Lot no. 164
Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) Badende am Strand von Fehmarn. 1912/13 Rohrfeder und Tuschpinsel auf Papier. 46 × 59 cm ( 18 ⅛ × 23 ¼ in.). Unten rechts signiert und datiert: ELKirchner 12. Rückseitig unten links mit dem Nachlassstempel in Schwarz und der mit Tuschfeder in Schwarz eingetragenen Registriernummer: F Be/Bf 4. [3411] Provenienz: Nachlass des Künstlers / Privatsammlung, Norddeutschland (bis 2003) Ausstellung: Kirchner im KirchnerHAUS. Aschaffenburg, KirchnerHAUS, 2015, Kat.-Nr. 26, Abbildung S. 35 Literatur und Abbildung: Auktion 112: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 28. November 2003, Kat.-Nr. 27 / Auktion 210: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30. Mai 2013, Kat.-Nr. 11 / Kunst und Auktionen, Nr. 17, 16. Oktober 2015, S. 40, www.titel-kulturmagazin.net, Oktober 2015, mit Abbildung Die Sonne steht hoch und golden, es geht immer ein leichter Wind, Ernst Ludwig Kirchners sehniger Oberkörper ist tief gebräunt. Manchmal trägt er eine leichte Sommerhose und ein aufgeknöpftes Leinenhemd, wenn er am Strand von Fehmarn sitzt und malt, manchmal nicht. Erna Schilling, seine Geliebte, sein Modell, ist meist ganz nackt, sie spielt mit den Füßen im warmen Sand, selbstvergessen, merkt gar nicht mehr, wenn Kirchner sie zeichnet, weil er das ohnehin die ganze Zeit tut. Kirchner ist in diesem Sommer wieder ganz bei sich. Er hat Berlin hinter sich gelassen. Dieses große, irre, laute, vorwärtsstürmende Berlin. Hier am Strand gibt es nirgendwo das Quietschen der Trambahn, wenn sich in einer Kurve ihre Reifen an den Eisenschienen reiben. Hier gibt es keine Menschen, die über die Bürgersteige eilen, als ginge es um ihr Leben, hier gibt es keine Zeitungen, die dreimal am Tag erscheinen, hier gibt es abends weder Varieté noch eine Uraufführung von Gerhart Hauptmann oder Frank Wedekind oder ein Varieté mit Mata Hari, hier gibt es abends nur ein Glas Wein, liegend, im Sand, hinten in der Ferne geht die Sonne langsam unter, dann gehen sie schlafen in ihrem Gästezimmer beim Leuchtturmwärter Lühmann in Staberhuk. Es kommen Erich und Sidi Heckel zu Besuch, vielleicht sieht man auf dieser furiosen Federzeichnung die beiden Freundinnen und vielleicht liegt da auf dem Strand Erich Heckel und liest. Die Bucht ist erfasst in einer wunderbar langgezogenen Schwingung, das Boot ganz links ein einziger Trommelwirbel der Feder. Kirchner liebt es, die Hitze zu spüren und die Nacktheit zu sehen und in Sekundenschnelle zu erfassen. Er hat seinen Stil gefunden und ist ganz bei sich. „Fleisch, das nackt ging/bis in den Mund gebräunt vom Meer“, so wird Gottfried Benn in genau diesen Sommertagen 1912 dichten über diesen Sommer an der Ostsee. Kirchner zeichnet es. Dann nimmt er ein Blatt Papier und schreibt seinem Freund, ergriffen von sich selbst und dem Erlebten: „Hier lerne ich die letzte Einheit von Mensch und Natur gestalten und vollenden.“ Florian Illies, Berlin, in: 1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte. Berlin, 2018 Wir danken Günther Gercken, Lütjensee, für freundliche Hinweise. Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) Badende am Strand von Fehmarn. 1912/13 Reed pen and brush and India ink on paper. 46 × 59 cm ( 18 ⅛ × 23 ¼ in.). Signed and dated lower right: ELKirchner 12. Estate stamp in black and registry number inscribed with pen and black India ink on the reverse lower left: F Be/Bf 4. [3411] Provenienz: Estate of the artist / Private Collection, northern Germany (until 2003) Ausstellung: Kirchner im KirchnerHAUS. Aschaffenburg, KirchnerHAUS, 2015, cat. no. 26, illustration p. 35 Literatur und Abbildung: Auction 112: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 28 November 2003, cat. no. 27 / Auction 210: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30 May 2013, cat. no. 11 / Kunst and Auktionen, no. 17, 16 October 2015, p. 40, www.Titel-kulturmagazin.Net, October 2015, , illustration We would like to thank Günther Gercken, Lütjensee, for kindly providing additional information.
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Drawings, watercolours and pastels
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10/26/2018
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0