Lot no. 40
Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Köln)
„Rot in tiefem Klang“. 1962
Öl auf Leinwand. 80,5 × 60 cm ( 31 ¾ × 23 ⅝ in.). Unten rechts signiert und datiert: NAY 62. Auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Schwarz signiert, betitelt und datiert: NAY - ROTMIN TIEFEM KLANG - 1962.
Scheibler 1023.–
[3555]
Provenienz: Privatsammlung, Hessen (1962 im Atelier des Künstlers erworben)
Ausstellung: Gruppenausstellung. Frankfurt a. M., Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 1963, Kat. Nr. 167, Abb
Ernst Wilhelm Nay, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern zweifellos auch international gesehen einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit, rang trotz wachsender Anerkennung viele Jahre mit sich, bis er zu dem malerischen Ausdruck gefunden hatte, den er für sich selbst als adäquat empfand. So schreibt er zum Beispiel kurz vor Weihnachten 1956 in einer Notiz vom 17. Dezember: „In meiner Kunst spielt sich der furchtbare Kampf zwischen Emblem und Fläche um ihre Vereinigung ab.“ In diesem „Kampf“, so Nay, drücke sich ganz allgemein „der ins Bewusstsein entwickelte Geist des modernen Menschen“ aus. Und zum „Emblem“ führt er aus: „Das Emblem strömt Kosmisches aus, die Natur wird in ihm spürbar“ (zit. nach: E.W. Nay: Lesebuch, Köln 2002, S. 162).
Mit den sogenannten „Scheibenbildern“, die er ab Mitte der Fünfzigerjahre malte, war er dabei einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Keine zwei Wochen nach der ersten Notiz bringt er eine zweite zu Papier. Dort heißt es: „Wenn man sagt, dass der Künstler nur immer ein einziges Bild entwirft, in seinem Leben, so möchte ich für mich sagen, dass ich nach langen Vorbereitungen dieses eine Bild nun entwickelt habe.“ Etwas weiter unten erläutert der Künstler verschiedene Prinzipien der Komposition, die „Bewegung der Fläche durch die Farbe“, die sein „Grundthema“ sei, die „Diagonale als Flächensystem, die das Grundthema bestimmt“, und die Fläche selbst, „darstellbar durch ein Symbol ihrer flächigen potenziellen Energie, der Scheibe“ (ebd., S. 163).
Betrachtet man unser Gemälde „Rot in tiefem Klang“ von 1962, wird man feststellen können, wie weit sich Nay in den Jahren seit 1956 als Maler tatsächlich fortentwickelt hat. Auf diesem Bild ist nun alles in Bewegung – und dies, so meint man zu sehen, ausschließlich durch die Energie der Farbe. Doch die kreisrunden Formen, die Nay „Scheiben“ nennt, sind es wohl nicht allein, die hier für Dynamik sorgen.
Der Künstler, der im Laufe seiner überaus erfolgreichen Karriere stets harte innere Konflikte mit sich ausfocht, zeigt sich hier offenbar selbst in gelöster Verfassung. Ohne Vorbehalte, Zweifel und „Kämpfe“ erlangt er in diesem Gemälde eine malerische Freiheit, die in seinem Werk dieser Zeit ihresgleichen sucht. Schon ein Jahr später wird er zu einer neuen Form und einer neuen Phase kommen, den „Augenbildern“. Hier hat man fast den Eindruck, dass er sich bereits von den „Scheiben“ verabschiedet – voller Dankbarkeit und in bester, beschwingter Stimmung erreicht er mit diesem Bild noch einmal den Gipfel. UC
Ernst Wilhelm Nay (Berlin 1902 – 1968 Cologne)
„Rot in tiefem Klang“. 1962
Oil on canvas. 80,5 × 60 cm ( 31 ¾ × 23 ⅝ in.). Signed and dated lower right: NAY 62. Signed, titled and dated in black brush on the stretcher: NAY - ROTMIN TIEFEM KLANG - 1962.
Scheibler 1023.–
[3555]
Provenienz: Private Collection, Hesse (acquired 1962 in the studio of the artist)
Ausstellung: Gruppenausstellung. Frankfurt a. M., Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 1963, cat. no 167, ill
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Drawings, watercolours and pastels
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