Lot no. 171
Erich Heckel (Döbeln 1883 – 1970 Radolfzell am Bodensee)
Orange essendes Mädchen (Sidi Heckel). 1913
Kohle auf der Rückseite eines bedruckten Büttenbogens der Brücke-Chronik (Wasserzeichen: SLG). 51,5 × 38,2 cm ( 20 ¼ × 15 in.). Unten rechts mit Bleistift signiert und datiert: Erich Heckel 13.
[3412]
Ausstellung: Erich Heckel zum 100. Geburtstag. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1983, Kat.-Nr. 31, S. 5/19, Abbildung S. 19 (hier betitelt: Sitzendes Mädchen, eine Orange schälend) / Musen, Maler und Modelle. Kampen, Galerie Pels-Leusden, 1996, Kat.-Nr. 45, S. 32/72, Abbildung S. 33
Literatur und Abbildung: Auktion 139: Karl & Faber, München, November 1974, Kat.-Nr. 1165 (hier betitelt: Halbporträt einer jungen Frau, nach unten blickend) / Auktion 180: Kornfeld und Klipstein, Bern, 23. Juni 1982, Kat.-Nr. 280 (hier betitelt: Sitzendes Mädchen, eine Orange schälend)
1913, in dem Jahr, in dem sich die Künstlergemeinschaft „Brücke“ auföste, begann Heckel mit großen, hochformatigen Darstellungen in Holzschnitt und Lithografie. Eine Reihe von sieben Lithografien zeigt seine Partnerin Sidi, die zu dieser Zeit offenbar an einer Krankheit litt, denn die Darstellungen zeigen ein leidendes, melancholisches Mädchen. Der Maler lebte damals in Berlin in recht dürftigen Verhältnissen, das Atelier war ein kaum heizbarer Dachverschlag. Ernst Gosebruch berichtet unter anderem über einen Besuch in Heckels Atelier im Winter und erinnerte sich an die „krank auf einer Kiste“ liegende Sidi.
Der schweigsame Erich Heckel fand 1910 in der Tänzerin Milda Frieda Georgi, die unter dem Künstlernamen Sidi Riha (später Siddi Riha) auftrat, jene Gefährtin, die ihn durch alle Höhen und Tiefen begleitete, unbedingt zu ihm stand und alles, was ihm widerfuhr, auch auf ihre schmalen Schultern lud. Sie war sein „merry Puck“, sein fröhlicher Begleiter, sein „Sommernachtstraum“. Und auch er unterstützte sie: Sein wundervoller Farbholzschnitt im Brücke-Museum Berlin – nur in einem Exemplar bekannt – weist auf eine Wiener Shakespeare-Aufführung hin, für die sie engagiert war. Und sie lohnte es ihm: Ein Leben lang nannte sie den Künstler voller Achtung „Herrn Heckel“.
Solche Vertrautheit aus Distanz und Nähe war seinen „Brücke“-Freunden fremd, geradezu unheimlich. Als Heckel die gemeinsam genutzten Ateliers an der Berliner Straße verließ, eine Wohnung An der Falkenbrücke 2A bezog und so unübersehbar Abstand zwischen sich und seine strapaziösen Freunde legte, schrieb Ernst Ludwig Kirchner am 19. Dezember 1910 auf eine Postkarte an Otto Mueller: „Eine kleine Tänzerin nahm ihn uns Armen. ELK.“
Gerd Presler, Weingarten
Wir danken Hans Geissler und Renate Ebner, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, für freundliche Hinweise.
Erich Heckel (Döbeln 1883 – 1970 Radolfzell on Lake Constance)
Orange essendes Mädchen (Sidi Heckel). 1913
Charcoal on the reverse of a printed laid paper-sheet of the Brücke-Chronik (watermark: SLG). 51,5 × 38,2 cm ( 20 ¼ × 15 in.). Signed and dated in pencil lower right: Erich Heckel 13.
[3412]
Ausstellung: Erich Heckel zum 100. Geburtstag. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1983, cat. no. 31, p. 5/19, Illustration p. 19 (here titled: Sitzendes Mädchen, eine Orange schälend) / Musen, Maler und Modelle. Kampen, Galerie Pels-Leusden, 1996, cat. no. 45, p. 32/72, Illustration p. 33
Literatur und Abbildung: Auction 139: Karl & Faber, München, November 1974, cat. no. 1165 (here titled: Halbporträt einer jungen Frau, nach unten blickend) / Auction 180: Kornfeld und Klipstein, Bern, 23 June 1982, cat. no. 280 (here titled: Sitzendes Mädchen, eine Orange schälend)
We would like to thank Hans Geissler and Renate Ebner, Estate of Erich Heckel, Hemmenhofen, for kindly providing additional information.
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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