Lot no. 24
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
Rote Wolken. Um 1938/45
Aquarell und Tuschpinsel auf Japan. 16,5 × 13,5 cm ( 6 ½ × 5 ⅜ in.). Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde.
[3030]
Provenienz: Galerie Margret Heuser, Düsseldorf/ Privatsammlung, Deutschland
Ausstellung: Emil Nolde, 1867–1956. Gemälde, Aquarelle, Graphik. Düsseldorf, Wolfgang Wittrock Kunsthandel, 1985, Kat.-Nr. 56, ganzseitige Farbabbildung S. 77 (Leihgabe)
In seiner Aquarellmalerei schlug Emil Nolde Anfang der 1920er-Jahre einen neuen, markanten Weg ein, der speziell für sein Spätwerk von größter Bedeutung werden sollte. Ein Bild entstand nun bisweilen „ohne irgendwelches Vorbild oder Modell, auch ohne festumrissene Vorstellung“ (Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln, Dumont-Buchverlag, 5. Auflage 1985, S. 201). Der Gegenstand war im ersten Arbeitsschritt zunächst bedeutungslos, er entwickelte sich erst im Laufe der Arbeit mit den Farben auf dem Papier aus abstrakten Flächen und zufällig entstandenen Strukturen. Noldes Ziel war es, Bilder ganz aus dem Inneren erwachsen zu lassen: „Neben aller gewonnenen Sicherheit im Bewusstsein des Könnens wollte ich so gern, dass mir das Kindliche erhalten bleibe, denn wo im Künstler dies fehlt, gibt es im Werk den schönsten Vollklang nicht. […] Der Maler braucht nicht viel zu wissen; schön ist es, wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie er atmet, wie er geht“ (ebda., S. 199 und 201).
Diesen Weg verfolgte der Maler kontinuierlich weiter, wenngleich er Blumenbilder, Porträts und Landschaften nach wie vor auch in der „klassischen“ Arbeitsmethode anfertigte. Einen ersten Höhepunkt der neuen Maltechnik bildet Anfang der 1930er-Jahre die Folge der „Phantasien“. Diese großformatigen Aquarelle bevölkern fremde, groteske Wesen aus Märchen und Sage, Gnome, Kobolde und allerlei andere bizarre Spukgestalten. Die Blätter gelten als direkte Vorläufer der über 1300 „Ungemalten Bilder“, die ab 1938 und besonders in der Zeit des Malverbots von 1941 bis 1945 in einer verborgenen Kammer seines Hauses in Seebüll entstanden. Typisch für all diese Arbeiten ist der Einsatz von Klecksen, Schlieren und sich mehrfach überlagernden Farbschichten, was einen ungewöhnlich hohen Abstraktionsgrad erzeugt.
Das Aquarell „Rote Wolken“ aus der Reihe der „Ungemalten Bilder“ ist ein meisterliches Beispiel für Noldes fulminante Farbenmalerei dieser Spätphase. Am Himmel tobt buchstäblich ein Farbengewitter von Rot, Violett und Blau. Hier ist keine reale Szene mehr wiedergegeben, sondern die Vision einer schwülen Abendstimmung über einer urzeitlichen Amphibienlandschaft. Der schmale grüne Horizontstreifen aus Grasland und Buschwerk spiegelt sich naturgetreu auf der stillen Wasserfläche im Vordergrund, als habe der Künstler dort den Ankerpunkt für die Gegenständlichkeit seines Aquarells gesetzt. Die Grenze zur vollständigen Abstraktion hat Nolde nie überschritten. Kritisch bemerkt er in seiner Autobiografie: „Ich weiß nicht, ob es ein Gewinn für die bildende Kunst sein kann, dass wir ihren bisherigen Boden verlassen. […] Unsinnigkeiten und Spielereien sollten das Neueste in Mystik und Geistigkeit vortäuschen, und so täuschend, dass es nur mit vielsilbigen außergewöhnlichen Fremdwörtern erklärt werden konnte. Ich sperre mich dagegen. Die Abstrakten spöttelten meiner. Einer nur verteidigte mich: Paul Klee." (Emil Nolde: Reisen – Ächtung – Befreiung. Köln, Dumont-Buchverlag, 4. Auflage 1988, S. 59f.)
AF
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll)
Rote Wolken. Circa 1938/45
Watercolour and brush and India ink on Japan paper. 16,5 × 13,5 cm ( 6 ½ × 5 ⅜ in.). Signed in pen and black ink lower right: Nolde.
[3030]
Provenienz: Galerie Margret Heuser, Düsseldorf/ Private collection, Germany
Ausstellung: Emil Nolde, 1867–1956. Gemälde, Aquarelle, Graphik. Düsseldorf, Wolfgang Wittrock Kunsthandel, 1985, cat. no. 56, full-page colour ill. p. 77 (loan)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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