Lot no. 332
Francesco Rosa (Genua um 1638 – Nach 1710 Venedig)
Alexander der Große betrauert den toten Dareios III. (330 v. Chr. bei Hekatompylos). Um 1700
Öl auf Leinwand. 216 × 324 cm ( 85 × 127 ½ in.).
[3095]
Provenienz: Wohl aus einem Palazzo, Venedig / 1998 Privatsammlung, Italien / Privatsammlung, Süddeutschland
Literatur und Abbildung: Auktionskatalog, Sotheby's, London, 17. Dezember 1998, Los 185 (als “Achilles mourning the Death of Patroclus”)
Francesco Rosa, dessen genaue Geburts- und Sterbedaten unbekannt sind, gilt als Vertreter des sogenannten Tenebrismus, eines Stils, der von einer Gruppe von Malern praktiziert wurde, die zwischen ungefähr 1660 und dem Ende des 17. Jahrhunderts in Venedig aktiv waren. Die Künstler der Gruppe malten in einem neo-caravaggesken Stil, der besonderen Wert auf realistische Effekte legte. Da man Francesco Rosa mit einem Maler gleichen Namens verwechselte, der im späten 17. Jahrhundert mit einigem Erfolg in Rom tätig war, blieb die Identität des Malers unseres Bildes lange unklar.
Es scheint, dass unser Francesco Rosa in Genua geboren wurde und dort auch seine Ausbildung erhielt. Um 1663 hatte er seinen ersten Auftritt in Venedig, wo er von den örtlichen Kunstkritikern Martinioni, Boschini und Zanetti bewundernd erwähnt wurde. Sein Stil orientiert sich an Genueser Vorbildern – insbesondere an Giovanni Battista Carlone, der sein Lehrer gewesen sein könnte – und zeigt Ähnlichkeiten mit dem seines begabten Landsmanns Giovanni Battista Langetti, der ebenfalls eine kurze und sehr erfolgreiche Karriere in Venedig vorzuweisen hat.
Rosas erstes und einzig datiertes Werk in Venedig ist ein sehr großes Leinwandgemälde von 1670 in der Frarikirche mit der Darstellung des Wunders des Heiligen Antonius. Einige weitere signierte Gemälde aus seiner Zeit in Venedig sind Rosa in den letzten Jahren zugeordnet worden. Andere Werke sind in München ausfindig gemacht worden, wo er von ungefähr 1679 bis 1699 als Hofkünstler der Wittelsbacher tätig war. 1699 ist Francesco Rosa in Brüssel dokumentiert, 1710 erscheint sein Name in einem venezianischen Schriftstück. Danach verliert sich seine Spur.
Das vorliegende Gemälde ist ein typisches Werk Francesco Rosas, das durch Chiaroscuro-Effekte, eine gewisse Theatralik, einen beinahe groben Realismus und bestimmte Details wie die besondere Ohrenform oder die übertriebenen Armmuskeln der Protagonisten gekennzeichnet ist. Das monumentale Bild zeigt Alexander den Großen, der den Leichnam seines Gegners, des persischen Königs Dareios, betrauert.
Das in der venezianischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts beliebte Thema stand für die Großherzigkeit der Fürsten – eine Tugend, mit der sich das Patriziat Venedigs selbst gerne in Verbindung brachte. Das 216 x 324 cm große Werk wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil der Ausstattung des Portego oder der zentralen Halle eines venezianischen Palastes gewesen sein. Ein solches Ensemble hat sich beispielsweise im Palazzo Albrizzi nahe des Campo Sant’Aponal in Venedig erhalten. Francesco Rosa scheint zu dem Ausstattungszyklus ein Leinwandgemälde mit der Darstellung des barmherzigen Samariters beigetragen zu haben. Einen archivalischen Beleg gibt es für diese These jedoch nicht.
Bernard Jan Aikema – Universität Verona
Vergleichsliteratur: Bernard Aikema: Francesco Rosa a Venezia; in: Paragone. Rivista mensile di arte figurativa e letteratura, Jg. 48 (1997), Ser. 3, 12, S. 42–55
Pictures credits: Contact organization
Drawings, watercolours and pastels
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