Lot no. 26
Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) Südseemädchen in Landschaft. Um 1913/1914 Aquarell und Tuschpinsel auf Japanbütten. 48,3 × 34,5 cm ( 19 × 13 ⅝ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: Nolde. Mit einer Expertise von Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 11. November 1983.– Leichte Randmängel, minimal stockfleckig. [3230] Provenienz: Ehemals Nachlass Mr. & Mrs. T. A. Noonan, Washington D.C Für Emil Nolde erfüllte sich ein lang gehegter Traum, als sich 1913 für ihn und seine Frau Ada überraschend die Möglichkeit ergab, auf eigene Kosten an einer Expedition des Reichskolonialamtes in die Südsee teilzunehmen. Diese Reise dauerte ungefähr ein Jahr und war fraglos eines der zentralen Ereignisse im Leben des Malers, das auch für sein künstlerisches Grundverständnis und die weitere Entwicklung seiner Malerei größte Bedeutung besaß. Die „Medizinisch-demographische Deutsch-Neuguinea-Expedition“, so die offizielle Bezeichnung, startete am 3. Oktober 1913 vom Berliner Bahnhof Zoo in Richtung Moskau. Die Reise führte über Sibirien, Japan, China, die Philippinen und vorbei an den Palau-Inseln nach Rabaul in Papua-Neuguinea, wo die kleine Reisegruppe Mitte Dezember eintraf. In Käwieng auf Neu-Mecklenburg (heute Kavieng auf New Ireland) malte Nolde im März und April 1914 neunzehn Ölbilder. Beim größten Teil der in der Südsee entstandenen Werke handelt es sich um Arbeiten auf Papier, meist Aquarelle und kleine Farbstiftzeichnungen. Dabei widmete der Maler seine volle Aufmerksamkeit den Menschen, denen er begegnete: Vor allem interessierte ihn die Physiognomie, der Gesichtsausdruck und das für ihn rätselhafte Mienenspiel seiner Gegenüber, aber auch deren Haartracht, der Kopf- und Körperschmuck und die unterschiedlichen Färbungen der Haut. Hier ging der Künstler so akribisch vor, dass seine Zeichnungen es Ethnologen noch heute ermöglichen, die Porträtierten einem bestimmten Stamm oder einer Inselregion zuzuordnen. Das „Südseemädchen“ gehört zu einer Reihe von Darstellungen, die sich dem Arbeitsalltag der Inselbewohner widmen. Dafür setzte sich Nolde oft an den Wegesrand und hielt mit raschen, präzisen Pinselstrichen das Geschehen um ihn herum fest. Dass die „Modelle“ währenddessen bei ihren Tätigkeiten innehielten oder gar posierten, kam für ihn nicht infrage, da es die Szene verfälscht hätte. Das Mädchen trägt ein auffälliges hellgelbes Kleid, um das sie eine rotviolette Schärpe mit weißem Punktmuster gebunden hat. Deren Färbung nimmt Nolde in dem schwungvoll gemalten Feldweg wieder auf. Mit den unterschiedlichen Grüntönen der Vegetation verlieh der Künstler dem Bild sowohl Kontrast als auch räumliche Tiefe. Den weißen Stamm des Baumes links bildet allein der unbemalt gebliebene Papiergrund. Auf dem Rücken trägt das Mädchen ein unbestimmtes Behältnis, das sie zusätzlich mit einem Stirnriemen in Position hält. Möglicherweise ist sie auf dem Weg zu einer Wasserstelle, einem Markt oder einem Ernteplatz. Jedenfalls gibt uns dieses Aquarell noch heute einen realistischen Eindruck dessen, was Emil Nolde in der Südsee sah – als Künstler sollte er sein ganzes weiteres Leben davon zehren. AF Emil Nolde (Nolde 1867 – 1956 Seebüll) Südseemädchen in Landschaft. Circa 1913/1914 Watercolour and brush and India ink on Japan laid paper. 48,3 × 34,5 cm ( 19 × 13 ⅝ in.). Signed in pencil lower right: Nolde. Accompanied by a certificate by Prof. Dr. Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, dated 11 November 1983.– Minor margin imperfections, minimal foxing. [3230] Provenienz: Formerly estate Mr. & Mrs. Pl. A. Noonan, Washington D. C.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
About the sale
Live
Oeuvres Sélectionnées
10719 Berlin - Germany
11/30/2017
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0