Lot no. 266
Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Köln) „Blaue Sitzende mit Spiegel“. 1947 Gouache auf genarbtem Papier. 40 × 27 cm ( 15 ¾ × 10 ⅝ in.). Oben links mit Bleistift signiert und datiert: NAY 47-4. Claesges 47-035.– [3407] Provenienz: Kunstverein, Hamburg (1947) / Erich Wendt, Hannover (1947) / Privatsammlung (1997) / Galerie Margret Heuser, Düsseldorf (1999) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Ausstellung: Kunstverein Hamburg, Lübeck, 1947, Kat.-Nr. 49 (hier betitelt: Komposition c) / E.W. Nay. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1950, Kat.-Nr. 90 / Düsseldorf, Galerie Margret Heuser, 1999, mit Abbildung Literatur und Abbildung: Auktion: German & Austrian Art. Christie’s, London, 9. Oktober 1997, Kat.-Nr. 254 / Auktion 165: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 5. Juni 2009, Kat.-Nr. 43 Die 1940er-Jahre waren im Schaffen von Ernst Wilhelm Nay von den so benannten „Hekatebildern“ bestimmt. Nach Nays Rückkehr aus dem amerikanischen Sammellager in Eger verband sich seit 1945 glückhaft Figürliches und Ornamentales zu einem Neubeginn in seinem Werk. Nay begann, sein Bestreben zu verwirklichen, ein Bild frei aus der Farbe heraus zu gestalten. War bereits seinen frühen Werken ein schwingender, rhythmischer Farbverlauf zu eigen, so gelingt es ihm jetzt, den Raum in die flächige Erscheinung des Bildes einzuführen. Aus der Spannung der Farbe heraus entwickelt sich über Gegensätzliches die Tiefe. Um 1946/47 schreibt Nay seine Gedanken zu dieser Fragestellung nieder: „Was geschieht nun? Wie ist es möglich, die als grundlegende Gesetze der Malerei erkannten Formprinzipien zu einem neuen, aus der Farbe gebauten Bild zu verwenden? Erkannt ist nunmehr, daß es ohne diese Gesetzmäßigkeiten nicht geht, denn sie sind nicht erfundene sondern der physischen wie geistigen Natur des Menschen analoge Gesetze, es sind kosmische Gesetze. Die Primitivierung, die Zurückführung dieser Gesetze auf Fläche und Linie, ist als ungenügend erkannt. Mithin muß also das organische Bild entstehen.“ (zitiert nach: E.W. Nay, Lesebuch. Selbstzeugnisse und Schriften 1931-1968. Köln, 2002, S. 38) Die Gouache des Jahres 1947 variiert die „Frau vor dem Spiegel“, klassisches Thema der Malerei seit Jahrhunderten. Am rechten Bildrand erhebt sich in einem in Grün, Schwarz und Ocker konstruierten Raum eine Gestalt. Sie ist von lichtem Blau mit weißen Höhungen umfangen. Das zeichenhafte Gesicht der in das Blau eingeschlossenen Figur schaut in den leeren Spiegel. Zu den Seiten der Sitzenden lockert Nay die Oberflächenstruktur mit grafischen Mustern und Linien auf. Unter ihnen ist auch das für Nay charakteristische und in zahlreichen Arbeiten anzutreffende rautierte Muster mit Innenzeichnung zu entdecken, es gibt das Gewand der Sitzenden wieder. Dynamische Linien und kraftvolle Formgebilde fügen sich konzentriert zu einem – trotz der kleinen Dimensionen – fast monumentalen Gesamteindruck, den ein innerer Rhythmus bestimmt. Er wird den Künstler über die „Fugalen Bilder“ und die „Scheibenbilder“ bis in die späten 1960er-Jahre hinein auf dem Weg zum absoluten Bild begleiten. Elke Ostländer, Berlin Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Cologne) „Blaue Sitzende mit Spiegel“. 1947 Gouache on textured paper. 40 × 27 cm ( 15 ¾ × 10 ⅝ in.). Signed and dated in pencil upper left: NAY 47-4. Claesges 47-035.– [3407] Provenienz: Kunstverein, Hamburg (1947) / Erich Wendt, Hanover (1947) / Private Collection (1997) / Galerie Margret Heuser, Düsseldorf (1999) / Private Collection, North Rhine-Westphalia Ausstellung: Kunstverein Hamburg, Lübeck, 1947, cat. no. 49 (here titled: Komposition c) / E.W. Nay. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1950, cat. no. 90 / Düsseldorf, Galerie Margret Heuser, 1999, with illustration Literatur und Abbildung: Auction: German & Austrian Art. Christie’s, London, 9 October 1997, cat. no. 254 / Auction 165: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 5 June 2009, cat. no. 43
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Drawings, watercolours and pastels
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10/26/2018
Offered by Grisebach
0049 30 885 915 0