Lot no. 637
Ernst Wilhelm Nay
Ernst Wilhelm Nay
Origin in yellow
Oil on canvas. (19)63. C. 110 x 100 cm. Signed and dated lower right. Signed and dated several times, titled in German and English, and with the old, crossed out titled “Gelb um” on the reverse of the stretcher.
„Mit den sogenannten ‚Augenbildern‘ schlägt Nay in seiner Kunst ein Kapitel auf, das im Verlauf seines Lebenswerks immer wieder, nun aber mit elementarer Kraft hervortritt: die Expression. Eingeleitet wurde diese gesteigerte Ausdrucksfähigkeit bereits mit den großen Formaten der vorangegangenen Jahre, in denen Nay mit aggressiver Gestik der Lineamente das Motiv der Scheibe zu verändern sucht. In den Bildern von 1963/64 beginnt er spitz-ovale Spindelformen horizontal oder vertikal über die Scheiben zu malen. Damit entsteht ganz von selbst das Motiv des Auges. Dieses Ur-Thema, das Schauen und Angeschaut werden vereint und in archetypischen Symbolen magische Kräfte und bannende Abwehr verheißt, aber auch Licht und spirituelles Bewusstsein symbolisiert, bedeutet für Nays völlig gegenstandslose Bildgestaltung eine gewaltige Herausforderung. Doch verzichtet er nicht auf die Assoziation der magischen Ausstrahlung dieser gegenständlichen Form, sondern bringt die Wirkung der großangelegten Augenformen seiner Bilder ins Gleichgewicht mit einer überaus bewegten, abstrakten Formensprache, die er in eine sich leidenschaftlich entfaltende Chromatik einbindet. Alle Register einer stark kontrastierenden Farbigkeit, wie auch die Betonung zart-heller und dunkelfarbiger Gegensätze bringt Nay in diesen Dialog ein und steigert damit die Vitalität und Freiheit seiner Bildgestaltung. Doch trotz der neugewonnenen und temperamentvoll eingesetzten malerischen Freiheit ist den Details und der Gesamtkonzeption dieser Bilder eine kontrollierte Ordnung eingegeben. In der Öffentlichkeit werden Nays neue Bilder heftig diskutiert. Auf der ‚documenta III‘ (Kassel 1964) sind drei 4x4 Meter große Hauptwerke von 1964 in einer ungewöhnlichen Hängung an der Decke präsentiert und lösen einen erregten Pressestreit aus (...).“ (Elisabeth Nay-Scheibler, WVZ Gemälde, Bd. II, S. 238). Das Gemälde „Ursprung in Gelb“ ist bereits 1964, im Jahr nach der Entstehung, auf Nays bedeutender New Yorker Einzelausstellung in der Galerie Knoedler zu sehen, die entscheidend dazu beiträgt seine Augenbilder international bekannt zu machen.
Scheibler 1073. Literatur: The Sunday Herald Tribune Magazine, New York, erschienen am 2.2.1964, Abb. S. 40.
E. W. Nay, Galerie Günther Franke, München 1963, Kat.-Nr. 8 (mit dem alten Titel „Gelb um“); Ernst Wilhelm Nay, Galerie M. Knoedler & Co. Inc., New York 1964, Kat.-Nr. 6.
Galerie M. Knoedler & Co. Inc., New York 1978 (CA 6716); Galerie Thomas, München; Privatbesitz, Süddeutschland; durch Erbschaft an den jetzigen Besitzer.
Ernst Wilhelm Nay
„Ursprung in Gelb“
Öl auf Leinwand. (19)63. Ca. 110 x 100 cm. Signiert und datiert unten rechts. Verso auf dem Keilrahmen mehrfach signiert und datiert, in Deutsch und Englisch betitelt sowie mit dem alten, gestrichenen Titel „Gelb um“.
„Mit den sogenannten ‚Augenbildern‘ schlägt Nay in seiner Kunst ein Kapitel auf, das im Verlauf seines Lebenswerks immer wieder, nun aber mit elementarer Kraft hervortritt: die Expression. Eingeleitet wurde diese gesteigerte Ausdrucksfähigkeit bereits mit den großen Formaten der vorangegangenen Jahre, in denen Nay mit aggressiver Gestik der Lineamente das Motiv der Scheibe zu verändern sucht. In den Bildern von 1963/64 beginnt er spitz-ovale Spindelformen horizontal oder vertikal über die Scheiben zu malen. Damit entsteht ganz von selbst das Motiv des Auges. Dieses Ur-Thema, das Schauen und Angeschaut werden vereint und in archetypischen Symbolen magische Kräfte und bannende Abwehr verheißt, aber auch Licht und spirituelles Bewusstsein symbolisiert, bedeutet für Nays völlig gegenstandslose Bildgestaltung eine gewaltige Herausforderung. Doch verzichtet er nicht auf die Assoziation der magischen Ausstrahlung dieser gegenständlichen Form, sondern bringt die Wirkung der großangelegten Augenformen seiner Bilder ins Gleichgewicht mit einer überaus bewegten, abstrakten Formensprache, die er in eine sich leidenschaftlich entfaltende Chromatik einbindet. Alle Register einer stark kontrastierenden Farbigkeit, wie auch die Betonung zart-heller und dunkelfarbiger Gegensätze bringt Nay in diesen Dialog ein und steigert damit die Vitalität und Freiheit seiner Bildgestaltung. Doch trotz der neugewonnenen und temperamentvoll eingesetzten malerischen Freiheit ist den Details und der Gesamtkonzeption dieser Bilder eine kontrollierte Ordnung eingegeben. In der Öffentlichkeit werden Nays neue Bilder heftig diskutiert. Auf der ‚documenta III‘ (Kassel 1964) sind drei 4x4 Meter große Hauptwerke von 1964 in einer ungewöhnlichen Hängung an der Decke präsentiert und lösen einen erregten Pressestreit aus (...).“ (Elisabeth Nay-Scheibler, WVZ Gemälde, Bd. II, S. 238). Das Gemälde „Ursprung in Gelb“ ist bereits 1964, im Jahr nach der Entstehung, auf Nays bedeutender New Yorker Einzelausstellung in der Galerie Knoedler zu sehen, die entscheidend dazu beiträgt seine Augenbilder international bekannt zu machen.
Scheibler 1073. Literatur: The Sunday Herald Tribune Magazine, New York, erschienen am 2.2.1964, Abb. S. 40.
E. W. Nay, Galerie Günther Franke, München 1963, Kat.-Nr. 8 (mit dem alten Titel „Gelb um“); Ernst Wilhelm Nay, Galerie M. Knoedler & Co. Inc., New York 1964, Kat.-Nr. 6.
Galerie M. Knoedler & Co. Inc., New York 1978 (CA 6716); Galerie Thomas, München; Privatbesitz, Süddeutschland; durch Erbschaft an den jetzigen Besitzer.
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