Lot no. 17
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Landschaft um Utenwarf bei dem Dorf Ruttebüll“. Um 1920 / 25
Aquarell auf Japan. 37,3 × 50,5 cm ( 14 ⅝ × 19 ⅞ in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde.
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 24. März 2017.–
Unten rechts eine (vom Künstler?) hinterlegte Fehlstelle. [3097]
Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (1970 erworben, seitdem in Familienbesitz)
Emil Noldes Heimat Nordfriesland war vor der Eindeichung eine einzigartige Amphibienlandschaft mit morastigem Kleiboden, durchzogen von unzähligen Wasserläufen, Gräben, Kanälen und kleineren Seen. Bootsfahrten auf diesen Gewässern waren ihm von Kindheit an ein Vergnügen – und dem späteren Maler eine wichtige Inspirationsquelle, die sein Naturempfinden nachhaltig prägte. Im Jahr 1916 bezogen Emil und Ada Nolde den Bauernhof Utenwarf, nur einen Steinwurf von Noldes Alterssitz Seebüll entfernt. Der Maler schrieb dazu in seinen Lebenserinnerungen: „Mich sehnte nach hoher, freier Luft, nach herber, starker Schönheit, so wie die Westküste mit ihrer weiten Himmelsspannung und den Wolken über Marschland und Wasser besonders in den rauhen Jahreszeiten sie so verschwenderisch gibt“ (zit. nach: Emil Nolde: Welt und Heimat. Köln 1965, 2. Auflage, S. 147).
Damals gewann die Landschaftsmalerei in Noldes Schaffen mehr und mehr Bedeutung. Etliche Ölbilder entstanden, vor allem jedoch offenbarte sich die Naturbegeisterung des Malers in Aquarellen. Unser Blatt zeigt einen schmalen Bootsgraben, der sich im Mittelgrund mit einem breiteren Gewässer vereint. Tiefhängende dunkle Wolken kündigen einen Regenschauer an, die von heftigen Windböen aufgewühlte Wasserfläche reflektiert ihr Grau. Das Grün des mit nur wenigen Pinselstrichen angedeuteten Schilfgrases rechts taucht auch im Ufersaum sowie oberhalb des Horizonts am Himmel wieder auf. Trotz der regnerischen Stimmung leuchten die Landflächen in hellem, freundlichem Gelb, als zeichnete sich ein Wetterwechsel ab.
Wären da nicht die Anlegestelle und das flache, helle Gebäude im Hintergrund, hätten wir hier die von Nolde so geschätzte „Urnatur“ vor uns, deren Zerstörung er sein Leben lang befürchtete: „Das große, tosende Meer, der Wind, die Sonne. […] Die Menschen kratzen und bohren so lange, bis die Schönheit alles Urwesens vernichtet sein wird!“ (Zit. nach: Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, 5. Auflage, S. 197, 180 u. 129).
Da noch mehr Aquarelle Noldes aus dieser Zeit die gleiche Szenerie abbilden, darf man annehmen, dass es sich bei dem Ort des Geschehens um die Anlegestelle von Utenwarf handelt.
AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
„Landschaft um Utenwarf bei dem Dorf Ruttebüll“. Circa 1920 / 25
Watercolour on Japan paper. 37,3 × 50,5 cm ( 14 ⅝ × 19 ⅞ in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde.
With a photo certificate by Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, dated 24 March 2017.–
Lower right a backed area of loss (backed by the artist?). [3097]
Provenienz: Private collection, North Rhine-Westphalia (acquired 1970, thence by descent to the present owner)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Find similar lots for sale on Interencheres
See more lots for sale on Interencheres
Value:€4,000 - €6,000
Live
06/14/2026
Offered by Osenat
Value:€300
Live
06/19/2026
Offered by OGER-BLANCHET
Value:€1,200 - €1,500
Live
06/25/2026
Offered by Arenberg Auctions
Value:€450 - €600
Live
06/28/2026
Offered by Militaria auctions
Value:€50 - €80
Live
06/28/2026
Offered by Militaria auctions