Lot no. 3219
ERNST BARLACH (Wedel/ Holstein 1870–1938 Rostock) Mutter mit Kind II (Mother with child II). 1935. Bronze, brown patina. Cast from 1978. Signed and numbered on the back of the base: E. Barlach 6/6 as well as with the foundry mark: H. NOACK BERLIN. H 59 cm. Provenance: - Ernst Barlach License management, Ratzeburg. - Private collection Germany. Literature: - Elisabeth Laur: Das plastische Werk: Werkverzeichnis. Ernst Barlach, Güstrow 2006, Ernst Barlach Stiftung, p. 262, no. 590 (with ill.). - Exhib. cat. Ernst Barlach, 51 Bronzen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath Gmbh, Frankfurt 1981 (with ill.). - Exhib. cat. Unbekannte Bronzen, Bank für Gemeinwirtschaft und Ernst Barlach Gesellschaft e.V., Hamburg 1983. - Exhib. cat. Denkzeichen: eine Ausstellung im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf Schleswig, ed. by the Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf, Berlin 1989. - Exhib. cat. Ernst Barlach. Plastische Meisterwerke, ed. by E. A. Seemann, Leipzig 1996. - Exhib. cat. Ernst Barlach. Zwischen Himmel und Erde. Plastiken und Graphik, Schloss der pommerschen Herzöge Stettin, ed. by Volker Probst, Stettin 2005, no. 15. "By golly, there are bronzes sitting there”, declared Barlach in 1906, when he and his brother went on a trip through southern Russia and first saw the Russian people in the steppe. He was dazzled by the simplicity of the people — the peasants, the shepherds and the beggars — which formed his sculptural eye and inspired him to sculpt. Those three months in the Russian steppe became a key experience for the artist. (E.A. Seemann 1996, p. 8) "I think there is no need to deny the legend that I was brought to express myself in three dimensions ‘only through Russia’ — or however that was phrased. The fact remains that to my eyes reality was three-dimensional and that I had an unsatisfied longing, the willingness and the ability to perceive the sculptural value. Russia gave me its forms ... Shape — just shape ... No, an unbelievable realisation dawned on me: everything that is yours — the external, the internal, the pious gesture, the irrepressible gesture of anger, you can risk without hesitation, for everything, be it the hellish paradise or the paradisiacal hell, has its expression, as in Russia, where one or the other was put into effect” (quoted in: Ernst Barlach Handzeichnungen: Die Sammlung Niescher, Hamburg 1972.) Barlach's works from the 1930s are directly tied to that trip to Russia and are immediately connected in both spirit and motif. The present work, "Mutter mit Kind II", is part of a series of works that Barlach created in 1935, ours being the last mother with child sculpture. He must have encountered the motif several times during his travels, as Barlach took up the subject and created the sculpture Russische Bettlerin mit Kind as early as 1907, one year after his stay in Russia. As is typical for his female figures inspired by Russian beggars — which are stylistically close to Gothic sculpture — the body remains block-like and covered by a long robe. The face is free and the source of every kind of emotion. Three of the six bronze casts of Mutter mit Kind II are now in German museums, the other three are in private collections. Our bronze sculpture is the first to appear at auction. ERNST BARLACH (Wedel/ Holstein 1870–1938 Rostock) Mutter mit Kind II. 1935. Bronze, braune Patina. Guss von 1978. Hinten auf dem Sockel signiert und nummeriert: E. Barlach 6/6, sowie mit dem Giesserstempel: H. NOACK BERLIN. H 59 cm. Provenienz: - Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg. - Privatsammlung Deutschland. Literatur: - Elisabeth Laur: Das plastische Werk: Werkverzeichnis. Ernst Barlach, Güstrow 2006, Ernst Barlach Stiftung, S. 262, Nr. 590 (mit s/w Abb.). - Ausst.-Kat. Ernst Barlach, 51 Bronzen, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath Gmbh, Frankfurt 1981 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Barlach, Unbekannte Bronzen, Bank für Gemeinwirtschaft und Ernst Barlach Gesellschaft e.V., Hamburg 1983. - Ausst.-Kat. Denkzeichen: eine Ausstellung im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf Schleswig, hrsg. von dem Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf, Berlin 1989. - Ausst.-Kat. Ernst Barlach. Plastische Meisterwerke, hrsg. von E. A. Seemann, Leipzig 1996. - Ausst.-Kat. Ernst Barlach. Zwischen Himmel und Erde. Plastiken und Graphik, Schloss der pommerschen Herzöge Stettin, hrsg. von Volker Probst, Stettin 2005, Nr. 15. „Donnerwetter, da sitzen Bronzen“ sagt Barlach, als er 1906 mit seinem Bruder eine Reise durch Südrussland unternimmt und das erste Mal das russische Volk in der Steppenlandschaft zu Gesicht bekommt. Es ist die Einfachheit dieser Menschen, die Bauern, Hirten und die Bettler, die ihn überwältigen und die sein plastisches Auge formen und ihn zur Bildhauerei inspirieren. Diese drei Monate in der russischen Steppe werden zum Schlüsselerlebnis des Künstlers. (E.A. Seemann 1996, S. 8) „Ich halte es für überflüssig, die Legende zu leugnen, dass ich "nur durch Russland" dazu gebracht wurde, mich dreidimensional auszudrücken - oder wie auch immer dies formuliert worden ist. Tatsache bleibt, dass für meine Augen die Wirklichkeit dreidimensional war und dass ich eine unbefriedigte Sehnsucht, die Bereitschaft und die Fähigkeit, die plastischen Werte wahrzunehmen, mitbrachte. Russland gab mir seine Formen... Gestalt - bloß Gestalt... Nein, die unglaubliche Erkenntnis dämmerte mir: Alles, was dein ist, das Äußere, das Innere, die fromme Geste, die unbändige Geste der Wut, darfst du ohne Zögern wagen, denn alles, sei es das höllische Paradies oder die paradiesische Hölle, hat seinen Ausdruck, wie in Russland, wo das eine oder das andere verwirklicht wurde" (zitiert in: Ernst Barlach Handzeichnungen: Die Sammlung Niescher, Hamburg 1972) Barlachs Werke der 1930er-Jahre sind eine direkte Anknüpfung an diese Russlandreise und schliessen sowohl geistig als auch motivisch unmittelbar an die Reise an. Das vorliegende Werk „Mutter mit Kind II“ entsteht im Zuge einer Werkserie, die Barlach 1935 schafft, wobei die unsrige die letzte Mutter mit Kind Plastik darstellt. Dem Motiv muss er während seiner Reise mehrfach begegnet sein, denn bereits 1907, ein Jahr nach seinem Aufenthalt in Russland, nimmt Barlach das Thema auf und schafft die Plastik “Russische Bettlerin mit Kind“. Typisch für seine von eben diesen russischen Bettlerinnen inspirierten Frauenfiguren, die stilistisch der gotischen Skulptur nahestehen, bleibt der Körper blockartig von einem langen Gewand verhüllt. Das Gesicht ist frei und Ausgangspunkt aller Emotionen. Drei der sechs Bronzeabgüsse von „Mutter mit Kind II“ befinden sich heute in Deutschen Museen, die anderen drei sind in privaten Sammlungen. Unsere Bronzeskulptur ist die erste, die auf dem Auktionsmarkt auftaucht.
Pictures credits: Contact organization
Sculpture and bronzes
About the sale
Catalog
Art Impressionniste & Moderne
8031 Zürich - Switzerland
12/04/2020
Offered by Koller Auctions
+41 44 445 63 63