Lot no. 860
Eugen Schönebeck (Heidenau/Sachsen 1936 – lebt in Berlin)
„Märkische Landschaft“. 1970
Öl auf Leinwand. 64,5 × 75,2 cm ( 25 ⅜ × 29 ⅝ in.). Rückseitig mit Pinsel in Schwarz signiert und datiert: Schönebeck 70.
Nicht mehr bei Funck. Mit einer Bestätigung des Künstlers vom 14. Juli 2016.–
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Tiefe Wolken hängen über der „Märkischen Landschaft“, die Eugen Schönebeck im Jahr 1970 auf die Leinwand brachte. Unter ihnen tut sich eine unwirkliche Szenerie in gebrochenem Kolorit auf. Streng begrenzte Farbflächen formen sich zu einigen Kiefern, einem Sandboden und einem steinernen Platz samt Tränke. Doch nicht alle Elemente in diesem Bild lassen sich so eindeutig bestimmen. Da ist einerseits der hügelige Hintergrund samt kolbenartigem Turm, der nicht recht in die märkische Umgebung passen will. Ebenso rätselhaft erscheint das bläulich schimmernde Tier an der Tränke. Doch gerade ob ihrer Uneindeutigkeit fügen sich die Bildelemente stimmig in diese märkische Landschaft, die eigentlich keine ist. Denn abgesehen von den Anspielungen auf Kiefern und Sandboden spielen die typischen Erkennungsmerkmale der einstigen Mark Brandenburg keine Rolle. Die Wirklichkeit wollte Schönebeck damals ohnehin nicht wiedergeben, wie er heute erläutert: „Das Thema bildete vielmehr den Anlass für eine geradezu halluzinatorische Einfühlung.“
Es war seine ehemalige Vermieterin, die Schönebeck den Auftrag für das Gemälde erteilte. Als junger Student hatte er die Dachkammer ihres Hauses in Berlin-Wilmersdorf bewohnt, ein kärgliches Provisorium ohne Wasseranschluss. Schnell zog Schönebeck wieder aus. Der Kontakt brach jedoch nicht ab. Und so kam es, dass er eines Tages um eine märkische Landschaft gebeten wurde. Schönebeck willigte ein, entschied sich jedoch gegen Naturstudien. Er befand stattdessen, dass Berlin märkisch genug sei und die „Vorlagen im Gedächtnis“ ausreichten, um das Werk zu komponieren. So entstand das einzige bislang bekannte Landschaftsgemälde- Schönebecks.
Trotz dieser besonderen Stellung im Œuvre findet es sich nicht in den beiden Werkverzeichnissen der Gemälde. Das liegt einmal daran, dass das Werk in Familienbesitz verblieb, weshalb deren Verfasser nichts von dessen Existenz wissen konnten. Außerdem ging man lange davon aus, dass Schönebeck die Malerei Ende der 1960er-Jahre aufgegeben und lediglich 1973 erneut zum Pinsel gegriffen hatte, um den Sammler Erich Marx zu porträtieren. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass Schönebeck sein Kunstschaffen nicht abrupt beendete, sondern allmählich ins Private überführte. Hierdurch verlor die Ölmalerei, die Schönebeck stets als Medium des gesellschaftspolitischen Diskurses begriff, an Bedeutung. Die intime zeichnerische Arbeit rückte an ihre Stelle.
Die „Märkische Landschaft“ markiert aber nicht nur diese Zäsur in Werk und Leben Schönebecks. Sie ist zugleich Fanal eines neuen Verhältnisses von Form und Inhalt. Denn nachdem der Künstler um 1960 gemeinsam mit Georg Baselitz eine neue, provokante Figuration entwickelt hatte, steht bei dem vorliegenden Gemälde nicht mehr der Inhalt, sondern die Form im Vordergrund. Es ist der Beginn eines privaten Kunstschaffens, das nicht mehr politisches Engagement, sondern den Gestaltungswert von Form und Farbe in das Zentrum stellt.
Pay Matthis Karstens
Eugen Schönebeck (Heidenau/Saxony 1936 – lives in Berlin)
„Märkische Landschaft“. 1970
Oil on canvas. 64,5 × 75,2 cm ( 25 ⅜ × 29 ⅝ in.). Signed and dated with brush in black on the reverse: Schönebeck 70.
Date not covered in the catalogue raisonné by Funck. Accompanied by a confirmation by the artist dated 14 July 2016.–
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Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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