Lot no. 45
Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Köln) „Bernstein“. 1960 Öl auf Leinwand. 82 × 70,2 cm ( 32 ¼ × 27 ⅝ in.). Unten rechts signiert und datiert: NAy 60. Auf dem Keilrahmen in Schwarz signiert, betitelt, datiert und bezeichnet: NAY: „Bernstein“ 1960. (82 x 70 cm). Werkverzeichnis: Scheibler 939.– [3328] Provenienz: Galerie Günther Franke, München (1961) / Ferdinand Ziersch, Wuppertal / Privatsammlung, Österreich Ausstellung: Nay. London, New London Gallery, 1960, Kat.-Nr. 28 Nach einem Aufenthalt in New York im Herbst 1959, wo Nay die späten Bilder von Jackson Pollock kennengelernt hatte, begann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinem bisherigen Œuvre unter besonderer Berücksichtigung des Kolorits (denn die Formfindung der Scheibe war gelungen und würde noch eine Zeitlang bestehen bleiben). „Auch auf seinem eigensten Gebiet der Farbe zeigt sich jetzt die zunehmende Spannung. [...] Nächtliches auch Unheimliches tritt deutlicher ins Spiel. Noch immer aber hält der unterliegende ‚Scheibensatz’ die Sicherung der räumlichen Planordnung fest zusammen. Doch die tragende Grundform der Scheibe erfährt nun auch eine gewisse Krisis“ (Werner Haftmann: E.W. Nay, Köln, DuMont Buchverlag, 1991, S. 237). Von einer Krisis ist in „Bernstein“ aber nichts zu spüren, unbeirrt und entschieden fügt sich Form an Form. Die dichte Struktur der Scheiben aus Ockergelb, Grün, Purpur und Schwarz, die sich teilweise überlagern, gestaltet eine harmonische Fläche. Folgt der Blick den Formen bis zur oberen rechten Ecke – dorthin, wo sich in der alten Kunst der Himmel zur Unendlichkeit aufschwang –, dann leuchtet auch in unserem Bild eine glänzende Helligkeit über dem Kolorit. Sie antwortet der lichten Klarheit zwischen Grün und Schwarz unten; aus ihr, nicht allein der des „Himmels“, entspringt die Inspiration und Nachdrücklichkeit, die den Künstler wenig später die Scheibe sich öffnen und aufbrechen lässt, bis sie schließlich von der Spindelform in die Fläche übergehen wird. Nays Scheibenbilder, die monumentalen Großformate, aber auch kleinere Bilder, schlagen den Betrachter in Bann. Wohin geht die Fahrt, welche Macht hat die beschwingten Formen auf ihre Reise geschickt? Fast nimmt der rhythmische Schwung dem Auge die Ruhe, um diese Frage zu klären, gibt es sich ihm aber hin, ist die Harmonie zu spüren, die von den Farbformationen ausgeht. So ist seit 1956 das berühmte Freiburger Bild zu erleben und auch unser Bild zu verstehen. Im Entstehungsjahr von „Bernstein“ schrieb der Künstler an seinen Biografen und Freund, den Kunsthistoriker Werner Haftmann: „Die Scheibe ist Ganzheit, Stilmittel dadurch, das ist ihr Geheimnis, das nicht ausgesagt werden darf. So aber können Heil und Unheil miteinander toben.“ (Brief vom 12.5.1960, zit. nach: E.W. Nay, Lesebuch. Selbstzeugnisse und Schriften 1931–1968. Köln, DuMont Buchverlag, 2002, S. 196). EO Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Cologne) „Bernstein“. 1960 Oil on canvas. 82 × 70,2 cm ( 32 ¼ × 27 ⅝ in.). Signed and dated on the lower right: NAy 60. Signed, titled, dated and inscribed on the stretcher in black: NAY: „Bernstein“ 1960. (82 x 70 cm). Catalogue raisonné: Scheibler 939.– [3328] Provenienz: Galerie Günther Franke, Munich (1961) / Ferdinand Ziersch, Wuppertal / Private collection, Austria Ausstellung: Nay. London, New London Gallery, 1960, cat. no. 28
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Drawings, watercolours and pastels
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11/30/2017
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