Lot no. 133
Eugen von Guérard (Wien 1811 – 1901 London)
Der Ätna im Abendlicht. 1839
Öl auf Leinwand. 37 × 61 cm ( 14 ⅝ × 24 in.). Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert: E: v: Guérard Düsseldorf 1839.
[3380]
Er gilt als der bedeutendste Landschaftsmaler Australiens des 19. Jahrhunderts und als künstlerischer „Entdecker“ der Naturschönheiten des Fünften Kontinents: der in Wien geborene Maler Eduard de Guérard, der sich ab 1852 in Australien aufhielt und 1870 zum Kurator an der National Gallery von Canberra ernannt wurde. Guérards Lebenslauf ist erstaunlich wie seine Werke. In Australien gefeiert als ein Künstlerheld, dem mehrere, große Einzelausstellungen gewidmet wurden (zuletzt „Nature Revealed“, National Gallery of Victoria, Melbourne, 2011), kann Guérard mit seinem Zeitgenossen, dem deutsch-amerikanischen Maler Albert Bierstadt (1830–1902) und dessen Studien der amerikanischen Wildnis verglichen werden. Beide verbanden die europäische Tradition der romantischen Landschaftsmalerei mit dem Eindruck der Erhabenheit und der Überwältigung und führten mit dieser Synthese eine ungekannte Bildsprache in die Kunstgeschichte ein.
Geboren als Sohn des k.u.k. Hofmalers Bernhard von Guérard, besuchte der junge Eduard bereits mit 15 Jahren auf einer Grand Tour die wichtigsten Plätze Italiens. Vermutlich unter dem Eindruck dieser Reisen entstand unser in klassisch akademischer Tradition stehendes Gemälde mit der Ansicht des Ätnas auf Sizilien. Ab 1830 studierte Guérard zunächst in Rom bei Wilhelm von Schadow, zog dann zu seinem Vater nach Neapel, der dort inzwischen eine Anstellung als Hofmaler erhalten hatte. Nach dessen Tod 1836 folgte Guérard seinem Lehrer Schadow nach Düsseldorf, wo er bis 1845 an der Akademie ausgebildet wurde, die zu diesem Zeitpunkt als eine der besten in Europa galt. In Düsseldorf sollten auch Bierstadt und der Historienmaler Emanuel Leutze studieren, denen es ebenfalls gelang, nicht nur in ihren neuen Heimatländern künstlerisch Fuß zu fassen, sondern auch die Qualitäten der Ausbildung in der Alten Welt mit den Motiven der Neuen Welt zu verbinden.
Unser Bild ist ein Schlüssel zum Verständnis des späteren Erfolgs von Guérard. Gezeigt wird der Blick auf den höchsten Vulkan Europas von Norden, ungefähr in Höhe der Hafenstadt Taormina. Der Betrachter schaut auf den sanften Bogen der Meeresbucht, gerahmt wird sein Blick von einer Figurenstaffage rechts und landestypischer Vegetation links. Bereits in jungen Jahren bewies Guérard seine souveräne Beherrschung von Bildkompositionen, die Schichtung der Bildebenen durch Licht und Schatten, das Sfumato, zur Erzeugung von Tiefenwirkung, die Integration narrativer Elemente wie der beiden Frauen in sizilianischer Tracht rechts oder der obligatorischen Rauchschwaden über dem schneebedeckten Vulkangipfel.
Zwei Aspekte unseres Gemäldes sind besonders bemerkenswert. Die blühende Agave im linken Vordergrund zeigt das Interesse des Künstlers für botanische Merkmale eines bestimmten Naturraumes, wie es sein Zeitgenosse Alexander von Humboldt (1769–1859) anhand seiner Südamerika-Expeditionen um 1800 bereits vorgeführt hatte. Auch die späteren australischen Landschaften Guérards zeigen nicht nur eine exakte topografische Wiedergabe der Szenerie, sondern vermitteln dem Betrachter auch über geologische und botanische Kennzeichen den Charakter des dargestellten Landschaftsausschnitts. Zum zweiten wählte Guérard entgegen der Bildtradition des berühmten Ätna-Blicks von Taormina aus nicht die Position auf Höhe der Ruinen des antiken Amphitheaters, sondern nimmt die Bucht der Hafenstadt, die Ruinen auf dem Felssporn über dem Meer und den mächtigen Vulkan im Hintergrund in den Blick. Dieses Zurücktreten und Vergrößern des Bildausschnittes zum fast Panoramahaften wird typisch werden für Guérards Bilder des australischen Outback, dem er nur mit dieser Maßnahme ästhetisch gerecht werden konnte, ging es ihm doch um das Einfangen der Grandeur, der Weite und ungeheuren Ausmaße der farbig glühenden Landschaft. Oliver Sukrow
Eugen von Guérard (Vienna 1811 – 1901 London)
Der Ätna im Abendlicht. 1839
Oil on canvas. 37 × 61 cm ( 14 ⅝ × 24 in.). Signed, inscribed and dated lower right: E: v: Guérard Düsseldorf 1839.
[3380]
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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