Lot no. 230
Fidus (d.i. Hugo Höppener) (Lübeck 1868 – 1948 Woltersdorf b. Berlin)
Von Gott. 1896/1928
Öl auf Leinwand. 150 × 100 cm ( 59 × 39 ⅜ in.). Unten links signiert: Fidus. Unten rechts datiert: 1896 u. 1928.
Kleine Retuschen. [E]
Provenienz: Ehemals Privatsammlung, Frankreich
Ausstellung: Erste Gesamtausstellung der Werke von Fidus. Zu seinem 60. Geburtstage am 8. Gilbhart (X.) 1928. Berlin, Aula der Handelshochschule zu Berlin, und Hamburg, Altonaer Museum, 1928, Kat.-Nr. 117 („Von Gott, Ölgemälde, 1928“) (?)
Nach Jahrzehnten des Vergessens ist „Fidus“, dieser Guru einer Kultur freier Körper und freier Seelen, dieser Weltverbesserer, Weltbeglücker und Prophet einer Zeit im Aufbruch, wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dass er weniger als Ideologe denn vielmehr als Künstler eine ungeheure Brillanz entwickelt hat, demonstrieren seine Zeichnungen und Aquarelle, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind und die als Teil der großen „Künstler und Propheten“-Ausstellung in der Frankfurter Schirn im Jahre 2015 für Furore sorgten.
Es ist nun ein besonderes Ereignis, wenn ein Gemälde dieses Formates von Fidus auf den Markt kommt. Zudem mit einem seltenen, aber für den Künstler selbst ungemein wichtigen Motives. Fidus hat die Anbetungsgeste seines legendären „Lichtgebets“, das zu einem Symbolbild der deutschen Jugendbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde, immer als Pendant verstanden – und zwar mit dem Motiv „von Gott“, das in unserem Gemälde verewigt ist. Eine junge Frau steigt vom Himmel, eben „von Gott“ herab auf die Erde, und sie steigt über die Ruinen eines Tempels, den die Menschen offenbar für heidnische Götter errichtet haben. Nun aber kommt die Abgesandte des Himmels selbst – bei Fidus eben in weiblicher, nackter Gestalt.
Das großformatige Gemälde führt zurück zu Fidus´ revolutionären künstlerischen Anfängen. In der „Internationalen Jahresausstellung“ 1891 zeigte er die zwei Kohlezeichnungen „Zu Gott“ und „Von Gott“, die 1890 entstanden waren und die heute verschollen sind. Es war sein „erster ästhetischer Meilenstein“, wie Pamela Kort es formulierte. „Zu Gott“, das ist eben die Urfassung des „Lichtgebets“, die er später immer wieder variierte, aber eben 1891/92 erstmals als Komposition formulierte. Wir haben eine kostbare Quelle über den Bildzusammenhang von Hugo Göring aus dem Jahr 1892. Er schreibt dem Verleger, der eine Mappe mit Lichtdrucken nach Fidus erwägt, dass er neben „Zu Gott“ ein zweites Bild empfehlen würde: „Von Gott“. Denn: „Fidus hat beide als Ganzes gedacht. Ein kleines Mädchen kommt von der Höhe des wilden Felsengebirges. Gotterfüllt breitet es die Arme aus, wie im Begriff, den Menschen unten im Thal den Gottesgruß zu bringen. Wild tobt unter ihm der schäumende Gebirgsbach durch die Felsblöcke. Kindlich vertraut das Mädchen in Gottes Hand den Elementen.“
Unser Gemälde ist eine großformatige Fassung dieser frühen Version, erstmals 1896 malerisch formuliert und 1928 vom Künstler noch einmal wiederholt, auch von „Zu Gott/Lichtgebet“ hat er über die Jahrzehnte mehrere eigenhändige Fassungen gemalt. Fidus selbst hat sein Gemäldepaar als den Ausdruck „einer Ahnung eines neuen Lebensgefühls und des Willens zu einer neuen Lebensart“ bezeichnet. Er verbindet in diesen Arbeiten sowohl das religiöse Prophetentum seines Lehrers Dieffenbach mit Nietzsches Licht- und Sonnensymbolik, die Teosophie mit germanischen Kulten. Und der Titel unseres Bildthemas stammt offenbar aus einer 1890 verfassten Schrift Hübbe-Schleidens mit dem Titel „Das Dasein als Lust, Last und Liebe“, worin sich, wie Pamela Kort nachgewiesen hat, die folgenden Sätze finden: „Bezeichnet man nun so die ewige Einheit der raum- und zeitlosen Urkraft, in die sich der Anfang und das Ende der Entwicklung unseres Weltkreislaufes verlieren als ‚Gott‘, so kann man unser ganzes Weltdasein zusammenfassen in das dichterische: ‚Von Gott zu Gott!‘“. So handelt es sich bei unserer Leinwand um die höchst seltene malerische Umsetzung von Fidus zweitem Ursprungsmotiv, das nun wieder ausformuliert vorliegt und somit künftig neuerlivh als Pendant zum „Lichtgebet“ gedeutet werden kann.
Florian Illies
Fidus (i.e. Hugo Höppener) (Lübeck 1868 – 1948 Woltersdorf near Berlin)
From God. 1896/1928
Oil on canvas. 150 × 100 cm ( 59 × 39 ⅜ in.). Signed lower left: Fidus. Dated lower right: 1896 and 1928.
Minor retouchings. [E]
Provenienz: Formerly private collection, France
Ausstellung: Erste Gesamtausstellung der Werke von Fidus. Zu seinem 60. Geburtstage am 8. Gilbhart (X.) 1928. Berlin, Auditorium of the Handelshochschule zu Berlin, and Hamburg, Altonaer Museum, 1928, cat. no. 117 („Von Gott, Ölgemälde, 1928“) (?)
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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