Lot no. 25
Ernst Barlach (1870 Wedel – 1938 Rostock) „Der Rächer“. 1914 Bronze mit dunkelbrauner Patina. Höhe: 44 cm ( 17 ⅜ in.). Auf der rechten Seite unten signiert: E BARLACH. Auf der Seite des Sockels mit dem Gießerstempel: H.NOACK BERLIN. Laur 229.– Einer von insgesamt 30 Güssen. [3170] Provenienz: Hans Koch, Düsseldorf/Randegg / Privatsammlung, Rheinland Ernst Barlachs Bronzefigur des „Rächers“ ist ein Hauptwerk in der Bildhauerkunst des deutschen Expressionismus. Der Künstler arbeitete an dieser Figur seit Mitte 1914, wie viele andere Kollegen dieser Zeit ganz unter dem Einfluß des soeben begonnenen Ersten Weltkriegs stehend und diesen bewaffneten Konflikt zunächst rückhaltlos begrüßend. Die Euphorie schlug jedoch spätestens nach Ableisten der Grundausbildung im Winter 1915 in Ernüchterung und Abkehr von allem Militärischen um. Hinzu kamen die Nachrichten von den vielen gefallenen jungen Frontsoldaten auch aus dem persönlichen Umfeld Barlachs, etwa des frühen Todes des achtzehnjährigen Sohnes von Käthe Kollwitz. Seither war für den Bildhauer der Begriff „Krieg“ untrennbar verbunden mit Leid, Elend, Verlust und Trauer. Er wurde zum zentralen Motiv seiner Kunst. Der „Rächer“ ist die bewegteste Figur in Barlachs Schaffen und verkörpert eindrücklich das blindwütige Voranstürmen eines wildentschlossenen Schwertkämpfers. In ihrer archaischen Erscheinung steht die Skulptur jedoch übergeordnet auch als Synonym für kriegerische Auseinandersetzungen jeglicher Art. Während sein rechtes Bein auf natürliche Weise nach vorn gestellt ist, bildet das andere eine waagerechte Linie mit Rücken und linkem Oberarm und unterstreicht so die energische, nicht aufzuhaltende Vorwärtsbewegung des Kriegers, der sich wie ein Pfeil seinem imaginären Gegner entgegenwirft. Die Figur geht in ihrer Frontalansicht zurück auf eine Lithographie Barlachs mit dem Titel „Der heilige Krieg“, die 1914 für Paul Cassirers Zeitschrift „Kriegszeit – Künstlerflugblätter“ entstand. Das Gesicht des „Rächers“ ist in der Graphik wie der Skulptur nicht etwa wutverzerrt oder von Blutdurst gezeichnet, es wirkt vielmehr konzentriert und gefühlskalt, allein auf den finalen tödlichen Schlag fokussiert. Wenn vom Künstler auch nicht beabsichtigt, so kann man aus heutiger Sicht ebenso innere Leere, Orientierungslosigkeit, Einfalt, ja barbarische Unmenschlichkeit hierin lesen. Am 5. September 1914 schrieb Barlach in seinem Güstrower Tagebuch über seinen „Rächer“, dieser sei für ihn „der kristallisierte Krieg, der Sturm über alles Hindernis, so daß man‘s glaubt. Ich hatte ihn schon einmal angefangen, aber verworfen […], jetzt ist mir das Unerträgliche notwendig.“ Wenngleich diese Äußerung für die Skulptur an sich durchaus zutreffend ist, erscheint sie nach der Erfahrung zweier Weltkriege und endloser bewaffneter Konflikte heute in ganz anderem Licht. AF Ernst Barlach (1870 Wedel – 1938 Rostock) „Der Rächer“. 1914 Bronze with dark brown patina. Height: 44 cm ( 17 ⅜ in.). On the right side at the bottom signed: E BARLACH. On the side of the base with the foundry mark: H.NOACK BERLIN. Laur 229.– One of a total of 30 casts. [3170] Provenienz: Hans Koch, Düsseldorf/Randegg / private collection, Rhineland
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
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Catalog
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Germany
11/26/2015
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0