Lot no. 16
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) „Schweizer Berglandschaft (Schneeberge)“. 1936 Aquarell auf Japan. 35,4 × 46,2 cm ( 13 ⅞ × 18 ¼ in.). Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 14. September 1990.– [3215] Provenienz: Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (seitdem in Familienbesitz) Berglandschaften sind im Schaffen Emil Noldes keine Seltenheit, auch wenn dieses Motiv für einen Norddeutschen zunächst nicht unbedingt naheliegt. Während seiner Lehrtätigkeit in St. Gallen von 1892 bis 1897 aber entwickelte sich der naturbegeisterte Maler als Mitglied des Schweizer Alpen Clubs zum passionierten Alpinisten, erklomm Jungfrauenmassiv, Monte Rosa und Matterhorn sowie den Ortler in Österreich. In seinen Lebenserinnerungen „Das eigene Leben“ heißt es hierzu: „Der Sohn der Ebene war allmählich ein bekannter Hochtourist geworden. Spannung und Verwegenheit trieben ihn […], denn unbefriedigte Vollkraft jagte ihn die gefährlichen Berge hinan, der Gefahr trotzend.“ Der Nervenkitzel, den der junge Mann beim hochalpinen Bergsteigen empfand, wich erst in späteren Jahren einem ehrfurchtsvollen Staunen vor der imposanten Erscheinung der Schweizer Bergmassive. Noldes bester Freund, Hans Fehr, wohnte ab 1924 dauerhaft in Muri bei Bern, sodass sich in den zwanziger und dreißiger Jahren zahlreiche Gelegenheiten zu Urlaubsbesuchen ergaben. Im Zusammenhang dieser Besuche, 1936, ist auch unser Bild entstanden. Mit seiner kühlen, zurückgenommenen Farbigkeit ist es typisch für Noldes Berg-Aquarelle. Es dominieren verschiedene Blautöne. Etwas mehr Grünanteile finden sich im Bereich des Himmels und auf den Tannenspitzen. Die spärliche Vegetation im Mittelgrund hat der Künstler durch braune Farbflächen gekennzeichnet. Einen zarten Kontrast bildet ein gelblicher Farbschleier, der das Hauptmassiv bekrönt, als habe sich das Sonnenlicht in Nebelschwaden gefangen. Meisterlich ist die Art, in der Nolde die Reduzierung der Mittel in die Darstellung integriert – etwa wenn er das Weiß des Papiergrundes zur Ausgestaltung der Schneeflächen benutzt. Hier finden sich auch zahlreiche blaue Farbflecken von unstrukturierter Form, welche im Zusammenspiel mit Wasserrändern und Farbüberlagerungen das Bild im unteren Drittel fast abstrakt erscheinen lassen. Nolde liebte diese „Mitarbeit der Natur“. Er war überzeugt, seine besten Bilder seien jene, die sich dem kreativen Willen und der Kontrolle des Malers entzogen, um durch Zufälligkeiten und überraschende Effekte sich selbst zu vollenden. AF Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) „Schweizer Berglandschaft (Schneeberge)“. 1936 Watercolour on Japan paper. 35,4 × 46,2 cm ( 13 ⅞ × 18 ¼ in.). Accompanied by a photo certificate by Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 14 September 1990.– [3215] Provenienz: Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (thence by descent to the present owner)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
06/02/2016
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0