Lot no. 9
Erich Heckel (Döbeln 1883 – 1970 Radolfzell am Bodensee)
„Mädchen mit Turban“. 1911
Holzschnitt auf Bütten. 31,6 × 21,5 cm (36,3 × 27,8 cm) ( 12 ½ × 8 ½ in. (14 ¼ × 11 in.)). Signiert, datiert und betitelt: Mädchen.
Dube H 211.–
Sehr selten. Einer von 7 bekannten Abzügen. [3396]
Eine junge Frau neigt ihren Oberkörper in den Bildausschnitt, als würde sie sich beim Ankleiden in einem niedrigen Spiegel betrachten. Mit spitzen Fingern steckt sie einen Turban in ihrem Haar fest. Das Gesicht unter dem fransigen Pony mit den großen, dunkel geschminkten Augen, einer fein geschwungenen Nase mit kecker Spitze und dem dezent zur Seite versetzten Mund strahlt unbekümmerte Vorfreude auf ein bevorstehendes Ereignis aus.
Ein umlaufender Steg von unregelmäßiger Breite rahmt die Darstellung, schneidet die Figur an und verbindet sich zugleich mit ihr. Den Oberkörper holte Heckel als großflächige Insel aus dem Druckstock. Aus stabilen Stegen bildete er Kopf, Gesicht und Arme des Mädchens. Unebenheiten, kleine Risse und faserige Öffnungen machen die ornamenthaften Kurven und Winkel der Silhouette lebendig. In den Fingern und im Muster des Kopftuchs werden die dicht gesetzten Grate fragiler, gewinnen die Linien und Flächen an Feinheit. Den Hintergrund hat Heckel grob aus dem Druckstock gehoben, sodass kleine Erhebungen Sprenkel von Druckerschwärze aufs Papier übertrugen. In der linken oberen Ecke des Blattes erzeugen wabenförmig gemaserte Spuren einen malerischen Effekt.
In mehrfacher Hinsicht handelt es sich bei „Mädchen mit Turban“ um ein Werk, das exemplarisch für Heckel und die Künstlergruppe Brücke steht. „Nichts ist so sehr ‚Brücke‘ wie der Holzschnitt“, konstatierte Leopold Reidemeister treffend zum Anlass von Heckels 100. Geburtstag (Erich Heckel 1883–1970. Der frühe Holzschnitt. Ausst.-Kat. Berlin, Brücke-Museum, 1983, S. 7). Dabei ging es den Mitgliedern der Brücke nicht in erster Linie darum, mit einer Auflage ein breiteres Publikum zu erreichen. Entscheidender waren die technischen Eigenheiten des Hochdruckverfahrens: Die Bearbeitung des Druckstocks ermöglichte die erwünschte raue Modellierung der Binnenzeichnung. Deshalb erachteten Heckel und seine Weggefährten ihre Holzschnitte als stilistische Entsprechung ihrer malerischen und bildhauerischen Werke und diesen ebenbürtig. Sowohl die farbmächtige, demonstrative Pinselführung ihrer Gemälde als auch die schrundigen Oberflächen und kubischen Volumina ihrer Skulpturen spiegeln sich im kraftvollen Hell-Dunkel des Schwarzlinienschnitts, welcher die tänzerisch bewegte Haltung der Figur von „Mädchen mit Turban“ als kunstvolle Arabeske erscheinen lässt.
KH
Wir danken Renate Ebner, Archiv der Erich Heckel-Stiftung, Hemmenhofen, für freundliche Hinweise.
Erich Heckel (Döbeln 1883 – 1970 Radolfzell on Lake Constance)
„Mädchen mit Turban“. 1911
Woodcut on laid paper. 31,6 × 21,5 cm (36,3 × 27,8 cm) ( 12 ½ × 8 ½ in. (14 ¼ × 11 in.)). Signed, dated and titled: Mädchen.
Dube H 211.–
Very rare. One of 7 recorded prints. [3396]
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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