über mehrere Wochen einquartiert hatte. Der dort lebende Neffe des Schriftstellers Carl Hauptmann, Konrad, zeigte seinerzeit den Noldes Stadt und Umgebung.
Unser Aquarell machte Nolde 1929 einem befreundeten Paar zum Geschenk. Auf dem alten Passepartout fand sich die Widmung: „19.12.29 den lieben Freunden H und E. K. zum heutigen Tag u Weihnachten v. A u. EN.“ Gemeint waren wohl der Komponist Heinrich Kaminski und dessen Frau Friederike (genannt Elfriede). Das Ehepaar Kaminski war den Noldes eng verbunden - was sich auch in einem Porträt manifestiert, das Nolde im Jahr 1931 von Heinrich Kaminski anfertigte.
AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Landschaft mit Windmühle“. Circa 1920
Watercolour and brush and India ink on paper. 24,6 × 34,9 cm ( 9 ⅝ × 13 ¾ in.). Signed in pen and black ink lower left: Nolde. Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 9 February 1999.
[3008]
Provenienz: Private collection, Germany (1929, gift of the artist) / Leonard Hutton Galleries, New York / Private collection, Southern Germany
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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